In dem Prozess um einen Würge-Vorfall in der Hertener LWL-Klinik gab es eine überraschende Wendung. (Symbolfoto)
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In dem Prozess um einen Würge-Vorfall in der Hertener LWL-Klinik gibt es jetzt ein Urteil. (Symbolfoto)

Versuchter Totschlag

Würge-Attacke in Hertener LWL-Klinik - so lautet das Urteil

  • Jörn Hartwich
    vonJörn Hartwich
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  • Anna Lisa Oehlmann
    Anna Lisa Oehlmann
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Versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung wurden einem 23-Jährigen nach seiner Würge-Attacke in der LWL-Klinik Herten vorgeworfen. Jetzt gibt es ein Urteil.

Update 14. März: Nach einem lebensgefährlichen Würgeangriff in der Hertener LWL-Klinik ist ein ehemaliger Patient am Bochumer Schwurgericht jetzt zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Zum Prozessbeginn hatte noch eine unbefristete Psychiatrie-Einweisung des 23-Jährigen im Raum gestanden. Doch dann hatte ein Gutachter für eine faustdicke Überraschung gesorgt.

Der psychiatrische Sachverständige hatte den 23-Jährigen zuletzt als einen offenbar perfekten Simulanten enttarnt. Dem laut Gutachten „kerngesunden“ Ex-Patienten war es gelungen, mit einer von angeblich traumatischen Erlebnissen im syrischen Kriegsgebiet geprägten Schicksalsgeschichte zahlreiche Therapeuten in der LWL-Klinik Herten zu blenden.

„Besondere Nähebeziehung“ zu einer Oberärztin

„Ihm wurde dort mütterlich über den Kopf gestrichen“, sagte Richter Josef Große Feldhaus. „Die Aufenthalte haben ihm gut gefallen.“ Letzteres habe wohl nicht zuletzt auch an einer „besonderen Nähebeziehung“ zu einer bestimmten Oberärztin der Klinik gelegen. Dadurch, dass diese Ärztin ihm alles geglaubt und offenbar auch attestiert habe, sei es dem 23-Jährigen gelungen, hunderte stationäre Aufenthaltstage in der Klinik zu erschleichen, hieß es.

Dass er am 25. August 2019 einen Mitpatienten im Garten der LWL-Klinik angesprungen und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt hat, hatte der 23-Jährige im Prozess zugegeben und sich auch dafür entschuldigt. Der Angeklagte hatte sich provoziert gefühlt, weil er Mitpatient ihn unaufhörlich um eine Zigarette angeschnorrt hatte. Der bislang unbestrafte 23-Jährige war vor einer Woche nach fünf Monaten in der geschlossenen Psychiatrie auf freien Fuß entlassen worden. Als Auflage ordneten die Richter die Ableistung von 500 sozialen Arbeitsstunden an. Das Urteil lautet auf gefährliche Körperverletzung.

Update 5. März: Mit der Erkenntnis aus einem Gutachten hatte im Prozess um einen Würge-Angriff in der Hertener LWL-Klinik wohl niemand gerechnet: Der 23-Jährige, der einen Mit-Patienten angegriffen haben soll, war offenbar jahrelang ein perfekter Simulant. „Er hat kein Trauma, er hat keine Persönlichkeitsstörung – er ist ein kerngesunder 23-jähriger junger Mann“, legte sich ein Psychiater vor dem Bochumer Schwurgericht fest.

Wohl keine Zwangseinweisung im Prozess um Würgeangriff in Hertener LWL-Klinik

Es stand zur Debatte den Angeklagten zum Schutz der Allgemeinheit Zwangseinzuweisen. Der Gutachter legte vor dem Bochumer Schwurgericht dar, dass er bei dem Dorstener keinerlei Defizite feststellen konnte. Er konnte keine Anzeichen für eine Psychose finden.

Angeklagter behauptet vom IS im Libanon entführt worden zu sein

Der 23-jährige Mann hatte erzählt, er sei im Libanon vom Islamischen Staat (IS) gekidnappt worden. Dies habe ein schweres Trauma bei ihm ausgelöst, hatte er erzählt. In vier Jahren ist er an 455 Tagen in Herten in der LWL-Klinik stationär behandelt worden. Die Diagnose lautete: Persönlichkeitsstörung.

Details zum Würge-Vorfall an der Hertener LWL-Klinik

Update 21. Februar: Erst lief das Gesicht blau an, dann verdrehten sich die Augen: Mit dramatischen Details ist am Freitag der Prozess um einen Würgeangriff in der Hertener LWL-Klinik fortgesetzt worden. Der angeklagte Dorstener zeigte sich davon jedoch völlig unbeeindruckt – zumindest äußerlich. Es soll aber auch nicht sein erster Ausraster gewesen sein.

Es war der 25. August 2019, als der 23-Jährige im Garten der Psychiatrie plötzlich einen Mitpatienten angesprungen hat. Ein Pfleger hatte die Attacke aus dem Personalraum gesehen und war sofort nach draußen gerannt. Wie es aussieht, hätte er keine Sekunde später kommen dürfen.

„Der Mann lag auf dem Boden und war absolut in Panik“, so der LWL-Mitarbeiter. „Er zitterte am ganzen Körper und hatte schon ein bisschen Schaum vorm Mund.“ Er sei auch nicht mehr ansprechbar gewesen. „Ich habe ihm sogar in die Wange gekniffen, um über den Schmerz eine Reaktion zu erzeugen.“ Doch auch das habe nicht geholfen. Erst nach bangen Sekunden habe der Patient wieder Luft bekommen. Die Ärzte hatten später von akuter Lebensgefahr gesprochen.

Der Angeklagte hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf einem Stuhl gesetzt und geraucht. „Ist doch nicht so schlimm“, soll er dem Pfleger gesagt haben. „Ich hätte den schon nicht getötet. Der wäre doch nur bewusstlos geworden.“

Grund für Angriff bleibt unklar

Der Auslöser für den Würgeangriff ist unklar. Einer Polizistin hatte der Angeklagte später gesagt: „Dem habe ich es gezeigt.“ Er lasse sich nämlich nicht gerne anfassen. Das Opfer selbst ist psychisch schwer krank und kann zur Aufklärung wohl nicht viel beitragen.

Nur einen Tag zuvor hatte der Dorstener bereits einen anderen Patienten angegriffen. Dieser Mann soll mit einem Karatekick zu Boden gebracht, gebissen und ebenfalls gewürgt worden sein. „Ich habe keine Luft mehr bekommen“, so der damalige Patient im Prozess am Bochumer Schwurgericht. „Ich war absolut unterlegen“, sagte er den Richtern. „Der hatte so Kampfgriffe drauf, da konnte man nichts machen.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

Update 8. Februar, 14 Uhr: Ein Patient wurde in der LWL-Klinik in Herten angeblich so lange gewürgt, bis er bewusstlos auf dem Boden lag und knapp zehn Sekunden lang nur noch gezuckt hat. So lautet die Anklage, im Prozess der am Montag (8. Februar) starten sollte. Doch der 23-jährige Dorstener erschien nicht vor Gericht.

Vorfall in der LWL-Kinik in Herten wird vor dem Landgericht Bochum verhandelt

Der Angeklagte ist aktuell in der Psychiatrie in Lippstadt untergebracht. Schneefälle und Glätte sorgten dafür, dass sich der Fahrdienst für Gefangene nicht auf den Weg zum Landgericht Bochum machte. Nach aktueller Planung soll der Prozess am Freitag (12. Februar) weiter gehen - mit dem Angeklagten.

Wie die Staatsanwaltschaft berichtet, soll der Dorstener am 25. August 2019 im Gartenbereich der LWL-Klinik in Herten einen Mitpatienten attackiert haben. Die dramtischen Szenen sollen sich morgens um kurz nach acht Uhr abgespielt haben. Mit einem Arm um den Hals soll der Dorstener das Opfer massiv gewürgt haben.

Für Opfer von Attacke in Hertener LWL-Klinik soll in Lebensgefahr

Der Angegriffe soll im bewusstlosen Zustand ein blau eingefärbtes Gesicht bekommen haben. Als er wieder genug Luft bekam, habe sich nach einiger Zeit die Lage entspannt. Die Anklage sieht eine akute Lebensgefahr für das Opfer als gegeben. Wegen der Dramatik und Gefährlichkeit hielten es die Richter für möglich, dass auch eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags in Betracht kommen.

Andere Übergriffe des Angeklagten neben dem in Herten sollen zur Sprache kommen

Noch andere angebliche Übergriffe sollen im Laufe der Verhandlung zur Sprache kommen. Denkbar sei, dass der Angeklagte zum Schutz der Allgemeinheit auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden muss.

Prozess startet um LWL-Klinik in Herten

Weil er einen Mit-Patienten in der LWL-Klinik in Herten gewürgt haben soll, muss sich ein 23-jähriger Dorstener ab heute vor dem Landgericht Bochum verantworten. Ihm werden versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Der Prozess beginnt am Montag (8. Februar) um 9 Uhr.

Der Vorfall in der LWL-Klinik in Herten soll sich am 25. August 2019 zugetragen haben

Laut Anklageschrift soll der Dorstener am 25. August 2019 auf einen Mitpatienten im Gartenbereich der LWL-Klinik in Herten losgegangen sein. Er soll diesen gewürgt haben, sodass der Angegriffene kurze Zeit bewusstlos gewesen ist.

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