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Unkomplizierter Multimedia-Spaß für die ganze Familie: Amazon hält mit der neuen Box, was es auf der Verpackung verspricht. Jedoch sind die Inhalte stark auf den Mediengiganten ausgerichtet. Allerdings kann man das Gerät auch mit Apps anderer Anbieter nachrüsten.

Amazon Fire TV

Kleine Box, großes Kino!

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Neues Jahr, neues Technik-Spielzeug: Das Fire TV hat seit einigen Tagen meinen betagten WDTV Live als Media-Player im Wohnzimmer abgelöst. Eine Entscheidung, die ich nicht bereue. Mein Testbericht zur Amazon-Box.

Mein guter, alter WDTV hat seinen Dienst immer zuverlässig verrichtet und sämtliche Videoformate gefressen, mit denen ich ihn gefüttert habe. Aber etwas langsam war er geworden, nach all' den Jahren. Und außerdem ist der Mensch ja nie mit dem zufrieden, was er bereits hat. Also habe ich nach einigem Zögern doch 84 Euro beim Technikmarkt meines Vertrauens investiert. Ein erschwinglicher Preis für die Amazon-Box, die sich damit in der Region eines Apple TV einpendelt. Nochmal deutlich günstiger ist dagegen mit rund 35 Euro Googles Chromecast, wobei es sich dabei aber auch nur um einen HDMI-Stick ohne Ein- und Ausgänge handelt.

Nach dem Auspacken war ich erstmal erstaunt, wie kompakt - und vor allem flach - das neue Fire TV ist. Die Spezifikationen sind für seine Größe beeindruckend: Quad-Core-Prozessor, 2 Gigabyte Arbeitsspeicher und 8 Gigabyte Speicher. Von letzterem sind allerdings schon knapp 3 GB für das Betriebssystem reserviert. Jedoch sind die Apps, die man installieren kann (auch Software, die auf Amazons Tablet Kindle Fire läuft, ist kompatibel), meist so klein, dass man die Rest-Kapazität kaum voll bekommt.

Einzige Ausnahme könnten umfangreiche Spiele bilden. Denn auch die kann man aufs Gerät bringen. Eine Alternative zu etablierten Konsolen wie Playstation oder XBox ist das Fire TV aber nicht. Denn grafisch aufwendigere Titel sind im Store noch rar gesät. Dass es Amazon mit der Spiele-Funktion aber ernst meint, zeigt die Tatsache, dass es schon einen Game-Controller für die Box gibt. Er kostet rund 39 Euro. Allerdings sollen auch andere Bluetooth-fähige Controller, zum Beispiel von besagter Playstation, funktionieren.

Verbindung mit dem Internet und dem Heimnetzwerk nimmt die Amazon-Box über eine LAN-Buchse auf, außerdem ist WLAN integriert. Der Kontakt zum Fernseher wird natürlich über den HDMI-Port hergestellt. Für die beste Tonqualität kann außerdem ein optisches Digitalkabel zu einem Mehrkanal-Receiver gezogen werden. Es gibt auch einen USB-Anschluss, an den aber nur Peripherie wie Maus oder Tastatur angeschlossen werden kann. Videos, Musik oder Bilder per Stick oder externer Festplatte abzuspielen, ist nicht möglich. Warum Amazon in seiner Media-Box USB integriert hat, wenn es nicht für die Medienwiedergabe benutzt werden kann, ist ein Rätsel. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Verwendungszweck in einer zukünftigen Firmware-Version nachgerüstet wird.

Überhaupt ist das Modell in seiner Grundkonfiguration nur eine stinknormale, dafür aber besonders einfach zu bedienende Streaming-Box, die ganz auf das hauseigene Angebot ausgerichtet ist. Das bedeutet: Ohne Konto bei Amazon geht nix! Bei der Erstinstallation folgt nach einer sehr gelungenen Videoeinführung durch eine Comic-Figur daher direkt die Aufforderung, sich zu registrieren, sofern man noch nicht Kunde ist. Wen das stört, der sollte die Finger vom Fire TV lassen. Aber mal ehrlich: Die Konkurrenz von Apple und Google macht es doch auch nicht anders.

Und natürlich wird sofort Instant Video angepriesen, das es zusammen mit einem Prime-Jahresabo (schnellere und versandkostenfreie Lieferung - auch von Kleinteilen - über Amazon) für 49 Euro gibt. Zunächst sollte man aber dieser Versuchung widerstehen und den Dienst ausgiebig testen. Ein kostenloser 30-Tage-Zugang ist für alle Neukunden inbegriffen. Im Vergleich etwa mit Netflix schlägt sich Amazons Video-on-Demand-Service nicht schlecht. In vielen Fällen gibt es Überschneidungen im Film- und Serienangebot. Jedoch kann Amazon gerade bei älteren Veröffentlichungen, wie beispielsweise Akte X, Raumschiff Enterprise oder der Terminator-Reihe, punkten.

Abstriche muss man allerdings bei der Bildqualität machen. Das versprochene hochauflösende Bild ist oftmals nur in HD-ready (720p) verfügbar. Und auch die Zahl der Tonspuren ist gegenüber Netflix eingeschränkt. So gibt es längst nicht von jeder ausländischen Produktion die Originalversion zu hören. Wer mit diesen kleinen Einschränkungen leben kann, wird aber mit Instant Video bestimmt glücklich werden. Zumal der Preis von umgerechnet rund 4 Euro monatlich für das Streaming-Angebot wirklich günstig ausfällt.

Glücklicherweise ist das Fire TV auch nicht so "egoistisch", nur sein eigenes VoD-Portal zuzulassen. So existiert im Store schon eine App für Netflix. Maxdome und Watchever sollen bald folgen. Bei Sky überlegt man noch, ob man Anwendungen für die Dienste Go und Snap auf der Plattform anbieten wird.

Einzigartig ist das Gerät in Sachen Sprachsteuerung. Hält man die Mikrofon-Taste an der Fernbedienung gedrückt und sagt ein Stichwort, liefert das Fire TV in fast allen Fällen ein passendes Ergebnis für den Instant-Video-Dienst. Im Test funktionierte die Erkennung selbst bei schwierigen Begriffen, wie der englischen Serie "Jane Eyre" (ausgesprochen: 'Air'), reibungslos.

Aber diese Benutzerfreundlichkeit hat auch seine Schattenseiten. Hat man das Fire TV erst einmal eingerichtet, protokolliert das System fortan sämtliche Nutzungsgewohnheiten des Anwenders und sendet diese Statistiken standardmäßig an Amazon. Wer diese Funktion deaktiviert, bekommt keine passgenauen Empfehlungen mehr für Instant Video. Datenschutz oder Komfort beim Filmkonsum - für eines von beiden muss man sich letztlich entscheiden.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie man das Fire TV erweitern und zu einem multimedialen Allround-Talent machen kann:

Nun aber zu dem Punkt, der das Fire TV letztlich zu einer "eierlegenden Wollmilchsau" im Bereich der Media-Player macht: Android. Das "quelloffene" Betriebssystem läuft auf der Box und öffnet Programmierern somit Tür und Tor für externe Applikationen.

Die wichtigste ist wohl XMBC. Das einstmals für Microsofts XBox entwickelte Mediencenter ist mittlerweile für eine Vielzahl von Plattformen (u.a. für Windows und Linux) verfügbar. Und mit ein wenig technischem Sachverstand kann man es auch auf das Amazon-Gerät bekommen (siehe Link unter diesem Absatz). Ist diese kleine Hürde genommen, steht grenzenlosem Video- und Musikkonsum nichts mehr im Weg. XMBC versteht sich mit so gut wie jedem Dateiformat, zieht automatisch Metadaten aus dem Netz, versieht Filme, Serien und Musikalben mit Beschreibungen, Originalplakaten sowie -covern und lässt sich über eine Vielzahl von Plugins (Wettervorhersage, Alarmfunktion, Dropbox-Anbindung usw.) noch erweitern. Alle Inhalte muss XMBC beim Fire TV natürlich komplett aus dem Internet bzw. Heimnetz ziehen. Da aber Netzwerkfestplatten fast schon zum Standard im PC-Bereich gehören, sollte die fehlende USB-Funktionalität keine allzu große Einschränkung darstellen. Aber auch an offiziellen Apps für das Fire TV besteht kein Mangel: Spotify, Tunein Radio, ARD- und ZDF-Mediatheken, Spiegel online, Youtube, Musikkanal VEVO - sie alle und über 500 weitere sind kostenlos verfügbar. Darüber hinaus gibt es eine Reihe kostenpflichtiger Anwendungen, wie beispielsweise den Medienserver Plex. Als Besitzer eines iPad habe ich mir AirReceiver für knapp über 2 Euro gekauft. Damit kann ich mein komplettes Tablet über das Fire TV auf den Fernseher spiegeln - genauso wie beim Apple TV. Überzeugen konnte mich auch die Fernbedienung des Gerätes. Hier gilt wieder die Devise: klein, aber fein! Es gibt zwar nicht viele Funktionstasten. Das macht die Anwendung jedoch kinderleicht. Außerdem reagiert die Box rasant auf Tastenbefehle. Bei diesem Punkt bemerkt man die Power des Quad-Core-Prozessors. Genau wie beim Start von Applikationen, der ebenfalls blitzschnell über die Bühne geht. Die Netflix App ist in gerade mal fünf Sekunden einsatzbereit, während es bei der Version auf meinem Smart TV locker bis zu 30 Sekunden dauert, ehe man Filme starten kann.

Die Geschwindigkeit hat allerdings auch seinen Preis. Denn das Fire TV ist zwar auch bei Nichtbenutzung immer sofort verfügbar, lässt sich aber nicht vollständig abschalten. Es gibt schlichtweg keine Power-Taste! Erfolgt 30 Minuten lang keine Aktion, geht das Gerät lediglich in den Standby-Modus. Ein Druck auf die Fernbedienung weckt es aber direkt wieder auf. Deswegen wird mein nächster Kauf im Technikmarkt meines Vertrauens eine Funk-Steckdose sein, mit der ich das Fire TV komplett deaktivieren kann, wenn es nicht gebraucht wird. Auch, um Strom zu sparen.

Das Fazit des Testberichtes und ein Pro und Contra zum Fire TV lesen Sie auf der nächsten Seite:

Insgesamt ziehe ich ein positives Fazit der neuen Box, mit der Amazon nicht nur technisch, sondern auch marketingtechnisch ein großer Wurf gelungen ist. Dass sie sich zurzeit wie "geschnitten Brot" sowohl online wie auch offline verkauft, überrascht nicht. Zum einen richtet sie sich an der unbedarften Anwender, der einen möglichst unkomplizierten Zugang zu Videos oder Musik in fast unbegrenzter Menge verlangt. Zum anderen haben aber auch absolute Technikfreaks ihre helle Freude. Schließlich sind die Möglichkeiten, das in seiner Grundkonfiguration ohnehin schon sehr gute Gerät noch ein ganzes Stück leistungsfähiger zu machen, ebenso unbegrenzt. Von daher gibt es von mir eine klare Kaufempfehlung für das Fire TV.

Apple-Fans, die bereits positive Erfahrungen mit dem Apple TV gemacht haben, sollten aber vielleicht noch warten. Denn der Konzern aus dem kalifornischen Cupertino hat bereits angekündigt, dass er bald die vierte Version seiner hauseigenen Multimedia-Box herausbringen wird. Dann dürften die Karten in der Branche wieder neu gemischt werden.

Aber auch Amazon ruht sich nicht auf seinen Lorbeeren aus. So wird der Fire-TV-Stick, der bereits in den USA erhältlich ist, in absehbarer Zeit auch nach Deutschland kommen. Und mit dem noch einmal deutlich kleineren Gerät für den HDMI-Port des Fernsehers geht der Branchenriese dann auf direkten Kollisionskurs mit Google, das im unteren Preissegment mit seinem Chromecast-Stick hierzulande noch quasi Monopolist ist. Es bleibt also spannend auf dem umkämpften Markt der Media-Player.

Amazon Fire TV:

Vorteile Nachteile
+ Sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis - Kein Ein- und Ausschalter
+ Kompakte Bauweise - Keine Medien über USB abspielbar
+ Quad-Core-Prozessor für hohe Geschwindigkeit - Amazon-Konto zwingend erforderlich
+ Nahtlose Anbindung an Amazon - Gerät ist ohne Onlineverbindung nutzlos
+ Flott reagierende Fernbedienung - Nutzungsstatistiken werden erhoben
+ Hervorragende Sprachsteuerung
+ Durch eigenen Controller spielefähig
+ Gute Erweiterbarkeit durch über 2000 Apps
+ Mediencenter XMBC über Umwege installierbar
+ Bildschirmspiegelung für Handys oder Tablets

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