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Michelle Avella mit ihren Kindern Emelita (zehn Monate) und Juliano (3). Sie hofft, dass sie einen Kindergartenplatz für Juliano findet, damit sie ab Ende August eine Teilzeitbeschäftigung beginnen kann. 

Aufnahme nach Punktsystem

Kita-Betreuung in Marl: So viele Kinder müssen ohne einen Platz auskommen

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Für 382 Kinder in Marl gibt es keinen Platz in der Kita. Eines ist Juliano (3). Seine Mutter Michelle Avella (35) hat deshalb Probleme, einen Teilzeitjob anzutreten.

Ende August könnte Michelle Avella (35) aus Alt-Marl einen Teilzeitjob beginnen: Eine Firma sucht für ihr Online-Portal noch eine Texterin. Für die junge Mutter wäre das eine große Chance. Sie könnte halbtags wieder ins Berufsleben einsteigen. Voraussetzung dafür wäre ein Kindergartenplatz für ihren Sohn Juliano (3): „Er ist sehr wissbegierig und temperamentvoll, muss immer beschäftigt werden“, sagt Michelle Avella.

Mit ihrem Mann ist sie aus dem Schwarzwald nach Marl gezogen. Zwei Kinder (15 und 10) gehen hier zur Schule, für Juliano und bald wohl auch für die jüngste Tochter Emelita (zehn Monate) sucht Michelle Avella unermüdlich einen Kita-Platz.

In sieben Kindergärten in Marl vorgemerkt

Schon vor mehr als zwei Jahren hat sie Juliano angemeldet, aber es gibt zu wenige Plätze – obwohl Familie Avella flexibel ist. Alle sieben Marler Kindergärten, für die sie sich im Kita-Navigator vorgemerkt hat, nehmen den Jungen nicht auf. „Beim Jugendamt habe ich immer wieder vorgesprochen und nachgehakt. Ich glaube, dass die Stadt tut, was sie kann.“

Aber Michelle Avella hilft das nicht weiter. Ihr Arbeitgeber muss planen. Er will ein Signal, ob sie die Stelle antreten kann. Das setzt die junge Frau unter Druck. Sie würde Julian sogar täglich nach Sickingmühle bringen, wenn dort im Mühlenkindergarten ein Platz frei wäre.

Kitas in Marl: Aufnahme läuft nach Punktesystem 

Familie Avella ist kein Einzelfall: Trotz mehrerer Kita-Neubauten haben 382 Kinder nicht den gewünschten Kita-Platz ab diesem Sommer bekommen, darunter 134 Kinder über drei Jahren. Sie sind im Kita-Navigator, dem Online-Vergabesystem des Jugendamts, wieder vorgemerkt. „Die Plätze, die wir haben, sind erst einmal vergeben“, erklärt Stadtsprecherin Riccarda Ast. „Erst wenn Kinder wegziehen, wird wieder ein Platz frei.“

Kirchen, Elterninitiativen, Wohlfahrtsverbände und die Stadt bieten in Marl über 2600 Betreuungsplätze in Kindertagesstätten an. Bevorzugt aufgenommen werden Kinder im letzten Kita-Jahr – damit sie vor der Schule zumindest ein Jahr Kindergarten mitnehmen.

Kitas in Marl: Vorrang für Alleinerziehende

Alle Träger haben bestimmte Aufnahmekriterien, sie arbeiten nach einem Punktesystem. Vorrang haben zum Beispiel Geschwisterkinder, Kinder von Alleinerziehenden, Kinder, die eine besondere Sprachförderung brauchen und Kinder, bei denen beide Elternteile berufstätig sind.

In den letzten drei Jahren musste die Stadt pro Jahrgang circa 100 Kinder mehr als erwartet unterbringen. Das hänge auch mit vielen Zuzügen zusammen, sagt die Stadtsprecherin.

Übrigens: Nicht die Stadt vergibt die Plätze, sondern die Kitas vergeben sie selbst. Die Stadt stellt nur den Kita-Navigator als Online-Plattform zur Verfügung. Deshalb sollten Eltern immer vorab das Gespräch in den Kindertagesstätten suchen. Auch das hat Michelle Avella getan...

https://marl.kita-navigator.org/ 

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