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Ein Schild an der Eingangstür des Reisebüros weist darauf hin, dass es "aus gesundheitlichen Gründen" vorübergehend geschlossen sei.

Ermittlungen gehen weiter

Herten: Reisebüroinhaber gesteht Betrug - das ist sein Motiv

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  • Danijela Budschun
    Danijela Budschun
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Zahlreiche Hertener hatten sich auf tolle Urlaubsreisen gefreut oder wollten in die Heimat fliegen. Doch dann gab es ein böses Erwachen, Tumulte am Reisebüro, einen großen Polizeieinsatz und jetzt ein Geständnis.

Update 29.07. (17.45 Uhr):

Dr. Christian Kuhnert, Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Bochum, hat im Fall des unter Betrugsverdachts stehenden 39-jährigen Reisebüroinhabers Serdar Ö. bestätigt:  „Der Beschuldigte hat die Tatvorwürfe eingeräumt. Als Grund gibt er Überschuldung an.“ 

Die Polizei kann aber auch elf Tage nach Bekanntwerden des Reisebetrugsskandals noch nicht sagen, wie groß der Schaden ist, den Serdar Ö. mutmaßlich zu verantworten hat.

Fakt ist: Mehr als 160 Kunden des Reisebüros haben sich bei der Polizei gemeldet und Strafanzeigen erstattet. Nun ist eine eigene Ermittlungskommission eingerichtet.

Update, 26.07. (16 Uhr):

Der Tatverdächtige befindet sich wieder auf freiem Fuß. Der zuständige Richter hat zwar Haftbefehl gegen Serdar Ö. erlassen, unter Auflagen wurde er aber wieder entlassen.

Update, 26.07. (10:26 Uhr):

Der 39-jährige Reisebürobetreiber, dem Betrug vorgeworfen wird, hat sich heute der Polizei gestelt. Der Tatverdächtige wurde auf der Polizeiwache Herten vorläufig festgenommen und befindet sich aktuell noch im Polizeigewahrsam.

Nach einem Polizei-Einsatz am Freitag (19.7.) an dem Reisebüro meldeten sich in den darauffolgenden Tagen eine Vielzahl von Geschädigten bei der Polizei. Aktuell ist von etwa 160 Geschädigten auszugehen. Die genaue Schadenssumme kann noch nicht beziffert werden.

Die Ermittlungen dauern an.

Update, 24.07. (13:23 Uhr): 

Im Fall des Betrugsverdachts gegen einen 39-jährigen Reisebüroinhaber aus Herten sind die Ermittler damit beschäftigt, die Anzeigen der Kunden auszuwerten. „Zu den rund 160 Anzeigen sind keine neuen hinzugekommen“, sagt Polizeisprecher Andreas Wilming-Weber am Dienstag auf Nachfrage dieser Zeitung. Parallel zu der Auswertung der Anzeigen läuft weiter die Fahndung nach Serdar Ö. „Wir wissen nicht, wo er sich aufhält“, sagt der Polizeisprecher. 

Update, 17:26 Uhr:

Die Ermittlungen im Fall des Betrugsverdachts nehmen immer größere Ausmaße an. Der Polizei liegen mittlerweile schon 160 Anzeigen vor. Der Verdächtige ist nach Angaben der Polizei weiterhin flüchtig.

Weitere Hintergründe zum Thema lesen Sie am Dienstag im E-Paper und in der Print-Ausgabe der Hertener Allgemeinen.

Update Montag, 22. Juli, 12:02 Uhr:

In der Redaktion hat sich Ali J. gemeldet. Die Familie des 19-Jährigen ist betroffen. Konkret: Seine Eltern, drei Geschwister sowie eine weitere sechsköpfige Familie. „Wir haben im Dezember gebucht, Flüge mit Pegasus Airlines in den Libanon, nach Beirut. Am Samstag vor einer Woche habe ich bei Pegasus angerufen, um die Flugzeiten zu überprüfen. Da wurde mir gesagt, dass der Flug storniert wurde – drei Tage, nachdem meine Eltern gebucht hatten.“ 

Noch am selben Tag sei Ali J. in das Reisebüro an der Kaiserstraße gegangen, der Inhaber habe ihm neue Tickets ausgehändigt – Hinflug mit Turkish Airlines, zurück mit Pegasus. „Er sagte, wir sollen uns keine Sorgen machen“, erzählt Ali J. Einen Tag später sei seine Familie dann auch von Düsseldorf losgeflogen. Erneut bezahlen mussten sie für die Tickets nicht. Sie hatten bereits 3500 Euro bezahlt.

Reisebüro in Herten: Polizei empfiehlt Anzeige

Als Ali J. dann jedoch von dem Polizeieinsatz am Freitag hörte, rief er bei Pegasus Airlines an. Man teilte ihm mit, dass der Rückflug seiner Familie storniert worden sei. Ali J. fuhr zum Reisebüro an der Kaiserstraße. Die Polizisten rieten ihm, Anzeige zu erstatten – was er auch getan hat. Seine Familie muss sich nun um neue Rückflüge aus dem Libanon kümmern. „Meine Eltern haben sich erkundigt, das wird sie wohl noch einmal 2000 Euro kosten“, sagt Ali J. 

Die Betroffenen sind nicht nur wütend, sondern auch enttäuscht. Seine Familie habe seit Jahren bei Serdar Ö. gebucht, erzählt Ali J. „Bisher immer ohne Probleme.“ 

Update Sonntag, 21. Juli, 11:42 Uhr:

Polizeisprecher Andreas Wilming-Weber hat auf Nachfrage bestätigt, dass es am Freitag, 19. Juli, gegen 19:40 Uhr einen Einsatz am betroffenen Reisebüro an der Kaiserstraße 72 in Herten gegeben hat. Etliche Personen hätten sich im bzw. am Reisebüro aufgehalten, es hieß, manche hätten Sachen rausgetragen. Vor Ort trafen die Beamten sowohl Geschädigte als auch Mitarbeiter an, sagt Wilming-Weber. Die Personen seien kontrolliert worden. "Es hat keinen Einbruch gegeben" , so der Polizeisprecher. Die Polizisten hätten im Reisebüro Spuren gesichert und das Ladenlokal versiegelt.

Der Inhaber ist flüchtig

Der Inhaber des Reisebüros, der 39-jährige Hertener Serdar Ö., ist laut Andreas Wilming-Weber flüchtig. Die Polizei sucht nach ihm: "Wir haben Fahndungsmaßnahmen eingeleitet." Bei der Polizei seien zahlreiche Anzeigen gegen den Reisebüroinhaber eingegangen. Die Ermittlungen gehen laut Wilming-Weber in Richtung Betrug: "Das Fachkommissariat für Betrugsdelikte hat die Ermittlungen aufgenommen." Eine zentrale Frage sei, wie viele Betroffene es gebe, weil entweder die Buchungen storniert oder die Zahlungen nicht weitergeleitet worden seien.

985 Mitglieder in der "Opfer-Gruppe"

Wie viele Betroffene es gibt, ist derzeit noch völlig unklar. Die "Opfer"-Gruppe im sozialen Netzwerk Facebook ist bis zum Sonntagmittag jedenfalls auf 985 Mitglieder angewachsen. Betroffene, die Anhaltspunkte dafür hätten, dass sie betrogen worden seien, sollen sich mit der Polizei in Verbindung setzen, sagt der Polizeisprecher. Und am besten alle Unterlagen mitbringen, die sie zur Verfügung haben, etwa eine Buchungsbestätigung.

In den sozialen Netzwerken im Internet wird derweil immer wieder spekuliert, dass es in schon einmal einen ähnlichen Fall gegeben habe. Dieser ereignete sich vor acht Jahren. Dabei handelte es sich aber um ein anderes Reisebüro.

So haben wir am Samstag, 20. Juli, berichtet:

Die Sommerferien haben begonnen, viele Hertener freuen sich auf Reisen in schöne Urlaubsländer. Viele Bürger mit türkischen Wurzeln wollen in die Türkei fliegen. Doch bei vielen ist die Vorfreude jetzt in Enttäuschung, Schrecken und Wut umgeschlagen. Am Freitagabend musste sogar die Polizei einschreiten und offenbar Plünderungen verhindern.

Es gibt viele Geschädigte

Offenkundig hat ein Reisebüro in der Hertener Innenstadt in großem Maße Schindluder getrieben. Das Reisebüro genoss besonders bei türkischstämmigen Kunden, aber auch bei vielen Deutschen ein hohes Ansehen. Dementsprechend gibt es viele Geschädigte. Die genaue Anzahl lässt sich noch nicht abschätzen. Bei Facebook haben Betroffene allerdings eine eigene "Opfer"-Gruppe gegründet, die am Samstagmittag schon mehr als 200 Mitglieder hatte.

Kunden stehen ohne gültige Tickets da

Mehrere Betroffene haben sich bei unserer Redaktion gemeldet und ihre Erlebnisse geschildert. Demnach hat der Inhaber des Reisebüros in diversen Fällen die Kundengelder für gebuchte Reisen und Flüge direkt in die eigene Tasche gesteckt, ohne die Buchungen tatsächlich vorzunehmen. In anderen Fällen wurden offenbar Flüge gebucht, den Kunden die Tickets ausgehändigt, die Flüge dann aber vom Reisebüro direkt wieder storniert. Die Kunden stehen nun ohne gültige Tickets da - und das Geld ist auch futsch.

Die Betroffenen erfuhren davon, weil sie jetzt Mahnungen der Reiseveranstalter erhielten oder im Reisebüro ihre Unterlagen abholen wollten, dort aber niemanden antrafen.

Zorn entlädt sich vor Ort

Am Freitagabend (19.07.) entlud sich der Zorn dann vor Ort. An zwei Ladenlokalen des Reisebüros an der Antoniussstraße und der Kaiserstraße versammelten sich betroffene Menschen. Zeugen berichten, dass Männer an der Kaiserstraße in das Ladenlokal eindrangen und die Räume durchsuchten. Die Zeugen schildern, die Polizei sei mit zahlreichen Streifenwagen gekommen und es seien mehrere Männer festgenommen und abgeführt worden. Offizielle Angaben der Polizei liegen unserer Redaktion bisher nicht vor.

Betroffene berichten außerdem, der Inhaber des Reisebüros habe sich in die Türkei abgesetzt. Bei Facebook ist in einigen Gruppen zu lesen, er sei in Istanbul festgenommen worden. Offizielle Informationen gibt es dazu allerdings nicht. Auch von einer angeblichen Insolvenz des Betreibers ist zu lesen. Doch im Insolvenzregister des Landes NRW ist aktuell kein entsprechender Eintrag dazu zu finden.

In Gelsenkirchen kam es am Montagmorgen ebenfalls zu einem Polizeieinsatz: Ein Betrunkener wurde angehalten und setzte sich zur Wehr. In Castrop-Rauxel wurde eine Frau von K.O.-Tropfen außer Gefecht gesetzt - dann folgte eine böse Überraschung

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