Ballett gilt laut Corona-Schutzverordnung als Sport
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Ballett gilt laut Corona-Schutzverordnung als Sport

Corona-Lockdown

Sportler oder Künstler? Leiterin einer Hertener Ballettschule kämpft um Öffnung

Christine Kumpf von der Hertener Ballettschule „Plié“ kämpft für eine mögliche Öffnung ihrer Einrichtung – sofern die Corona-Zahlen das zulassen.

Nach dem monatelangen Lockdown war die Freude bei Christine Kumpf groß, Anfang März endlich wieder mit dem Unterricht in ihrer Ballettschule an der Wilhelmstraße in Herten starten zu können. Doch schon Mitte März wurde der Spitzentanz wieder ausgebremst: Weil Ballett zur Kategorie Sport gehöre, müsse die Tanzpädagogin ihre Schule schließen, teilte ihr das städtische Ordnungsamt mit.

Die Entscheidung dazu hatte allerdings die Verwaltung des Kreises Recklinghausen im Rahmen der aktuellen Corona-Schutzverordnung getroffen. Zu Unrecht, findet Christine Kumpf, denn für sie ist eine Ballettschule keine Sport- oder Freizeiteinrichtung, sondern eine außerschulische Bildungsstätte, und als solche dürfte sie ihrer Ansicht nach geöffnet bleiben.

Wir sind Künstler und keine Sportler“, bricht die Tanzpädagogin eine Lanze für ihre Zunft. Die Hertenerin betreibt zwei Ballettschulen, beide unter dem Namen „Plié“, eine in Herten mit aktuell 70 Schülern und seit zwei Jahren auch eine in Haltern am See mit 40 Schülern. Als in den Schulen wieder Präsenzunterricht erlaubt war, hatte sie Hoffnung geschöpft, zumindest fünf Schüler auf einmal wieder unterrichten zu dürfen. „Die Corona-Schutzverordnung lässt den musikalischen und künstlerischen Präsenzunterricht für Gruppen von fünf Schülern zu“, sagt sie.

Mit Spitzenschuhen auf dem Rasen tanzen?

„Es gibt ein Hygiene-Konzept und wir können Abstand einhalten.“ An der Stange müssen 3,50 Meter zwischen den einzelnen Schülern liegen. Kein Problem. Und die Räumlichkeiten sind groß. Der Saal in Herten umfasst 90, der in Haltern 130 Quadratmeter. Da könne man sich gut bewegen, ohne sich nahe zu kommen. „Ich hätte ohnehin nur mit vier Schülern pro Gruppe gearbeitet“, sagt Christine Kumpf.

Aber das Einzige, was man ihr unter Corona-Bedingungen zugesteht, ist ihre Schüler im Freien zu unterrichten. Zugelassen wären dann 20 Schüler, die je fünf Meter Abstand zueinanderhalten müssen, und ein Betreuer. „Wie soll das denn gehen?“, fragt die Ballettlehrerin. In Strumpfhosen, Spitzenschuhen und Tutu auf einer Rasen- oder gar Schotterfläche filigrane Schrittfolgen üben? Für Christine Kumpf undenkbar: „Das ist die Unfallgefahr viel zu groß.

Natürlich müssen erst die Inzidenzwerte sinken

In den vergangenen Monaten hat sie online Kontakt zu ihren Schülern gehalten, aber per Video-Schalte zu unterrichten, das funktioniere einfach nicht. Besonders schlimm sei es für die Abschlussschüler, die ein Bühnentanzstudium anstreben. „Sie haben im Moment keine Chance, ihr Können vor anderen vorzuführen.“

Mittlerweile stehen die Öffnungen vom Monatsanfang ohnehin wieder auf dem Prüfstand. „Das alles geht natürlich nur, wenn die Corona-Zahlen das zulassen. Bei den aktuellen Werten würde keiner auf die Idee kommen, seine Ballettschule zu öffnen“, sagt sie. Aber wenn der Inzidenzwert wieder deutlich sinken sollte, dann würden sie und ihre Kolleginnen und Kollegen der Forderung nach einer Öffnung der Ballettschulen noch mal Nachdruck verleihen.

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