Post aus Düsseldorf

AfD lädt Schützen zum Neujahrsempfang ein

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HERTEN - Vier Einladungen zum Neujahrsempfang der AfD im Düsseldorfer Landtag flatterten kürzlich der Bürgerschützengilde Westerholt ins Haus. Vorsitzender Bruno Weinert und drei seiner Vorstandskollegen sollten herzlich willkommen sein bei der Veranstaltung am 11. Januar – in abendlicher Garderobe, versteht sich. „Warum wir eingeladen wurden, ist uns völlig schleierhaft“, sagt Bruno Weinert.

Er selbst besitzt das rote Parteibuch der SPD und sitzt für seine Partei im Rat der Stadt Herten. Einen Bezug oder gar Kontakte zu der rechtspopulistischen „Alternative für Deutschland“ pflegten weder er selbst noch seine Schützenbrüder, versichert der Gildenmeister. „Vielleicht dachten die, sie könnten bei uns landen, weil wir als Schützenverein Traditionen pflegen.“ Im Düsseldorfer Landtag seien die Westerholter Schützen durchaus schon mal zu Gast gewesen. „Allerdings beim Tag der Schützen – das macht ja Sinn“, sagt Weinert.

„Gemeinschaft steht bei uns im Vordergrund“

Helmut Richter, zweiter Vorsitzender der Schützenbruderschaft Ebbelich, weiß von derlei Einladungen durch die AfD nicht zu berichten. „Wir hätten aber auf keinen Fall daran teilgenommen“, sagt Richter. „Mit den Zielen dieser Partei kann ich mich nicht identifizieren. Außerdem sind wir unpolitisch. Gemeinschaft steht bei uns im Vordergrund.“

Ähnlich sieht das Markus Wiese, Chef des Schützenvereins Herten-Mitte. „Wir wollen keine Verbindung zur AfD haben und wären nicht zum Neujahrsempfang gegangen, wenn wir eine Einladung erhalten hätten.“ Dabei verwundert es Markus Wiese, dass man ihn nicht zu der Veranstaltung gebeten hat. „Es war nämlich schon vor Monaten angekündigt, dass die AfD so was vorhat“, berichtet er. Durch Mundpropaganda habe sich die Kunde verbreitet, dass die Rechtspopulisten die Schützenvereine in ihr Boot holen wollen. „Deshalb habe ich schon auf so eine Einladung gewartet, aber dann kam nichts“, sagt Wiese. „Ich bin froh, dass der Kelch an mir vorübergegangen ist.“

Franz-Josef Ritter, der lange Vorsitzender der Bürgergilde Disteln-Backum war, wundert sich gar nicht darüber, dass die AfD Kontakt zu Schützenvereinen sucht. „Uniformträger – das hat was von Recht und Ordnung“, sagt er. „Ich kann mir gut vorstellen, dass es da Querverbindungen gibt.“ Die Bürgergilde sieht sich heute als Heimat- und Verschönerungsverein. „Wir haben die Finger von der Schießerei gelassen – nicht zuletzt, weil immer mehr Jugendliche zu uns kamen, denen es nur darum ging, die Waffenbesitzkarte zu bekommen.“ Eine Einladung zum AfD-Empfang hat die Bürgergilde nicht.

"Wir gehen da nicht hin"

Ein Vertreter der Landtagsfraktion der AfD war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, wohl aber Ulrich Wolinski, Sprecher des AfD-Kreisverbands Recklinghausen. In Herten gibt es keinen Ortsverband. Auf sein Konto gehe die Einladung der Schützen nicht, erklärt Wolinski. Auch sei ihm über die Hintergründe nichts bekannt. Es sei denkbar, dass auf diesem Wege neue Mitglieder geworben werden sollen. Schließlich sei es schwer genug, fähige Leute zu finden – etwa, um in Herten einen Stadtverband zu gründen. Die vier Einladungen der Westerholter Schützen sind umgehend im Altpapier gelandet. Bruno Weinert: „Wir gehen da nicht hin. Das Thema ist für uns gegessen.“

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