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Der Angeklagte mit seinen Verteidigern Siegmund Benecken (l.) und Jens Tuschhoff (r.).

Prozessauftakt

Todesfahrer aus Herten will Stimmen gehört haben

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RE/HERTEN - Vor dem Bochumer Schwurgericht hat am heutigen Mittwoch (19.6.) der Prozess gegen den mutmaßlichen Todesfahrer von der Hertener Straße in Recklinghausen begonnen.

Angeklagt ist ein psychisch kranker Familienvater (33) aus Herten. Die Anklage lautet unter anderem auf vollendeten Mord und siebenfachen Mordversuch.

Es war kurz nach 15 Uhr, als der Angeklagte an der Seite von zwei Wachtmeistern den Gerichtssaal betrat. Zu den Vorwürfen wollte sich der bullige Mann (graues Sakko, weißes Hemd, raspelkurze Haare) nicht äußern. „Er wird umfassend von seinem Schweigerecht Gebrauch machen“, erklärte Verteidiger Siegmund Benecken. Vor Prozessbeginn hatte der Marler Rechtsanwalt aber bereits klar erkennen lassen, dass der 33-Jährige die Fahrt in die Passanten gar nicht abstreiten kann und will. „Das Geschehen tut ihm wahnsinnig leid“, sagte Anwalt Benecken.

Rückblick: Der Pkw war laut Anklage am 20. Dezember 2018 um 14.53 Uhr ungebremst in eine vor der Bushaltestelle „Paulusstraße“ wartende Menschenmenge gerast. Eine 88-jährige Seniorin wurde getötet, sieben Passanten erlitten Gehirnerschütterungen, Prellungen und Schocks. Fast alle Betroffenen haben sich dem Mordprozess als Nebenkläger angeschlossen.

Tablettencocktail eingeworfen

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 33-Jährige sich das Leben nehmen wollte und dazu das Auto als eine Art Waffe eingesetzt hat. Einen möglichen Tod der Passanten soll er bei dem geplanten „Mitnahme-Suizid“ einkalkuliert haben. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft haben ergeben, dass der 33-Jährige schon länger innere Befehle gehört hat. „Er ist ein sehr kranker Mann. Am Tattag hat er wohl eine Stimme gehört, wonach Jesus sein Blut fordert“, sagte Verteidiger Benecken. Daraufhin habe sich der 33-Jährige einen Tabletten-Cocktail eingeworfen. Auf dem Weg mit dem Pkw zum Kanal, in dem er sich angeblich ertränken wollte, will er dann am Steuer eingeschlafen und in die Haltestelle gefahren sein. All das hatte der 33-Jährige offenbar in einer ersten Befragung zu Protokoll gegeben.

Die Staatsanwaltschaft hat den mutmaßlichen Todesfahrer von vorneherein als vermindert schuldunfähig eingestuft, strebt neben einer Haftstrafe auch die unbefristete Unterbringung in einer geschlossenen Psychiatrie an. Für den Mordprozess sind noch 20 Termine bis zum 24. Oktober anberaumt.

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