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Ein Profi, der Fußball lebt

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Es war einmal ein Fußballer, der hatte eine Bundesligasaison hinter sich gebracht, in der er keine Minute gefehlt hatte. Mit 35 Jahren. Dann kam die neue Spielzeit und Naldo saß am neunten Spieltag in Leipzig auf der Bank.

Es folgte das Heimspiel gegen Hannover – Naldo saß 90 Minuten wieder nur draußen. Und in Frankfurt? Der Deutsch-Brasilianer sah vom Spielfeldrand, wie seine Mannschaft mit 0:3 verlor. Was machen solche Auszeiten mit einem Fußballer, wenn er auch im vierten Bundesligaspiel in Folge – jetzt beim Schalker 5:2-Erfolg gegen den 1. FC Nürnberg – wieder nur die Zuschauerrolle einnehmen darf, nachdem er viele Jahre in verschiedenen Vereinen immer Stammspieler gewesen war?

Organisiert er eine Revolte mit Vertrauten? Schimpft er öffentlich über den Trainer? Droht er mit Abschied in der Winterpause?

Nein. Ronaldo Aparecido Rodrigues, wie Naldo mit bürgerlichem Namen heißt, sprach in der Halbzeitpause des Nürnbergspiels zu seinen Mannschaftskameraden. Um ihnen Mut zu machen, um sie einzuschwören auf den zweiten Durchgang, um ihnen Tipps zu geben, wie sie diese Partie gewinnen können.

Das muss so eindrucksvoll geschehen sein, dass Bastian Oczipka dieses Erlebnis hinterher den Journalisten erzählte. Ein ungewöhnlicher Vorgang, denn normalerweise bleiben solche Interna in der Kabine. Kein Wunder, dass Trainer Domenico Tedesco überrascht war, dass Oczipka den Journalisten von Naldos Halbzeit-Ansprache erzählt hatte. Doch er nahm es Oczipka nicht übel, sondern lobte: „Das ist einfach Naldo. Er wichtig für uns – ob er spielt, oder nicht. Er hat in der Halbzeit ein bisschen was dazu gesagt und das war genau richtig. Er hat das, was ich gesagt habe, noch mal unterstrichen.“

Diese Episode bestätigte eindrucksvoll eine Aussage von Sportvorstand Christian Heidel, der Naldo nicht nur als besonderen Fußballer, sondern immer auch als „besonderen Menschen“ charakterisiert hatte. Naldo lebt vor, dass im Fußball der Teamgeist eine besonders wichtige Rolle spielt.

Indem Naldo sich nicht beleidigt zurückzieht, sondern aus seiner aktuellen Situation das Beste macht, hilft er seiner Mannschaft. Zwar nicht auf, aber neben dem Platz. Auch das ist eine Leistung, die man würdigen darf.

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