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Joana Ansere Asamoah (r.) ist nicht nur Kundin des Reparaturcafés, sondern übernimmt auch immer öfter selbst die Nähmaschine von Kerstin Lührs.

Repair-Café

Retten, was zu retten ist

HERTEN - Jürgen Walkowiak sitzt an einem Tisch im Gemeindezentrum der Thomaskirche Westerholt. Der gelernte Elektriker hat einen aufgeschraubten Föhn in der Hand, vor ihm auf dem Tisch liegen Schraubendreher und andere Werkzeuge, ein Testgerät, ein Lötkolben und eine Steckdosenleiste. „Was machen wir damit? Sieht schlecht aus.“

Der Föhn gehört einer Besucherin des „Repair Cafés“ der Diakonie. Dort begutachten und reparieren Ehrenamtler Elektrogeräte, Möbel, Fahrräder, Textilien und mehr. Dies ist seit vier Jahren ein sehr beliebtes Angebot und eine feste Institution, wie Martin Dienberg erklärt: „Das ist schon wie eine kleine Familie hier.“ Zusammen mit Holger Lorenzen organisiert er das Café. Trotz der Devise „reparieren statt wegwerfen“ haben die Reparateure längst nicht immer Erfolg. Jürgen Walkowiak zum Beispiel kann den Föhn nicht mehr retten.

Nichtsdestotrotz lohnt sich die Inspektion, wie Dienberg erklärt: „Wenigstens wissen die Kunden, dass sie nichts wegwerfen, was man hätte retten können. Und im Handel hätte man auf jeden Fall geraten, etwas Neues zu kaufen.“ Die nächsten Interessenten sitzen schon mit einem Kaffee am Tisch und warten darauf, ihre Geräte übergeben zu können.

„Kleines Teil, große Wirkung“

Am Tisch nebenan ist Kerstin Lührs mit ihrer Nähmaschine für Textilreparaturen zuständig – und sehr zufrieden: „Heute läuft es gut.“ Neben ihr sitzt Joana Ansere Asamoah. Lührs hat nicht nur ihr Kleid repariert, die Frau aus Ghana sitzt seit über einem Jahr auch oft selbst an der Nähmaschine des Reparaturcafés: „Ihr Asylverfahren läuft noch. Obwohl sie schon seit zwei Jahren hier ist und ihre Kinder hier zur Schule gehen, besteht noch die Gefahr, dass sie abgeschoben werden könnte“, erklärt Dienberg, „aber gute Integration wie hier wirkt sich positiv auf die Asyl-Chancen aus“.

Das nächste „Repair Café“ findet am 2. Februar, 14 bis 17 Uhr, in der Erlöserkirche Ewaldstraße statt.

Am Ende hat Jürgen Walkowiak doch noch ein Erfolgserlebnis: Er konnte ein Grundig-Radio aus dem Jahr 1956 wieder zum Leben erwecken. Dafür musste er nur die Sicherung auswechseln. „Kleines Teil, große Wirkung“, merkt zufrieden an.

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