Schlägel & Eisen

Schrottschere knabbert an der Rundhalle

HERTEN - Anrufer berichteten der Feuerwehr am Mittwochabend von ohrenbetäubendem Lärm auf dem ehemaligen Zechengelände Schlägel & Eisen. Teile der riesigen Rundhalle schienen nachgegeben zu haben oder waren eingestürzt – vermuteten die erschrockenen Anwohner.

Der Löschzug der Hertener Berufsfeuerwehr rückte zur Feldstraße aus, verschwand aber nach kurzer Zeit wieder. Eine Gefahr ging von dem schon schwer ramponierten Koloss aus Blech und Stahl offenbar nicht mehr aus. Außerdem: Arbeiter, die auf dem Gelände wohnen, gaben Entwarnung. „Wir haben mit den Abbrucharbeiten an der Rundhalle begonnen“, sagte einer und schloss das Tor hinter der abrückenden Feuerwehr wieder ab. Über den Grund für die Geräuschkulisse kann im Nachhinein nur spekuliert werden. „Wir vermuten, dass unkontrollierter Spannungsabbau zwischen den Bauteilen zu dem Lärm führte“, sagt Robert Bures, der zuständige Ingenieur der Ruhrkohle AG. Der Kohle-Konzern hatte am Dienstag kurzfristig beschlossen, mit dem Abriss der riesigen Halle zu beginnen – ohne die Nachbarschaft davon zu unterrichten. Gestern morgen lagen dann bereits zweidrittel des Gebäudes in Schutt und Asche. „Das ist alles nach Plan verlaufen“, versichert Robert Bures, ohne aber genau sagen zu können, wie viel Halle am Mittwoch vor dem ohrenbetäubenden Lärm noch stand. Klar war gestern Morgen: Das Gebäude senkte sich – wie im Abrissplan vorgesehen – zur Binnenseite der Zechenbrache in Richtung Schacht 7 ab. Dieser Teil der Rundhalle sieht jetzt aus wie ein großer Schrotthaufen, während die Außenwände zur Feldstraße fast unversehrt erscheinen. Die umgestürzten Stahlträger und die grünen Trapezbleche, mit denen die Skelettkonstruktion verkleidet war, werden jetzt in den kommenden Tagen von einer großen Schrottschere nach und nach abgeknabbert – solange, bis das gesamte Gebäude verschwunden ist. Eine einfache Übung für das Abrissunternehmen, auch wenn die Dimensionen der Halle, die Mitte der 1980er-Jahre gebaut wurde, enorm waren: 80 Meter Durchmesser, über 20 Meter hoch. Geplant war das Bauwerk als sogenannte „Kohlenvergleichmäßigungsanlage“. „Doch sie war wohl nur ein Jahr wirklich in Betrieb“, sagt Benedikt Schmoll, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Schlägel und Eisen (EGSE). In den 1990er-Jahren gab es dann ein grandioses Carmina-Burana-Konzert mit dem Star-Dirigenten Justus Frantz. Dann das größte Gruppenfoto der Welt, das dort im Rahmen der Hertener Fototage gemacht wurde. Zuletzt surrten Modellflieger unter der riesigen Kuppel.

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