Ellens Jahresstart

Schuhe und Schweinewelpen

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Datteln -

Unter meinem Schuh entdeckte ich heute, sechs Tage nach Silvester, ein wenig pulverisierte, rote Tonerde, die aus den explodierten Böllern, zunächst auf der Straße und dann scheinbar an meiner Sohle kleben blieb. Vorsätze, wie endlich Sport zu treiben und für anstehende Klausuren zu lernen, habe ich bis jetzt nicht erfüllt. Meine Schuhe haben, wie das rote Pulver beweist, auch noch keine Schuhbürste gesehen.

Ich bin kein Neujahrsympathisant und werde jährlich zu Beginn des Jahres faul, griesgrämig und verziehe mich in mein stilles Kämmerchen. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich fürchte, vor der neuen, ungewohnten Ziffer am Ende der Jahreszahl. Vielleicht ist es auch der unterbewusste Hass auf den inneren Schweinehund, der sich bei mir eher wie ein Schweinewelpe anfühlt. Babyklein, niedlich, aber zudem schüchtern, ja, ängstlich ist er. Furcht hat er davor, etwas anzupacken, weil man möglicherweise nicht das erreicht, was erwartet wird, oder man auf ganzer Linie versagt. Der kleine Schweinewelpe ist feige und willensschwach.

Viele denken sicher, dass dieses kleine zeitgenössische Wesen in mir viel leichter zu händeln ist. Dem ist jedoch nicht so. Einen Schweinehund besiegt man, in dem man festentschlossen „Sitz und Platz“ sagt, und er schließlich gehorsam den Anweisungen folgt. Ein innerer Schweinewelpe jedoch ist unerzogen und nicht stubenrein. Um ihn zu überwinden, braucht es somit große Überwindungskraft und viel Arbeit. Gut, dass ich mit heute noch 361 Tage dieses Jahres hab', um ihn zu erziehen. Und wenn nicht, gelingt mir vielleicht wenigstens, dass ich meine Schuhe von den Silvesterhinterlassenschaften 2015 befreie.

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