Beton-Barrieren wurden 2017 auf der Albert-Einstein-Allee errichtet – und 2018 wieder entfernt.
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Beton-Barrieren wurden 2017 auf der Albert-Einstein-Allee errichtet – und 2018 wieder entfernt.

Ewald und Schlägel & Eisen

Kampf gegen illegale Rennen: So sollen Raser in Herten künftig ausgebremst werden

  • Frank Bergmannshoff
    vonFrank Bergmannshoff
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  • Daniel Maiß
    Daniel Maiß
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Bis vor Kurzem schienen die Konflikte mit der Automobil-Szene auf dem Ewald-Gelände in Herten-Süd unter Kontrolle. Dann gab es ein illegales Rennen. 

  • Seit der Eröffnung des Ewald-Geländes als Gewerbegebiet – also seit mehr als zehn Jahren – sorgten in Herten-Süd „schwarze Schafe“ aus der Raser- und Tuning-Szene immer wieder für Konflikte.
  • Bis vor Kurzem war dann aber einigermaßen Ruhe eingekehrt. 
  • Jetzt gab es aber wieder Vorfälle, die Polizei führte Kontrollen durch.
  • Rund 40 Verwarnungsgelder wurden verhängt, mehrere Anzeigen gestellt.

    Update 5. Juni: Die Stadt soll etwas tun, um den Verkehr - besonders auf dem Ewald-Gelände - zu beruhigen. Das fordert die SPD. Grund für diese Forderung war die Kontrolle der Polizei, bei der zahlreiche Strafanzeigen gegen Autofahrer gestellt worden sind (siehe weiter unten im Text). 

    Für Wolfgang Kumpf (SPD) steht fest, dass das was bisher unternommen worden ist, nicht mehr ausreiche. Er wolle erreichen, dass die Politik etwas unternehme, um den Anwohnern "Lärm, Dreck und Raserei zu ersparen.“ 

  • Von 2017 bis 2018 war die Stadt bereits tätig geworden und hatte Barrieren aus Beton-Blöcken auf der Albert-Einstein-Allee aufgestellt, die die Straße in der Mitte unterbrochen haben, damit dort keine längeren Rennen stattfinden können. Danach sollten in den Asphalt gefräste Rinnen den Verkehr beruhigen. Das erzielte nicht den gewünschten Erfolg gegen die Raser. 

  • Die SPD glaubt, die Raser könnten mit Schwellen auf der Fahrbahn, sogenannte „Berliner Kissen“, ausgebremst werden. Dem stimmte die Bezirksregierung Münster bisher nicht zu. Nach Auffssung der SPD sollten sich nun alle Beteiligten zusammentun und eine Lösung finden. 

Update 4. Juni:  Bei Kontrollen auf dem Gelände von Schlägel & Eisen und Ewald haben Einsatzkräfte der Polizei mögliche Raser und Tuner kontrolliert. Die Bilanz: Rund 40 Verwarnungsgelder haben die Polizisten verhängt. Drei Fahrer haben nun keine Betriebserlaubnis für ihre Fahrzeuge mehr, weil sie diese unerlaubt verändert haben. Zwei dieser veränderten Autos haben die Beamten direkt abschleppen lassen.

Die Beamten stellten mehrere Anzeigen. Die Fahrzeughalter wurden unter anderem angeklagt wegen Kennzeichenmissbrauchs, Urkundenfälschung,  Trunkenheit bzw. Drogen am Steuer. In diesem Fall ließen die Kontrolleure dem Fahrer eine Blutprobe abnehmen und behielten den Führerschein ein. 

Die Einsatzkräfte stellten mehrere Ordnungswidrigkeiten fest. Es gab jedoch keine Verstöße gegen Corona-Auflagen, berichten sie.

Einsätze auf den Zechengeländen Ewald und Schlägel & Eisen

"Halt! Polizei!" hieß es am späten Freitagabend  (29.5.) und am frühen Samstagmorgen (30.5.) vor allem an den Einfahrten zum Gelände der ehemaligen Zeche Ewald in Herten-Süd. Die Polizei war einmal mehr mit einem größeren Aufgebot in Herten vor Ort und führte über mehrere Stunden Kfz-Kontrollen durch. Unterstützt wurden die Beamten dabei von Mitarbeitern des städtischen Ordnungsamts. Angehalten wurde jedes Auto, da an allen Zufahrten die Einfahrt verboten war.

  • Kontrolle in Herten auf Verstöße

    Im Fokus standen aber einmal mehr auch  „schwarze Schafe“ aus der Raser- und Tuning-Szene. Die Beamten kontrollierten Fahrzeuge auf etwaige Verstöße.

    Erst vor einer Weile hatte die Polizei an gleicher Stelle ebenfalls Kontrollen durchgeführt. Das Resultat: eine lange Liste an Verstößen, unter anderem 57 schriftliche Verwarnungen, z. B. wegen unerlaubter Veränderungen am Auto.

    Unsere bisherige Berichterstattung:
    Vor gut zehn Jahren entwickelte sich das Areal der ehemaligen Zeche Ewald in Herten-Süd mit seinen schnurgeraden Straßen und zahlreichen Parkplätzen schnell zu einem Treffpunkt für Auto-Fans aus dem gesamten Ruhrgebiet. 

Einige wollten einfach nur unter Gleichgesinnten sein, andere lieferten sich illegale Straßenrennen, verursachten Lärm und Vandalismusschäden und hinterließen regelmäßig massenweise Müll

Immer wieder kam es zu teils schweren Unfälle mit Verletzten, Sachschäden oder zerstörten Bäumen.

Kontrollen am "Car-Freitag" auch in Herten

Kontrollen durch Polizei und Ordnungsamt – insbesondere auch am sogenannten „Car-Freitag“ (jedes Jahr an Karfreitag) – lösten das Problem nicht. 

In den Folgejahren wurden zahlreiche Maßnahmen ausprobiert, zum Beispiel Parkverbote und Motorrad-Fahrverbote. 

Stadt Herten lässt Beton-Barrieren aufstellen 

Der gravierendste Eingriff erfolgte im Februar 2017: Die Stadt Herten ließ mitten auf der Hauptverkehrsachse, der Albert-Einstein-Allee, Beton-Barrieren aufstellen, um Beschleunigungsrennen zu unterbinden. 2018 wurden die Barrieren entfernt und stattdessen Rinnen in den Asphalt gefräst.

Lange war es ruhig, jetzt aber häufen sich die Vorfälle wieder: Erst fand ein illegales Rennen zwischen zwei Autos und einem Motorrad statt. 

Etliche Streifenwagen sind in Herten-Süd vor Ort

Doch damit nicht genug. „Wir haben Erkenntnisse, dass sich das Ewald-Gelände erneut zu einem Treffpunkt für die Szene entwickelt“, erklärte  Polizei-Sprecher Andreas Wilming-Weber auf Nachfrage der Hertener Allgemeinen Zeitung.

Er berichtet, dass die Polizei am 22., 23. und 24. Mai, also Freitag, Samstag und Sonntag, jeweils von etwa 20 bis 2 Uhr mit etlichen Streifenwagen vor Ort gewesen sei und mehr als hundert Verstöße geahndet habe.

Nicht nur Autofahrer aus Herten 

Am 22. und 23. Mai seien in der Spitze jeweils 400 bis 500 Autos gezählt worden. 800 bis 1000 Menschen, überwiegend 18 bis 25 Jahre alt, hätten sich in und neben den Autos sowie auf den Wiesen aufgehalten.  Vielfach seien die Corona-Abstandsregeln missachtet worden.

Keineswegs, so Wilming-Weber, habe es sich nur um Autofahrer aus Herten und dem Kreis RE gehandelt: „Auffällig waren die vielen auswärtigen Kennzeichen aus Duisburg, Gelsenkirchen, Bochum, Essen und Herne.“ 

Die Beamten, darunter speziell für Kfz-Kontrollen geschulte Einsatzkräfte, stellten eine lange Liste von Verstößen fest. Unter anderem:

  • 57 schriftliche Verwarnungen, z. B. wegen unerlaubter Veränderungen an Pkw
  • 16 Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten
  • 17 Fälle, bei denen die Betriebserlaubnis des Autos erloschen war
  • 5 Verwarnungsgelder 
  • 1 Anzeige wegen Fahrens ohne Führerschein
  • 17 Verstöße gegen die Corona-Schutzverordnung.

    Ein Radfahrer musste unlängst schwerverletzt ins Krankenhaus. Er war gestürzt, stand dabei aber unter Alkohol und Drogen.

    Unterdessen musste eine weitere Traditions-Veranstaltung wegen der Corona-Krise abgesagt werden.

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