Eine junge Frau (von hinten fotografiert) sitzt zu Hause an ihrem Laptop, arbeitet und telefoniert zeitgleich mit dem Handy am linken Ohr.
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Nicht jeder hat gute Voraussetzungen fürs Arbeiten daheim.

Behörde als Vorbild?

Arbeiten zu Hause - wie das bei der Marler Stadtverwaltung umgesetzt wird

  • Markus Weßling
    vonMarkus Weßling
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Home Office realisieren, wo immer es geht – diese Vorgabe macht die Bundesregierung den Unternehmen in der Pandemie-Zeit seit Ende Januar noch einmal mit erhöhter Dringlichkeit. Doch wie gut klappt das in der öffentlichen Verwaltung - zum Beispiel bei der Stadt Marl?

Die „Welt am Sonntag“ berichtet, dass ausgerechnet die Behörden – vom großen Bundesamt bis zur kleinen Stadtverwaltung – diese Vorgabe nur unzureichend umgesetzt bekommen. In vielen Ämtern kann demnach nicht einmal jeder zweite Innendienst-Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten, wie eine Umfrage der Zeitung ergab. Wie sieht das in Marl aus?

Zwischen Bundesverwaltungsgericht und Rentenversicherung

Mehr als die Hälfte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Marler Stadtverwaltung kann im Home Office arbeiten“, antwortet Stadt-Sprecher Rainer Kohl auf eine entsprechende MZ-Anfrage. „Die Stadtverwaltung hat insgesamt etwa 350 Homeoffice-Arbeitsplätze eingerichtet - bei insgesamt 650 PC-Arbeitsplätzen in der Verwaltung.“ Das sind etwa 54 Prozent. Damit liegt Marl beim Home Office-Anteil der Arbeitsplätze genau zwischen dem Bundesverwaltungsgericht (53 Prozent) und der Deutschen Rentenversicherung (55 Prozent) – und immerhin deutlich besser als Städte wie Kiel (Schlusslicht der „Welt am Sonntag“-Umfrage mit 17 Prozent) oder Frankfurt (28 Prozent). Die „Welt am Sonntag“ hatte bei 16 Bundesbehörden und 14 Städten nachgefragt.

Nicht alles ist online möglich

Doch der Anteil der Heimarbeits-Plätze alleine hat nur begrenzte Aussagekraft – es geht auch darum, wie die Mitarbeiter zu Hause arbeiten können. Aus verschiedenen Kommunen wird berichtet, dass sie zu Hause nicht auf ihre dienstlichen E-Mails zurückgreifen könnten. In Marl ist das offenbar anders: „Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Home Office haben denselben Zugriff auf die digitale Datenstruktur wie an ihren Arbeitsplätzen“, schreibt der Stadt-Sprecher. Dass Home Office möglich ist, heißt freilich noch nicht in jeden Fall, dass die Mitarbeiter tatsächlich auch von daheim arbeiten – auch wenn das Marler Stadtverwaltungs-Personal, das über einen Heim-Arbeitsplatz verfügt, zur Kontaktvermeidung gehalten ist, das „so weit wie möglich“ zu nutzen. Stadt-Sprecher Kohl macht jedoch deutlich: „Wie viele Bedienstete davon arbeitstäglich Gebrauch machen, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. So können Termine, etwa für Baustellenbesichtigungen oder andere unaufschiebbare Anlässe wie Leistung von Unterschriften die (vorübergehende) Anwesenheit vor Ort bzw. im Büro erforderlich machen.“ Das ist denn auch Kohls Antwort auf die Frage, ob eine höhere Heimarbeits-Quote an fehlender beziehungsweise nicht rechtzeitig beschaffter IT-Technik scheitert, wie es für viele andere Behörden in Deutschland berichtet wird: „Eine bessere technische Hardware-Ausstattung des Homeoffice-Arbeitsplatzes würde nicht automatisch dazu führen, dass mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Möglichkeit zum Arbeiten im Home Office nutzen würden.“

PC-Arbeitsplatz in der Kita kann nicht verlegt werden

Hinzu kommt eines: Nicht jeder, der an seinem Arbeitsplatz einen PC hat, ist damit auch ein klassischer Innendienst-Mitarbeiter, dessen Job sich im Grundsatz ohne Weiteres auch von daheim aus bewältigen ließe: „Nicht alle PC-Arbeitsplätze eignen auch für das Home Office“, erklärt der Stadt-Sprecher – und nennt als Beispiel Computer-Arbeitsplätze in den städtischen Kitas, in denen die Vor-Ort-Betreuung der Kinder erforderlich ist. Und auch dies gehört zur Wahrheit: Nicht alle städtischen Bediensteten verfügten „über geeignete technische und räumliche Voraussetzungen“ fürs Arbeiten von zu Hause.Ein bestimmter Standard dafür werde nicht vorgegeben. Auch könne es sein, dass ein „geeignetes persönliches bzw. familiäres Umfeld im Home Office nicht gegeben ist“.

Der Druck ist groß

Der Druck auf die öffentliche Verwaltung in Sachen Home Office ist jedenfalls groß: Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Rainer Dulger, sagt: „Wer von den Privaten fordert, muss auch selbst Vorbild sein.“ Ähnlich äußern sich Gewerkschaften und der Bundesarbeitsminister.

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