(Symbolbild) picture alliance/Tim Oelbermann/dpa
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Nach mehreren Raubüberfällen auf Geldboten steht ein Trio nun vor Gericht.

Trio vor Gericht

Raubüberfälle auf Rewe-Geldboten: V-Mann gab entscheidenden Tipp; peinlicher Fehler der Polizei

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Ein angeklagtes Trio schweigt zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Bochum zu den Vorwürfen. Die drei Männer sollen unter anderem in Herten einen Rewe-Geldboten ausgeraubt haben.

Update 24. November: Der entscheidende Hinweis kam im Februar 2020: Nach drei Überfällen auf Rewe-Geldboten in Herten und Gelsenkirchen hatte sich ein V-Mann an die Polizei gewandt. Rund zwei Monate später erfolgten die Festnahmen.

Eine der Schlüsselfiguren soll ein 30-Jähriger aus Recklinghausen sein, der vorher in der Hertener Rewe-Filiale an der Bahnhofstraße in Westerholt gearbeitet hat. „Die Verbindungsperson hat angegeben, dass er es war, der den Überfall am 2. November 2019 in Herten geplant hat“, sagte die Ermittlungsführerin der Polizei den Bochumer Richtern am heutigen Dienstag (24.11.).

Was folgte, waren intensive Ermittlungen. Handys wurden abgehört, Verbindungen zu einem früheren Überfall vom 28. Oktober 2019 hergestellt.

Fahndern unterläuft ein peinlicher Fehler

Bei der Auswertung der Handy-Funkzellen an den Tatorten ist den Fahndern allerdings ein peinlicher Fehler unterlaufen. Wie sich erst viel später herausgestellt hat, war nicht der 28. Oktober überprüft worden, sondern der 29. Bei dem Beschluss, die Daten zu erheben, war sich schlichtweg um einen Tag vertan worden. Eine nachträgliche Korrektur ist offenbar nicht mehr möglich. Die Funkzellen-Daten sollen inzwischen gelöscht sein. Beim zweiten Überfall sollen dann allerdings die Handys aller drei Angeklagten in Tatortnähe eingeloggt gewesen sein.

Es gibt allerdings auch noch eine weitere wichtige Spur: Einer der anderen beiden Angeklagten soll kurz vor einem der Überfälle auf einer Mauer gesessen und geraucht haben. Das ist offenbar auf Überwachungsbildern eines Busses zu sehen. Die Zigarettenstummel hatte die Polizei später eingesammelt – mit seiner DNA.

Die drei Angeklagten selbst haben sich im Prozess noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Sie sollen rund 90.000 Euro erbeutet haben. Der Prozess am Bochumer Landgericht wird fortgesetzt.

Unsere bisherige Berichterstattung:

Drei mutmaßliche „Rewe-Räuber“ stehen nach Raubüberfällen auf Geldboten von Supermarkt-Tageseinnahmen vor dem Bochumer Landgericht. Ein Angeklagter (30) aus Recklinghausen soll seine Komplizen (28/54) als damaliger Rewe-Angestellter mit wertvollem Insiderwissen versorgt haben.

In Gelsenkirchen soll die Bande am 28. Oktober 2019 die erste von drei Taten verübt haben. Zwei Geldboten sollen von zwei der Angeklagten abgefangen, bedroht und ausgeraubt worden sein. Es ging um Rewe-Einnahmen im Wert von 40.000 Euro. Bei einem zweiten Überfall in Herten soll der Ex-Rewe-Verkäufer aus Recklinghausen einen Überfall vorgetäuscht haben. Gemeinsam mit einem echten Geldboten soll der 30-Jährige die Einnahmen (30.000 Euro) zur Bank gebracht haben, als seine Komplizen den Geldboten attackiert haben sollen.

Geldbote wird mit Pfefferspray besprüht

Der dramatischste Coup soll der dritte Überfall gewesen sein. Abermals in Gelsenkirchen soll ein Geldbote am 18. November 2019 von zwei Angeklagten diesmal sogar mit Pfefferspray besprüht worden sein. Beute laut Anklage hier: 20.000 Euro. Auf die Spur der Täter waren die Ermittler durch einen V-Mann gekommen. Dieser hatte offenbar mitgekriegt, dass der nun angeklagte Ex-Rewe-Mitarbeiter in Herten einen Überfall geschauspielert habe, in Wirklichkeit Tippgeber gewesen sei. Daraufhin wurde dessen Telefon „angezapft“.

Festnahme erfolgt kurz vor viertem geplanten Raubüberfall

Die Festnahme des Trios erfolgte laut Anklage kurz vor der Ausführung eines vierten Coups in Düren. Bei einem für den 2. Mai geplanten Raubzug soll das Trio darauf spekuliert haben, dass die Leute wegen der Corona-Beschränkungen gezwungen seien, den „Tanz in den Mai“ zu Hause zu feiern und daher bei dem dortigen Rewe-Markt mit einem erhöhten Einkauf an Spirituosen (und damit mit höheren Einnahmen) zu rechnen sei. Zum Prozessauftakt wollte sich keiner der Angeklagten äußern. Die Urteile werden frühestens am 24. November gesprochen.

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