Ellen sinniert

Abgestempelt?

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Dunkelblau schimmert er auf meinem Handrücken. Als ich aufwache, entdecke ich ihn sofort. Ich erinnere mich an die gestrige Nacht. Das Stempeln als Einlassritual beim Discobesuch, der mir Blasen an den Hacken und eben einen Stempelabdruck bescherte. Dieses Mal ist es kein Motiv, sondern der Text “Konfetti geht immer“. Ich muss schmunzeln.

Das Abwaschen des Stempels ist mal wieder so eine Sache. Die Farbe, bis tief in meine Poren hervorgedrungen, will nicht abgehen. Ich schrubbe und schrubbe und werde wütend. Während meiner anschließenden Kater-Philosophiererei merke ich jedoch, dass die Wut völlig unbegründet ist. Ich trage nur verwischte Buchstaben auf der Hand, mit der Bedeutung, dass ich gestern den Eintritt bezahlt habe.

Aber wie ist es, wenn ein farbloser Stempel mitten auf die Stirn gedrückt wird? Womöglich wegen der sexuellen Orientierung, der Herkunft, der Religion, dem Geschlecht. Wie ist es, wenn vorverurteilt wird? Wenn Menschen aufgrund dieses Stempels eine andere Person meiden? Wie ist es, wenn der Stempel nicht abwaschbar ist?

Mir wird übel, wenn ich daran denke, wie Leute im Alltag am Stempelkarussell drehen, aufs Farbkissen hauen und dem Gegenüber puren Hass aufpressen. Leben wir leider in einem Land, dessen Kultur so gar nicht diskriminierungsfrei ist?!

Stempel sind beim Konzert, in der Disco und auch unter der guten Deutscharbeit im Schulheft wünschenswert. Aber wir müssen den engstirnigen, horizontlosen Mitbürgern das Stempelwerkzeug wegnehmen. Wie? Durch Kommunikation, durch Dialog, durch Mut und Gemeinschaft.

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