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Dengler - Brennende Kälte: Dengler (Ronald Zehrfeld) versucht, den Angreifern zu entkommen.

„Dengler: Brennende Kälte“, ZDF

Privatdetektiv Dengler und der Meister des Todes

Im fünften Krimi mit Ronald Zehrfeld als Stuttgarter Privatdetektiv Dengler betreiben der BND und ein Rüstungskonzern ein widerliches Geschäft.

In seinem Film „Meister des Todes“ (2015) hat der Autor und Regisseur Daniel Harrich vor einigen Jahren die unmoralischen Geschäfte der deutschen Rüstungsindustrie angeprangert. Es ging darin um eigentlich verbotene Waffenexporte in Krisengebiete. Die Hauptfiguren, hieß es damals im Vorspann, seien erfunden, die skandalösen Ereignisse jedoch authentisch. 

Vierter „Dengler“-Roman von Wolfgang Schorlau

Gleiches gilt für „Brennende Kälte“, den vierten „Dengler“-Roman von Wolfgang Schorlau, dessen Adaption das ZDF nun als fünften Teil seiner „Dengler“-Reihe zeigt. Buch und Film erzählen eine schockierende Geschichte: Ein deutscher Rüstungskonzern hat eine Waffentechnologie entwickelt, die der Traum aller Geheimdienste ist. Sie funktioniert ähnlich wie eine Mikrowelle und bringt das Blut zum Kochen; die Menschen haben das Gefühl, sie würden bei lebendigem Leib verbrennen, aber die Prozedur hinterlässt keine sichtbaren Schäden. 

Kaltblütig hat der Bundesnachrichtendienst diese Technik in Afghanistan testen lassen; sie funktioniert reibungslos. Privatdetektiv Dengler (Ronald Zehrfeld) kommt ins Spiel, als ein Bundeswehroffizier den Skandal publik machen will und einer Journalistin entsprechendes Text- und Bildmaterial überlässt. Die Frau wird gemeinsam mit anderen Besuchern eines Internetcafés kaltblütig von Killern des BND ermordet, als sie das Datenmaterial gerade an Denglers Freundin Olga (Birgit Minichmayr) schickt. 

Die Computerhackerin entkommt dem Todeskommando und bittet den ehemaligen BKA-Zielfahnder um Hilfe. Die Handlung bringt alles mit, was ein großer Polit-Thriller braucht: unerschrockene Helden, die sich gegen das Unrecht auflehnen; skrupellose Gegenspieler, deren Verbindungen in die höchsten Kreise reichen; Beamte, die sich lieber wegducken; und eine ordentliche Prise Action. Trotzdem ist „Brennende Kälte“ wie schon zuletzt die Dengler-Episode „Fremde Wasser“ (2018) nicht der ganz große Wurf geworden. 

Integration von Denglers Privatleben in Stuttgart

Lars Kraume hat bislang alle fünf verfilmten „Dengler“-Romane adaptiert, aber nur bei den ersten drei auch Regie geführt. Der Auftakt der Reihe, „Die letzte Flucht“ (2015), war aufwändiges und packendes Kino fürs Fernsehen. „Am zwölften Tag“ (2016) konnte dieses herausragende Niveau nicht ganz halten, war aber erneut ein sehr intensiver Film, der zudem durch grausame Bilder aus der Schweineschlachtung schockierte. 

Der dritte „Dengler“-Krimi mit Ronald Zehrfeld schließlich war ein wiederum herausragender Polit-Thriller über die offenkundigen Ungereimtheiten rund um den vermeintlichen Suizid der beiden „NSU“-Mörder („Die schützende Hand“, 2017). Schon der vierte Film, „Fremde Wasser“ (2018), hätte allerdings bereits deutlich spannender ausfallen können. Kraume hat die Regie wie auch bei „Brennende Kälte“ Rick Ostermann überlassen. 

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Der Regisseur hat mit dem Nachkriegsdrama „Wolfskinder“ (2014) ein beachtliches Kinodebüt gedreht, aber bereits seinem Fernsehfilmdebüt „Fremder Feind“ (2018, ARD) darauf verzichtet, die Auseinandersetzungen zwischen einem Einsiedler und einem Eindringling als existenziellen Zweikampf zu inszenieren. Diese Zurückhaltung zeichnete auch seine beiden Beiträge zu den Klaus-Peter-Wolf-Verfilmungen des ZDF aus, „Ostfriesenblut“ und Ostfriesensünde“ (2018/19). 

Namenhafte Besetzung der „Dengler“-Verfilmung

Natürlich ist es völlig legitim, wenn sich ein Regisseur der diversen Verfolgungsjagden zum Trotz auf das dramatische Potenzial einer Handlung konzentriert; es wäre im Gegenteil höchst bedauerlich, wenn Schorlaus Geschichte zu einem Vorwand für einen Actionfilm verkommen würde. Allerdings ist es nicht verboten, die Ereignisse so packend wie möglich zu inszenieren und mit passender Musik zu unterlegen. 

Bei Ostermanns Umsetzung kommt es jedoch immer wieder zu Spannungsabfällen, die die Qualität des Films deutlich mindern. Das hat nicht nur, aber auch mit der Darstellerführung zu tun. So nutzt Olga beispielsweise einen unverhofften Moment der Ruhe, um betrunken über das Internet zu lamentieren, in das sie einst so große Hoffnungen gesetzt hat; die weinerliche Szene ist ein echter Rausschmeißer. Eher misslungen ist auch die Integration von Denglers Privatleben in Stuttgart, das wie ein Fremdkörper wirkt und schauspielerisch ebenfalls nicht rundum überzeugend ist; es mutet im Gegenteil fast lächerlich an, wenn Denglers Exfrau Hilde (Marie Lou Sellem) ihm eine Szene macht, weil er während eines Festes zu Ehren des gemeinsamen Sohnes auf Olgas Notruf reagiert. 

„Fett und Fett“ im ZDF: Es muss nicht alles Drama sein

Schon der Prolog, als Dengler einen Seitensprung von Hildes neuem Freund verhindert, ist völlig überflüssig. Mag sein, dass Kraume auf diese Momente nicht verzichten wollte, weil sie den Zuschauern Anknüpfungspunkte liefern, um sich besser mit der Hauptfigur identifizieren zu können, aber tatsächlich hätte es dem Film deutlich besser getan, wenn er diese Ebene komplett gestrichen hätte. 

Der eigentliche Handlungskern ist jedoch faszinierend und ausgezeichnet besetzt, sieht man davon ab, dass Ostermann den BND-Killer wie einen typischen Fernsehmörder aussehen lässt. 

Unter anderem trifft Dengler erneut auf die Berliner LKA-Kommissarin Finn Kommareck (Jenny Schily), die im Auftaktfilm noch seine Gegenspielerin war. Weitere namhafte Mitwirkende sind Barnaby Metschurat als ihr Kollege, Harald Schrott als zaudernder Vorgesetzter, Jeanette Hain als Vertreterin des Waffenherstellers sowie in einer Minirolle Jasna Fritzi Bauer als Ex-Frau des skrupulösen Offiziers.

7.10., ZDF, 20.15 Uhr. Informationen im Netz

Lesen Sie auch unsere TV-Kritik zu „Dengler: Fremde Wasser“ und zum Stuttgarter „Tatort: Hüter der Schwelle“.

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