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„Angekommen“ heißt dieses Projekt der Musikschule Herten, bei dem Improvisation ganz oben steht. Einen Eindruck davon gaben die Teilnehmer am Mittwochabend im Bürgerhaus Herten-Süd.

Konzert im Bürgerhaus Süd

Mit Musik Brücken bauen

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HERTEN - Joy Fleming sang es schon 1975: „Ein Lied kann eine Brücke sein“. Dass diese Brücke Menschen unterschiedlicher Generationen und Kulturen ungeachtet ihrer sozialen Herkunft und körperlichen oder geistigen Behinderungen verbindet, beweist seit mehr als zweieinhalb Jahren die städtische Musikschule in einem ganz besonderen Maß. Wie weit sie mit ihrem Brückenschlag seitdem gekommen ist, demonstrierte sie in einer begeisternden Vorstellung im Bürgerhaus Süd vor etwa 80 Gästen.

Den Anfang machte das Ensemble „Musica Arkadas“ unter Leitung von Birgit Mattern und Alpay Bozkurt. Die Gruppe steht auch für den Anfang der vom Land NRW geförderten Anstrengungen zur Integration durch Musik. Die 14 Männer und Frauen unterschiedlichen Alters überzeugten instrumental und gesanglich und rissen bei ihrem zweiten Auftritt zum Ende der Veranstaltung das Publikum zum Mitklatschen und Mitsingen hin. Wie alle Vortragenden des Abends bewies die Baglamagruppe von Yalcin Karakus, dass sich auch orientalische Klänge wohltuend in westlichen Ohren breitmachen können. Auch der Interkulturelle Chor unter Leitung von Yalcin Karkus und Alpay Bozkurt überzeugte.

Vertrauen aufbauen, Sprache lernen

Mit zwei Kindern, vier und fünf Jahre alt, folgten die „Erdmännchen“ zum Tanz nach einem Lied aus dem Kindergarten. Musikschulleiterin Sabine Fiebig erläuterte: „Bei den Erdmännchen, von denen es bei uns schon zehn gibt, handelt es sich um Kinder, die zum Teil durch Krieg und Flucht viel mitgemacht haben. Sie konnten kein Wort Deutsch und waren äußerst kontaktscheu. Durch Musik gelingt es uns zunehmend, in Kontakt mit ihnen zu kommen und ihr Vertrauen zu gewinnen. In diesem Miniprojekt spielt der Spracherwerb eine ganz entscheidende Rolle.“

Um Sprache, eher um die Tücken und Fallen der deutschen Sprache, ging es auch Bahattin Gemici in einem seiner viel beklatschten Beiträge. Gemici war Lehrer und ist Autor einer ganzen Reihe mehrfach ausgezeichneter Bücher. Als Gast des Abends las er aus einigen seiner Gedichte und Geschichten vor. Mit seinen Themen um Integration und Heimat ließ er seine Zuhörer mal schmunzeln und mal nachdenklich werden.

Das Projekt „All in One“ unter Leitung von Stephanie Plewka vertritt den integrativen Ansatz am deutlichsten: Alle Menschen ab 14 Jahren, Anfänger und Fortgeschrittene und jedes Instrument, sind hier willkommen. Improvisation im musikalischen und sprachlichen Ausdruck steht beim jüngsten Projekt „Angekommen“ unter der Leitung von Dincer Gücyeter ganz hoch im Kurs. Der erste offizielle Auftritt wird am 3. Februar im Glashaus sein. Ihr Gastspiel am Mittwoch sahen die jungen Leute als Test für ihre erste Arbeitsphase. Noch mehr als der Erfolg des Abends ist Sabine Fiebig die Fortsetzung der Arbeit in den nächsten Jahren wichtig: „Obwohl das noch nicht ganz spruchreif ist, stehen doch alle Zeichen auf Grün, dass unsere Projekte für weitere drei Jahre gefördert werden.“

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