Better Call Saul

Großes Kino in Episoden-Form

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Kaum eine Serie konnte in den vergangenen Jahren sowohl Fernseh-Junkies als auch Kulturschaffende gleichermaßen beeindrucken. „Breaking Bad“ hat es aber geschafft. Umso größer sind natürlich die Erwartungen an das Spin-Off „Better Call Saul“, das jetzt auch in Deutschland verfügbar ist. Nach zwei Folgen kann man bereits sagen: Es ist Must-See-TV!

Saul Goodman war in „Breaking Bad“ der Anwalt für’s Grobe. Egal wie zerfahren die Situation, egal wie schmierig die Kriminellen, Saul hat sie alle irgendwie freibekommen – und einen ordentlichen Batzen daran mitverdient.

Innerhalb von „Breaking Bad“ wurde Saul Goodman bereits zur Kultfigur. Seine Redekünste, seine überdrehte Erbarmungslosigkeit und sein komödiantisches Talent haben bei den Fans einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Zum Ende der Serie wurde den Machern bereits klar, dass sich hierin noch ein ganz eigenes Potential verbirgt, aus dem man mehr machen kann.

Serienschöpfer Vince Gillian hat zusammen mit Peter Gould nun „Better Call Saul“ entwickelt – wohlwissend, dass die Erwartungen enorm sein würden. Deshalb haben sich die beiden von vornherein auch nicht darauf eingelassen, in irgendeiner Art und Weise „Breaking Bad“ weiterzuerzählen. Es geht einzig um Jimmy McGill und wie er nach und nach zu dem Mann wurde, der sich Saul Goodman nennt.

Ohne jetzt zu viel zu verraten, aber Jimmy McGill hat mit Saul Goodman nur wenig zu tun. Er ist ängstlich, verarmt, kennt noch längst nicht jeden Trick und schon gar keine Kriminellen. Aber – und da ist die Parallele zu „Breaking Bad“ zu erkennen – bereits in der ersten Folge wird der Grundstein für die spätere Bad-Ass-Karriere gelegt. Erste Nuancen der späten Goodman-Figur sind schon zu erkennen. In einigen Szenen treten dabei bereits bekannte Gesichter aus der Mutter-Serie auf. Es wird interessant sein zu sehen, wie sie sich neben Saul entwickeln und welchen Einfluss sie auf ihn nehmen werden.

Was ebenfalls stark an „Breaking Bad“ erinnert, ist die Ästhetik, die Vince Gillian und Peter Gould hier anstreben. Jedes Bild ist wunderschön komponiert und orientiert sich am Stil der Magazin-Fotografie. Die Erzählweise ist erneut sehr ruhig und wirkt beinahe schon dokumentarisch. Der Zuschauer wird immer gerade eben so viel auf Distanz gehalten, dass er zwar mitfühlen kann, aber nicht involviert ist. Und die Musik ist insofern der perfekte Soundtrack, als dass man sie nie so richtig wahrnimmt, der Einfluss auf die Atmosphäre aber enorm ist.

Wirklich grandios ist natürlich wieder einmal Hauptdarsteller Bob Odenkirk. Der Schauspieler, Produzent, Serienerfinder und Comedian geht auch in dieser Version seine Figur mit sehr viel Fingerspitzengefühl an. Das merkt man insbesondere dann, wenn es in Jimmy McGill arbeitet, wenn er seine inneren Konflikte austrägt. Bei vielen Schauspielern wirkt das oft unglaubhaft oder übertrieben. Odenkirk trifft dagegen genau den Punkt.

„Better Call Saul“

ab 11. Februar auf Netflix im englischen Originalton oder in deutscher und französischer Synchronfassung. Neue Episoden immer dienstags ab Mitternacht.

Auch deshalb ist es vollkommen richtig, dass der Pilot von „Better Call Saul“ auf der Berlinale Premiere gefeiert hat. Sowohl schauspielerisch als auch handwerklich ist die Serie großes Kino in Episoden-Form. Und die ersten beiden Folgen zeigen zudem, dass es auf jeden Fall weitaus mehr als nur eine Staffel geben wird. Ob es ein Epos wie „Breaking Bad“ werden könnte, scheint noch ungewiss, die Grundlage dafür ist jedenfalls vorhanden.

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