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Pfiffe als Weckruf zur rechten Zeit

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Es war nach einer guten halben Stunde, als der „zwölfte Mann“ nicht mehr mitmachen wollte – die Grenze der mentalen Belastbarkeit war erreicht.

Also pfiffen Schalkes Fans die eigene Mannschaft aus. Kurz, aber heftig. Nicht vereinzelt, sondern im Kollektiv. Das Publikum war sich einig: Bis hierhin und nicht weiter! Das gab es in der Arena in dieser Deutlichkeit lange nicht mehr.

Die S04-Fußballer waren gerade wieder einmal damit beschäftigt, sich den Ball in der eigenen Hälfte gefühlt minutenlang hin und her zu spielen, um im Aufbauspiel vielleicht doch noch eine Lücke zu erspähen und nicht zu finden. Was Trainer Tedesco als „kontrollierte Ball-Zirkulation“ lobte, war für die Zuschauer einfach nur ein quälendes Hin- und Hergeschiebe gegen einen wahrlich nicht übermächtigen Gegner.

Nun ist ein sicherer Quer- oder Rückpass der sinnfreien und risikoreichen Flucht nach vorn oft vorzuziehen – aber das Schalker Publikum hatte in dieser Situation genau das richtige Gespür im Umgang mit der Mannschaft. Die Pfiffe waren keinesfalls als Liebesentzug zu verstehen, sondern als Aufforderung: „Wenn Euer Zielspieler im Mittelfeld (Bentaleb) doch von Hannover zugestellt wird, dann lasst Euch gefälligst mal etwas anderes einfallen.“

Ob nun Zufall oder nicht: Tatsächlich wurde Schalke ab der 30. Minute ein wenig mutiger, suchte (und fand später) im Spiel nach vorn auch andere Lösungen. Keine Statistik und kein Analyse-System der Welt wird einen direkten Zusammenhang zwischen den Pfiffen der Fans und der Leistungssteigerung belegen können. Aber geschadet hat die klare Botschaft der Fans der Mannschaft zumindest nicht.

Das soll jetzt um Gottes willen kein Appell sein, die Spieler bei jedem Rück- oder Fehlpass auszupfeifen. Aber wenn eine Beziehung funktionieren soll, muss es erlaubt sein, sich auch mal die Meinung zu sagen.

Und nichts anderes haben Schalkes Fans am Samstag nach 30 Minuten getan. Profis müssen das aushalten. Pfeifen ist also nicht nur erlaubt, manchmal hilft es sogar. S04-Torjäger-Idol Klaus Fischer verriet neulich im Gespräch mit dieser Zeitung: „Wenn wir früher schlecht gespielt haben, haben die Pfiffe der Fans uns aufgeweckt und wir wussten: Jetzt müssen wir aber einen Zahn zulegen.“

Auf das Urteil des „zwölften Mannes“ ist – damals wie heute – Verlass.

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