Richterhammer
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Vor dem Landgericht Essen wird der Vorwurf des versuchten Mordes verhandelt.

Prozess vor dem Landgericht

66-Jährige wollte ihren Ehemann töten - ausgerechnet am Hochzeitstag

  • Jörn Hartwich
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„Ich habe das nicht mehr ausgehalten“, sagte die Frau aus Drewer vor dem Landgericht. Sie wollte ihren Mann töten - an ihrem Hochzeitstag.

Das Messer lag im Handarbeitskorb, der Mann wollte sich gerade ein Bier aus dem Kühlschrank holen: Vor rund sechs Monaten hat eine 66-jährige Frau aus Marl-Drewer versucht, ihren Ehemann umzubringen – genau an ihrem 39. Hochzeitstag. Seit Montag steht sie Essen vor Gericht. Der Vorwurf: Mordversuch.

„Immer nur gedemütigt“

„Ich wurde immer nur gedemütigt“, sagte die Angeklagte den Richtern unter Tränen. „Ich wurde psychisch misshandelt, wie lange sollte ich das denn noch mitmachen. Ich habe das nicht mehr ausgehalten.“ Schon mehrfach habe sie abends ein Messer mit ins Schlafzimmer genommen, sich dann aber doch nie getraut. Am 31. Juli nahm sie dann offenbar allen Mut zusammen.

Streit auf dem Weg zum Supermarkt

Es war einer dieser heißen Sommertage, als ihr Mann sterben sollte. Die Eheleute hatten mittags noch gemeinsam eingekauft. Es sollte gegrillt werden, im Garten, wie schon häufig zuvor. Doch schon auf dem Weg zum Supermarkt hatte es Streit gegeben. Um das Fleisch, das gekauft werden sollte, um kleine Schnapsfläschchen, die der Mann noch schnell mit in den Einkaufswagen gelegt haben soll.

Verletzender Umgangston

„Ich habe mich kaum noch getraut, etwas zu sagen“, so die Angeklagte im Prozess. „Er war immer so arrogant, wollte die totale Kontrolle über mich.“ Der Umgangston war mit den Jahren hart und verletzend geworden. Auch die 66-Jährige nahm sich in dieser Hinsicht nach eigenen Angaben nicht mehr zurück. Es war gegen 18 Uhr, als das Drama schließlich seinen Lauf nahm. „Ich habe mir gedacht: jetzt oder nie!“, erzählte die 66-Jährige. „Irgendwann muss mal Schluss sein.“

Stiche in Rücken, Brust und Rumpf

Die Ärzte hatten später zwei Stiche in den Rücken gezählt, dazu mehrere in Brust und Rumpf. Die Lunge war getroffen, der Bauchraum. Laut Anklage bestand zumindest vorübergehend akute Lebensgefahr. Dass der Ehemann überlebt hat, ist offenbar auch seiner Gegenwehr zu verdanken. Ihm war es trotz der schweren Verletzungen gelungen, seine Frau niederzuringen und ihr das Messer abzunehmen. Danach rief er laut: „Hilfe, meine Frau sticht mich ab.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

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