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Sichtlich genervt von allzu ungeduldigen Fans war George R.R. Martin in diesem Video-Interview. Der als langsamer Schreiber bekannte Autor von "Das Lied von Eis und Feuer" zeigte den Stinkefinger all' jenen, die glauben, dass er noch vor Beendigung seines Fantasy-Epos sterben wird. Die Martin-Anhänger warten seit fast vier Jahren auf das sechste Buch, das siebte soll schließlich den Romanzyklus beenden. Der Autor hatte schon zuvor angedroht, weitere beliebte Charaktere sterben zu lassen (wie er es gerne tut), wenn die Fans ihn nicht langsam in Ruhe lassen.

Kritik an "Game of Thrones"

An Ser Loras scheiden sich die Geister

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Halbzeit bei "Game of Thrones": Die ersten fünf Folgen der fünften Staffel sind in den USA ausgestrahlt worden. Und schon regt sich von seiten der Leser Kritik an den zum Teil massiven Änderungen gegenüber der Buchvorlage. Sogar George R.R. Martin stößt ins selbe Horn.

Der Autor von "Das Lied von Eis und Feuer" schickte jetzt seine Herausgeberin Jane Johnson bei Twitter vor, um indirekt seinen Unmut - vor allem über die Darstellung von Ser Loras Tyrell - zu äußern. Johnson erklärte, dass sie niemals wirklich glücklich mit dessen Charakterzeichnung in der HBO-Serie als "homosexuellem Cartoon" gewesen sei. In den Büchern habe die Figur viel mehr Nuancen.

Tatsächlich wird dort die sexuelle Orientierung Loras', wenn überhaupt, nur vorsichtig angedeutet. Buchleser kennen ihn stattdessen als edlen und starken "Ritter der Blumen", der die meiste Zeit mit voller Rüstung auf den Schlachtfeldern - anstatt nackt in den Betten - verbringt und sogar vom Oberhaupt der Königsgarde, Jaimie Lannister, mit höchstem Respekt betrachtet wird.

Doch Jane Johnson war damit mit ihrem Online-Rundumschlag noch nicht fertig. In einem anderen Twitter-Eintrag schrieb die Martin-Herausgeberin, dass "sie diese großen Abweichungen nicht mag". Und weiter: Wer die Geschichte so verstehen möchte, wie der Autor sie urspünglich im Kopf hatte, solle doch lieber die Bücher lesen als den Fernseher anschalten. In den ersten vier Staffeln hatten sich Daniel Benioff und D.B. Weiss dagegen in vielen Belangen noch eng an die literarische Vorlage gehalten. In der aktuellen Saison nehmen die Änderungen bisher Überhand - bedingt auch durch die ausufernde Handlung mit vielen neuen Charakteren im vierten und fünften Buch. So ließen die Serien-Macher etwa eine prominente Tote - im Gegensatz zum Ursprungswerk - nicht mehr durch die Magie des roten Gottes wiederauferstehen. Demgegenüber ist ein weiterer Hauptcharakter auf der Mattscheibe immer noch am Leben, obwohl er in den Büchern schon längst verstorben ist.

Sämtliche dieser "Kröten" haben die Fans aber bisher geschluckt. Die komplette Neuinterpretation der Figur Ser Loras brachte das Fass aber nun offenbar nicht nur bei ihnen zum Überlaufen.

Dass George R.R. Martin an der Ausrichtung der Serie zurzeit unbeteiligt ist, ist somit Segen und Fluch zugleich. Auf der einen Seite hat der Autor mehr Zeit, um endlich den sechsten - und später auch den siebten und letzten Teil - seiner Saga fertigzustellen. Auf der anderen Seite müssen die Produzenten die TV-Handlung zwangsläufig stark verändern, da die Buchvorlage immer noch nicht veröffentlicht wurde und Martin als Drehbuchschreiber sowie kreativer Taktgeber nicht zur Verfügung steht.

Meine Meinung: Der Wirbel um die Änderungen wird sich zum Ende der Staffel wieder legen. Denn dann wird die Serie die Buchreihe ein- und teilweise sogar überholt haben. Eine Entwicklung, die einzigartig ist und "Game of Thrones" den Thron der wohl spannendsten TV-Serie auch in den nächsten Jahren sichern wird. Der Spruch "Das weiß ich schon aus den Büchern!" ist jedenfalls bald hinfällig. Leser und Fernsehzuschauer sitzen im selben Boot und tappen gemeinsam im Dunkeln, wohin die Reise in Westeros geht.

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