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Mit vereinten Kräften errichten die Landwirte das grüne Kreuz auf dem Acker Recklinghäuser/Hertener Straße.

"Keine sichere Zukunftsperspektive"

Bauern in Marl protestieren mit grünem Kreuz gegen Auflagen der Politik

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Den Landwirten reicht’s. Viele sehen ihre Betriebe in der Existenz bedroht - auch in Marl. Mit grünen Kreuzen auf ihren Äckern machen sie auf ihre Lage aufmerksam. Wenn sich nichts ändert, werden viele Höfe sterben, lautet ihre Botschaft.

Am Samstagvormittag setzen auch die Marler Landwirte ein deutliches Zeichen, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Auf dem Acker von Thomas Küper an der Kreuzung Recklinghäuser und Hertener Straße, schräg gegenüber des Globus Baumarktes, errichteten rund 40 Landwirte und ihre Familien ein großes grünes Holzkreuz, auf dessen Querbalken zwei Grablampen brennen. Es ist das zweite grüne Kreuz in Marl, eins steht bereits an der Hervester Straße.

„Bundesweit stehen inzwischen über 10.000 solcher Kreuze auf den Äckern und Wiesen“, sagt Ortslandwirt Hubert Franzen. Es sind die immer weiter steigenden Anforderungen und Regelungen, insbesondere von Gesetzgeberseite, die den Landwirten zu schaffen machen. „Die Bundesumwelt- und die Landwirtschaftsministerin haben ein Agrarpaket auf den Weg gebracht, dass viele von uns wirtschaftlich nicht überleben werden“, sagt Hubert Franzen. 

Er nennt das Beispiel der geforderten Siloplatten, die die bisherigen Betonplatten bei der Silolagerung ersetzen sollen. „Solche Platten kosten 80 bis 100 Euro pro Quadratmeter. Da kommen schnell Kosten von weit über 100.000 Euro zusammen“, sagt Hermann-Josef Boermann, und Andreas Franz ergänzt: „Bei mir würden sich die Kosten auf 250.000 Euro belaufen. Und das Ganze ist nur für zehn Jahre abgenommen.“ 

„Die Situation ist inzwischen so, dass viele Eltern ihren Kindern, die vielleicht den Hof übernehmen wollen, davon abraten, weil sie in der Landwirtschaft keine sichere Zukunftsperspektive mehr sehen“, sagt Hubert Franzen. Die Politik behaupte immer, die regionale Landwirtschaft erhalten und stärken zu wollen, handele aber so, dass sie sie zerstöre. „Wenn wir alle geplanten Auflagen erfüllen wollen, dann verursacht das hohe Kosten, dafür bräuchten wir höhere Preise“, so Hubert Franzen „Die gibt es aber nicht. Im Gegenteil: Mit den lateinamerikanischen Staaten werden Freihandelsabkommen geschlossen, es wird billiges Rindfleisch importiert, das unter tierunwürdigen Bedingungen in riesigen industriellen Betrieben erzeugt wird, und den deutschen Markt überschwemmt, nur damit dann dort deutsche Autos preiswert verkauft werden können. Das passt alles vorne und hinten nicht zusammen.“ 

Die Landwirte fordern, dass endlich wieder ihre Interessen gehört werden und mehr Sachkompetenz in die Entscheidungen einfließt. Wenn Höfe aufgeben, werde das Land verkauft oder verpachtet, Großbetriebe würden die Flächen übernehmen und Monokulturen in großem Stil anbauen. Das kann nicht das Ziel einer vernünftigen Umwelt- und Landwirtschaftspolitik sein, da sind sich die Bauern einig. Deshalb waren einige auch mit ihren Traktoren bei der großen Bauerndemo in der vergangenen Woche in Bonn.

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