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Caitriona Balfe spielt die Hauptfigur Claire in "Outlander", der Serie zur Highland-Saga von Autorin Diana Gabaldon.

Neue Serie "Outlander"

Kein "50 Shades" für Fantasy-Fans

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Ich gebe zu, dass ich nicht gerade begeistert war, als mir meine Frau vorschlug, mal einen Blick auf "Outlander" zu werfen. Im Internet hatte ich über die neue Serie nämlich Umschreibungen wie "Soft-Porno für Mittelalter- und Fantasy-Fans" gelesen. Umso erstaunter bin ich jetzt, wo ich der Produktion doch eine Chance gegeben habe. Denn sie ist richtig gut - auch für Männer!

Die Serie basiert auf der "Highland-Saga" von Diana Gabaldon, die vor allem bei weiblichen Lesern seit Jahren auf Begeisterung stößt. Acht dicke Bände hat die US-Amerikanerin mittlerweile veröffentlicht, in denen es in erster Linie um die Romanze der Zeitreisenden Claire Randall mit dem schottischen Highlander Jamie Fraser geht, der sich im Jahr 1743 mit seinem Clan gegen die Besatzungsmacht England auflehnt.

Die Krankenschwester Claire lebt eigentlich im Großbritannien nach dem Zweiten Weltkrieg und ist dort verheiratet mit Geschichtsprofessor Frank Randall. Auf einer gemeinsamen Reise nach Schottland geschieht das Unfassbare. An einem mystischen Ort mit Steinkreisen fällt Claire in Ohnmacht und erwacht über 200 Jahre früher an demselben Ort wieder. Dort wird sie vom Clan der McKenzies gefunden und zunächst gefangen genommen. Im weiteren Verlauf der Geschichte erarbeitet sie sich aber das Vertrauen der Krieger - unter anderem durch ihre medizinischen Fähigkeiten, die sie bei ihrer Arbeit in den Feldlazaretten erworben hat.

Authentisch und brutal

Die Geschichte hört sich also erstmal auch für Serienjunkies, die nicht auf ausgiebige Kuss- und Sexszenen stehen, interessant an. Jedoch muss ich sagen, dass die erste Folge gewisse Befürchtungen meinerseits bestätigt hat. Denn da geht es tatsächlich - noch in der Gegenwart - zwischen Claire und ihrem dortigen Ehemann ein paar Mal ordentlich "zur Sache". Ab dem Punkt, an dem die Hauptdarstellerin dann aber in die Vergangenheit geschleudert wird, entwickelt "Outlander" enorme Spannung auch jenseits der Bettkante und ist somit alles andere als ein "50 Shades of Grey" unter historischem Deckmantel.

Die Autoren - allen voran Star-Trek- und Battlestar-Galactica-Macher Ronald D. Moore - räumen zudem der Authenzität großen Raum ein. So präsentiert sich die Szenerie der Highlands, wie sie damals wahrscheinlich auch war: rauh und unwirtlich. Da traben die Pferde ständig durch knöcheltiefen Schlamm, da färben die Frauen die Textilien mit Urin und da wird einem schwerverletzten Krieger bei vollem Bewusstsein der Arm amputiert. Spätestens, als Jamie von einem englischen Rotrock minutenlang so brutal ausgepeitscht wird, dass ihm das nackte Fleisch vom Rücken hängt, musste meine Frau übrigens wegschauen. So hatte sie sich die Highland-Romanze bestimmt nicht vorgestellt. Auch ich war geschockt, aber gleichzeitig beeindruckt, wie viel sich die Produzenten doch hier trauen.

Hervorragende Darsteller

Ebenfalls überzeugen können die Darsteller. Caitriona Balfe balanciert die weibliche Hauptfigur geschickt aus zwischen Zerbrechlichkeit und Härte. Gerade letzteres braucht Claire aber auch, um sich in dem von Männern dominierten Zeitalter behaupten zu können. Sam Heughan ist ebenso gut besetzt als unbeugsamer Rebell Jamie und lässt als langhaariger und meist spärlich bekleideter Charmeur zudem die Frauenherzen schmelzen. So ganz ohne den Faktor Erotik kommt "Outlander" eben doch nicht aus.

Das größte Lob gebührt aber Tobias Menzies in einer Doppelrolle. Er verkörpert in der Gegenwart Frank Randall. In der Vergangenheit stellt er aber den britischer Offizier Jonathan Randall dar, der ein Vorfahre von Frank und ihm täuschend ähnlich ist - allerdings nur äußerlich. Denn im Gegensatz zu Claires treusorgendem Ehemann ist er ein skrupelloser Soldat mit sadistischen Neigungen. Besonders in der sechsten Folge kommt sein wahres Gesicht zum Vorschein und er quält auch Claire bis aufs Äußerste - zunächst mit Worten, dann mit Taten. Wie Menzies mit seiner Mimik diese Gratwanderung zwischen Mensch und Monster hinbekommt, ist meiner Meinung nach eine oscarreife Leistung.

"Outlander" läuft in Deutschland zurzeit auf dem Sender "Passion" des Pay-TV-Anbieters Sky. Bisher waren dort sechs Folgen zu sehen. Zu einem noch nicht näher definierten Zeitpunkt im Frühjahr soll die Serie auch im Free-TV bei "Vox" zu sehen sein.

Die erste Staffel wird aus insgesamt 16 Folgen bestehen, eine zweite Staffel hat der produzierende US-amerikanische Bezahlkanal Starz aufgrund der guten Einschaltquoten schon frühzeitig in Auftrag gegeben.

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