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Mitglieder von Vestia Disteln demonstrieren am Hertener Rathaus.

Fußball und Politik

Vestia Disteln demonstriert am Rathaus: Es geht um Kunstrasen und sehr viel Geld

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Seit Monaten streiten die Stadt Herten und Vestia Disteln über Kunstrasen und sehr viel Geld. In der Ratssitzung kam es nun zum Showdown. Vorher erhöhte der Verein den Druck.

Unser Bericht von Donnerstag, 10. Oktober 2019:

Mit einem lauten Pfeifkonzert wird Bürgermeister Fred Toplak vor der Ratssitzung begrüßt. Über 200 Mitglieder des SV Vestia Disteln sind gekommen, um zu protestieren. Sie fühlen sich ungerecht behandelt.

Die Wut richtet sich gegen die Stadtverwaltung. „Massiv und ohne Grund werden wir von der Stadt benachteiligt“, klagt der Vorsitzende Andreas Weidner. Es geht um 100.000 Euro – Geld, das der Verein als Eigenanteil für den Kunstrasenplatz gezahlt hat. Diesen Betrag will Vestia zurückhaben, plus Zinsen. Außerdem fordert Vestia, dass schleunigst ein neues Kleinspielfeld und vier Umkleiden gebaut werden.

"Wir pfeifen aus dem letzten Loch" 

Während die Kinder all ihre Puste investieren, um mit den Trillerpfeifen ordentlich Lärm zu machen, halten Eltern selbstgemachte Transparente hoch. „Kinder brauchen Platz zum Trainieren“, „Spielplätze statt Parkplätze“ oder „Wir pfeifen aus dem letzten Loch“ steht darauf.

Andreas Weidner verliest eine Erklärung und klagt, die Stadt lasse „die Muskeln spielen“ und stelle die Vertreter von Vestia als bockig dar. „Das ist eine Unverschämtheit! Wir wollen eine kooperative, praxisnahe und effektive Zusammenarbeit mit unserer Stadt“, fordert der Vorsitzende. „Es ist unsere Stadt! Wir sind die Bürger.“

Es gibt weitere Gespräche zwischen Stadt und Verein

Im Sportausschuss des Rates sowie im Haupt- und Finanzausschuss wurde bereits deutlich, dass Vestia aus der Politik keine volle Rückendeckung erhält. Die CDU will dem Verein die 100.000 Euro in Form von Sachleistungen zugestehen. Die übrigen Parteien bleiben mit ihren Zugeständnissen dahinter zurück. Die Stadtverwaltung sieht keine rechtliche Verpflichtung, den Vertrag rückabzuwickeln. Man könne dem Verein bestenfalls aus moralischen Gründen finanziell entgegenkommen.

Es wird auf jeden Fall weitere Gespräche zwischen Stadt und Verein geben.

Unser Bericht von Dienstag, 8. Oktober 2019:

Die politischen Gremien der Stadt Herten beschäftigen sich aktuell mit den Sportplätzen. Anfangs bestand noch die Hoffnung, im Zuge dessen auch den Distelner Kunstrasen-Streit zu befrieden. Doch inzwischen zeichnet sich ab, dass dies bis zur Ratssitzung am Mittwoch, 9. Oktober, nicht gelingen wird. Zu groß sind die Meinungsunterschiede zwischen Stadt und Fußballverein Vestia Disteln sowie innerhalb der Politik.

Es um Entschädigungsforderungen von Vestia Disteln. 2014 beschloss der Hertener Rat, dass alle Vereine, die sich einen Kunstrasenplatz wünschen, 100.000 Euro beisteuern müssen. Die Distelner unterschrieben den Vertrag und nahmen einen Kredit über zehn Jahre auf.

Alle anderen Vereine bekamen Kunstrasen "für lau"

Der Knackpunkt: Sie sind bis heute der einzige Verein, bei dem diese Regelung umgesetzt wurde. Zuvor hatte Blau-Weiß Westfalia Langenbochum Kunstrasen ohne Zuschuss erhalten. Später bekam der SV Westerholt künstliches Grün ohne Eigenbeteiligung. Auch die DJK Spielvereinigung sowie der SC Herten werden für ihre geplanten Plastikplätze nicht zahlen müssen. Denn inzwischen gibt es dafür Fördergeld vom Land. Das fließt aber nur, wenn die Stadt nicht auch noch zusätzlich die Vereine „anzapft“.

Bei den Distelnern sitzt der Frust, als einziger Verein zahlen zu müssen, tief. Der Vorstand fordert die 100.000 Euro zurück – zuzüglich 20.000 Euro für Zinsen usw. Darüber hinaus fordert die Vestia, dass ein Kleinspielfeld und vier Umkleiden schnell gebaut werden.

Kein voller Rückhalt aus der Politik

Im Sportausschuss des Rates sowie im Haupt- und Finanzausschuss ist in den vergangenen Wochen bereits deutlich geworden, das der Verein aus der Politik keine volle Rückendeckung erhält. Die CDU geht noch am weitesten. Sie will dem Verein die 100.000 Euro zugestehen, aber eine Auszahlung in Form von Sachleistungen zulassen. Denkbar wäre also zum Beispiel eine Verrechnung mit zusätzlichen Trainingsflächen.

Die übrigen Parteien bleiben mit ihren Zugeständnissen dahinter zurück. Bürgermeister Fred Toplak und der für Sport zuständige Beigeordnete Dr. Karsten Schneider sehen keine rechtliche Verpflichtung, den Vertrag rückabzuwickeln. Man könne höchstens aus moralischen Gründen darüber nachdenken, dem Verein finanziell entgegen zu kommen.

Zähes Ringen um einen Kompromiss

Schneider berichtet, er befinde sich seit einem Jahr in Gesprächen mit den Vestia-Vertretern Andreas Weidner und Peter Postus. Man finde keinen Kompromiss. „Der Verein beharrt auf Maximalforderungen“, sagt Schneider.

Als 2014 in Disteln der Kunstrasenbau anstand, habe nun mal keine landesförderung zur Verfügung gestanden, erklärt Schneider: „Die Lage war damals so. Daher waren 100.000 Euro gefordert. Vestia wusste das – und hat’s gemacht.“

Demo soll den Druck erhöhen

Das will die Vestia so nicht hinnehmen. Der Verein ruft am Mittwoch um 16 Uhr - also eine Stunde vor Beginn der Ratssitzung - zu eine Demo am Rathaus auf.

In ökologischer Hinsicht sind Kunstrasenplätze nicht unumstritten. Die Europäische Kommission lässt prüfen, wie das Gummi-Granulat in Kunstrasenplätzen verringert werden kann. Im Rathaus in Herten werden bereits Alternativen durchgerechnet.

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