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Das Team des Abendgottesdienstes in St. Antonius zum Ende der Aktion „Maria 2.0“ (v. l.): Pfarrer Christoph Gerdemann sowie – symbolträchtig weiß gekleidet – Mechthild Müller, Marion Weber und Monika Breuckmann.

Ohne Frauen keine Kirche

Protest-Aktion Maria 2.0 in St. Antonius in Herten

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HERTEN-MITTE - Mit der Messe am Samstagabend, 18. Mai, endete die Aktion „Maria 2.0“ in der Pfarrei St. Antonius. Der Protest wurde nicht so sichtbar wie erhofft, soll aber nicht im Sande verlaufen.

Der einzige Mann, der in der St.-Antonius-Kirche zu Wort kam, war Pfarrer Christoph Gerdemann. Hauptakteure waren hingegen drei Frauen, die sich an der Aktion „Maria 2.0“ beteiligten: Mechthild Müller, Marion Weber und Monika Breuckmann. Sie begannen wiederum den Gottesdienst mit einem Zitat eines Mannes, nämlich von Priester Andreas Knapp aus Leipzig: „Wenn eine Frau für ihr Zuhören gelobt wird, warum sollen Frauen dann das Gelernte nicht auch lehren? Wenn eine Frau von Jesus Krüge voller Wein erbitten konnte, warum sollen Frauen dann über einen Kelch mit Wein nicht auch den Segen sprechen?“ Damit schlossen sich die drei Hertenerinnen – für die Gemeinde deutlich hörbar – den Forderungen der Münsteraner Frauen an, die „Maria 2.0“ initiiert haben: Beendigung der Benachteiligung von Frauen in der katholischen Kirche, Zulassung von Frauen zu allen Kirchenämtern, Aufklärung aller Missbrauchsfälle.

Zwar hatte der Aufruf, dass alle Frauen beim Kirchgang weiße Kleidung tragen und sich auf einer Seite des Gottesdienstraumes versammeln sollten, in Herten keinen Erfolg. Es fiel aber sofort auf, dass etwas anders war als sonst: Die Marien-Statuen waren mit weißen Tüchern verhüllt. „Die Farbe des Aufbruchs, den die Kirche braucht“, erklärte Pfarrer Gerdemann. „Besonders die Bedeutung Marias für uns entspricht nicht dem Umgang der Kirche mit ihren Frauen.“

„Wenn die Madonnen streikten, wäre die Krippe leer geblieben und Gott nicht Mensch geworden“, wandte Mechthild Müller sich mit einem Impuls an die Gemeinde. „Dann wären bei der Hochzeit in Kana die Krüge leer geblieben, dann hätten die hilflosen Jünger allein unter dem Kreuz gestanden, dann wäre die Auferstehung unentdeckt geblieben, dann wären wir jetzt nicht hier zusammen. Wir müssen gemeinsam aufbrechen. Genauso wie Karfreitag und Ostern untrennbar miteinander verbunden sind, sind Scheitern und Neuanfang miteinander verbunden.“

Marianne Berse zog nach der Messe ein positives Resümee: „Ohne Maria hätte anfangs nichts funktioniert. Heute würde ohne Frauen auch vieles nicht funktionieren. Anderswo haben Gottesdienst-Besucherinnen bei solchen Aktionen die Kirche aus Protest verlassen. Viele haben halt diese Männer-Dominanz verinnerlicht. Ich bin mir sicher, dass die Sache weitergeht.“ Monika Breuckmann ergänzte: „Die Aktion wurde positiv aufgenommen und wir bekommen von beiden Pfarrern starke Unterstützung. Ich hoffe, dass die Petition der Münsteranerinnen jetzt mit vielen Unterschriften zum Papst geht.“

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