Tod eines Kameramanns

Freispruch für den Unfallfahrer

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HERTEN - Nach dem tragischen Unfalltod eines Kameramanns auf der Ewaldstraße ist ein Lieferwagen-Fahrer aus Herne am Dienstag (7.8.) vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen worden. Der 33-Jährige hatte das Fahrzeug gelenkt, von dessen Ladefläche ein „Youtuber“ bei Tempo 30 bis 40 in den Tod gestürzt war.

Der zuständige Richter am Amtsgericht in Recklinghausen begründete den Freispruch mit dem außergewöhnlich hohen Maß an eigenverantwortlicher Selbstgefährdung aufseiten des späteren Opfers. Auch wenn sich der tatsächliche Anlass für den Sturz auf die Straße nicht mehr aufklären lasse: Der Kameramann aus Fulda habe am 30. April 2017 in vollem Bewusstsein, dass während seiner Aufnahmen mit geöffneter Heck- und Seitentür gefahren werde und er auf der Ladefläche nicht gesichert sei, in den riskanten Videodreh eingewilligt.

Auf dem vor Gericht abgespielten Video von der Unglücksfahrt sei auch eindeutig zu hören gewesen, dass der 30-Jährige dem Angeklagten sogar die Anweisung erteilt habe, schneller zu fahren. Insofern liege die Verantwortung für das Unglück keinesfalls allein beim Fahrer, sondern in weiten Teilen eben auch beim Verunglückten selbst.

Darüber hinaus war am zweiten Prozesstag bekannt geworden, dass die Initiative für das Online-Video von einem versetzt hinter dem Dreh-Fahrzeug fahrenden Mercedes S-Klasse von dem Kameramann selbst ausgegangen war.

Der 30-Jährige aus Fulda hatte den Angeklagten und dessen Cousins, die beide am Drehtag als Mercedes-Fahrer und Lieferwagen-Beifahrer dabei waren, wegen ihrer auffälligen Auto-Profilbilder in Facebook kontaktiert. Mit Klicks auf von ihm angefertigten Videos von extravaganten oder aufgemotzten Fahrzeugen auf der Plattform „Youtube“ soll der 30-Jährige angeblich komplett seinen Lebensunterhalt verdient haben.

Schlenker ist nicht zu beweisen

Der Angeklagte hatte vor der Urteilsverkündung zwar die „volle moralische Verantwortung“ für das dramatische Geschehen übernommen. Dass er als Lieferwagenfahrer jedoch abrupt einen Schlenker gemacht und dadurch das Risiko eines Sturzes des ungesicherten Kameramanns erhöht habe, hatte er aber abgestritten.

Auch mehrere Augenzeugen konnten sich vor Gericht nicht an einen Schlenker des Lieferwagens erinnern. Die einzig denkbare Version für den Angeklagten war, dass der Kameramann, der teils knieend nach hinten gefilmt habe, „spontan das Gleichgewicht verloren und dann durch die geöffnete Hecktür auf die Straße gestürzt ist“. Der 30-Jährige war drei Tage nach dem Sturz in der Klinik wegen seiner schweren Kopfverletzungen gestorben.

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