Ellen bleibt daheim

Recklinghausen statt Syndey

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Auslandsemester, ein Jahr Au-pair oder gleich in eine andere Stadt ziehen. Überall lesen wir von den Geschichten der Auswanderer auf Zeit oder von denen, die für immer weggehen. Was jedoch mit denen ist, die Zuhause bleiben, interessiert nicht wirklich.

Ich bin so eine, die daheim blieb. Meine zwei geliebten Uni-Kommilitonen hocken in Malta und studieren dort für ein halbes Jahr. Meine beste Freundin toppte das Ganze und zog nach Hannover. Und ich? Ich sitze hier mit Fernweh und Sehnsucht im Bauch. Bin ich langweilig und feige, weil ich nicht die Welt entdecke, sondern im Ruhrpott rumhänge? Werden die Geschichten, die ich später meinen Enkeln erzähle, trostlos sein? Die anderen hippen Omas können dann mit den Storys aus Amerika, Australien und Neuseeland glänzen und meine werden, mit der Abwesenheit von Spannung, ganz matt erscheinen. Keineswegs soll der Eindruck entstehen, ich wäre neidisch. Im Gegenteil, ich bin stolz auf den Mut meiner Girls. Ich freue mich, dass sich die Möglichkeit in ihrem Leben bot, ein Abenteuer, weit weg von der Heimat, zu erleben. Manchmal wünsche ich mir, ich hatte diese Chance auch gehabt. Aber vielleicht kommt diese ja noch. Und wenn nicht, denke ich an meine Oma. Ihre Geschichten aus der Heimat langweilten mich nie. Wohlmöglich erlange ich im Alter die Weisheit, dass das Leben, egal, wo man ist, immer eine Geschichte wert ist.

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