Prozess

Angeklagter bestreitet Missbrauch

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HERTEN/BOCHUM - Diese Aussage ging unter die Haut. Im Prozess um den Missbrauch eines anfangs erst vier Jahre alten Mädchens in Herten und Marl macht sich die Mutter des Kindes noch immer schwere Vorwürfe.

Ihre erschütternde Zeugenvernehmung gestern vor dem Bochumer Landgericht hatte kaum begonnen, da flossen auch schon die Tränen. „Ich habe mich bei meiner Tochter entschuldigt, dass ich zu einer Freundin gegangen bin, während ihr so etwas passiert ist“, sagte sie den Richtern. „Ich wünschte, ich hätte etwas bemerkt.“

Die 31-Jährige hatte den Angeklagten 2005 kennengelernt und war praktisch sofort mit ihm zusammengezogen. Mit ihrer Tochter, um die es nun geht, war sie damals in Umständen. Das Mädchen hat einen anderen Vater. „Ich habe eigentlich gedacht, dass alles gut funktionieren wird.“ Aber dann habe es immer nur Streit gegeben.

Getrennt hat sich das Paar, das zwischenzeitlich geheiratet hatte, trotzdem nicht. Bis 2016. „Eines Abends kam meine Tochter noch mal runter“, so die 31-Jährige. „Die Zähne haben geklappert, sie hat am ganzen Körper gezittert.“ Und dann habe sie erzählt, dass sie vom „Papa“ vergewaltigt werde.

„Mama, das tut so weh“, soll das kleine Mädchen unter Tränen gesagt haben. Danach habe es fürchterliche Vorgänge geschildert, die sich zunächst in der Hertener Wohnung der Familie, dann – nach einem Umzug – in der Nachbarstadt Marl zugetragen haben sollen.

Der 39-Jährige will davon jedoch nichts wissen. Er hat die Vorwürfe bestritten. „Ich war in meinem Leben immer nur der Sündenbock“, sagte er den Richtern. „Ich weiß gar nicht warum.“ Er sei immer nur eine „Arbeitsmaschine“ gewesen und habe alles „Menschenmögliche“ getan, damit alle glücklich seien. Und jetzt solle er in den Knast. „Damit komme ich nicht klar“, sagte er den Richtern. „Ich brauche psychologische Hilfe.“

Da der gelernte Maler und Lackierer die Vorwürfe bestreitet, muss nun auch die heute 13-jährige Schülerin in den Zeugenstand. Um ihre Aussage besser bewerten zu können, wurde bereits eine Glaubwürdigkeits-Gutachterin hinzugezogen.

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