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Jetzt sind dort noch Bäume und Äcker: Parallel zur B 225 soll ein neues Gewerbegebiet entstehen

Bald noch mehr Verkehrslärm?

Klimaschutz kontra Stadtentwicklung - Politiker streiten um neues Wohn- und Gewerbegebiet in Alt-Marl

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In Alt-Marl soll ein neues Wohn- und Gewerbegebiet entstehen. Das Projekt entzündete im Planungsausschuss eine Debatte über Klimaschutz.

Am 6. Juni hat der Rat den „Klimanotstand“ ausgerufen: Seitdem sollen er, seine Ausschüsse und die Stadtverwaltung bei allen Entscheidungen die Auswirkungen auf die Umwelt berücksichtigen. Das wird noch zu vielen Klima-Debatten führen. Wie im Stadtplanungsausschuss. Er ebnete jetzt den Weg für ein neues Wohn- und Gewerbegebiet im Stübbenfeld. Es soll zwischen Hochstraße (B 225), Stübbenfeldstraße, Hertener Straße und Weierbachaue entstehen. Die Wählergemeinschaft Die Grünen und die Bürgerliste Wir für Marl stimmten dagegen.

Parallel zur B 225 soll das bestehende Gewerbegebiet (ATU, Mercedes Lueg) bis zur Hertener Straße erweitert werden. Zwischen der neuen Gewerbefläche und der Bachaue sollen Wohnhäuser entstehen. Der Acker zwischen dem neuen Wohngebiet und der Stübbenfeldstraße soll künftig als Grünfläche genutzt werden. Sie soll im Regionalplan eine Grünfläche ausgleichen, die auf dem Jahnstadion-Gelände bebaut wird und verloren geht.

Nur Sonntagsreden?

Wählergemeinschaft und Bürgerliste warnen vor Eingriffen in die freie Landschaft: „Wenn die Schülerklimakonferenz hier wäre, würden die Schüler sagen: Die Politiker haben nichts verstanden. Trotz Sonntagsreden hat sich nichts geändert“, sagte Siegfried Schönfeld (Wir). Neue Gewerbegebiete würden Verkehr und Emissionen mit sich bringen.

Paul Wagner (Grüne) erklärte, Konsequenz des Klimanotstands könne nur sein, „die Belastung, die wir selbst produzieren, zu verringern und nicht zu erhöhen.“ Deshalb dürften Kommunen nicht nur für sich selbst handeln „und immer neue Planungen aus der Hosentasche ziehen.“

"Dann bauen wir um Marl eine Mauer"

„Dann bauen wir eine Mauer um Marl“, entgegnete der Vorsitzende des Ausschusses, Jens Vogel (SPD). Marl brauche Gewerbefläche für Betriebe und Neuansiedlungen. Vogel wörtlich: „Es geht beim Klimanotstand nicht um Fanatismus, um Stillstand. Flächen zu versiegeln ist kein Teufelswerk. Es gehört zum Leben dazu, wenn man ein Haus bauen will.“ Bürgermeister Werner Arndt (SPD) ergänzte, es sei wichtig, Wohnungen in Marl zu schaffen: „Verweigerungshaltungen können wir uns ebenso wenig leisten wie ein ‚Weiter so‘.“

Andreas Kolk (CDU) forderte Lösungen für die Landwirte, die künftig Ackerflächen im Planungsgebiet nicht mehr nutzen können. Durch das neue Gewerbegebiet werde der Verkehr an der ohnehin belasteten B 225 noch zunehmen, betonte Kolk. Die Alt-Marler drängen auf Schutz vor Lärm. Deshalb müsse vor allem der Lkw-Durchgangsverkehr, der die B 225 als Abkürzung nimmt, von der Bundesstraße ferngehalten werden.

Bürger sollen früh beteiligt werden

Für das Stübbenfeld wird der Flächennutzungsplan geändert und ein neuer Bebauungsplan aufgestellt. Die Bürger sollen frühzeitig beteiligt werden.

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