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Ein großer Moment für Marl: Im Jahre 1905 lässt sich die Abteufmannschaft von Schacht 2 der Zeche Auguste Victoria zur Erinnerung an den großen Tag fotografieren.

Bergwerk Auguste Victoria schließt Ende 2015

Ein Unikat unter den Zechen

Marl - Die letzte Lore ist noch gar nicht gerollt und schon ist das Bergwerk Auguste Victoria in Marl Geschichte – und zwar ein wichtiges Stück Wirtschafts- und Regionalgeschichte des Ruhrgebietes. Denn „AV“, wie die Kumpel das Bergwerk nur nennen, ist in vielerlei Hinsicht ein Unikat im einst so zechenreichen Revier. Der Historiker Gunnar Gawehn hat das im neuen Buch zur Geschichte von AV detailliert dargestellt.

Lange gehörte die 1899 gegründete Gewerkschaft und Zeche Auguste Viktoria nämlich nicht zur Ruhrkohle AG, sondern stand in enger Verbindung zur chemischen Industrie. Sie gehörte einst BASF, Bayer und Agfa, dann zur IG Farben, dann wieder der BASF. Das Marler Bergwerk gab die Initialzündung zur Gründung der Buna-Werke, der Chemischen Werke Hüls, aus denen der heutige Chemiepark Marl hervorging. AV war zudem die einzige Zeche im Revier, die nicht nur Kohle, sondern zeitweise Blei- und Zinkerze sowie ganz kurz während des Zweiten Weltkrieges sogar mal Silber gefördert hatte. „Und AV ist wohl die einzige Zeche in Deutschland gewesen, die einen Nobelpreisträger im Vorstand gehabt hat“, berichtet der Wirtschafts- und Sozialhistoriker Dr. Gunnar Gawehn. Chemiker und Nobelpreisträger Carl Bosch von Mitbesitzerin BASF saß mit dem nicht minder bekannten Carl Duisberg von der Bayer AG im Vorstand von AV, wie der Historiker berichtet.

Dieser AV-Sonderstellung im Ruhrbergbau verdanken heutige Historiker auch die einmalige Arbeitsgrundlage: 200 laufende Regalmeter Archivmaterialien und über 230 000 Fotografien. „Das ist das umfassendste und vollständigste Archiv eines Bergwerks in Deutschland“, sagt Dr. Michael Farrenkopf, Leiter des Montanhistorischen Dokumentationszentrums (montan.dok) beim Deutschen Bergbaumuseum in Bochum.

Dort lagert das AV-Archiv bereits zum größten Teil. Und dort hat sich Dr. Gunnar Gawehn im Auftrag der RAG und des montan.dok mit Unterstützung des AV-Lenkungskreises durch den riesigen Archivbestand aus Marl gewühlt. Unterstützt haben ihn aktive und pensionierte Fachleute aus dem Montanbereich. An der Spitze der heutige AV-Bergwerksdirektor Jürgen Kroker. „Es ist äußerst spannend zu sehen, wie die Region erst durch das Bergwerk entstanden ist. Erst kamen ja durch den Bergbau die Menschen und dann entstand die Stadt Marl“, erklärt Kroker. Jetzt gehe nach 110 Jahren Kohleförderung die Geschichte von AV zu Ende“, bedauert der Leiter des Bergwerks. „Wir setzten damit den politischen Willen zum Ausstieg aus der Steinkohlenförderung um.“ In 14 Tagen würde auf AV die letzte Kohle gefördert werden, kündigt er an. Die Abschiedsfeier von der Kohle in Marl findet dann am 18. Dezember statt.

Damit diese einmalige Geschichte eines Bergwerks nicht in Vergessenheit gerät, hat die RAG zusammen mit der montan.dok dieses Buchprojekt gestartet. Bereits zu den inzwischen geschlossenen Bergwerken West und Walsum sind Bücher ihrer Geschichte erschienen und erfreuten sich großer Nachfrage, berichtet Dr. Michael Farrenkopf. Das Buch über die Zeche Walsum erfährt schon die zweite Auflage.

Auf 409 Seiten und mit über 260 Abbildungen ist jetzt die AV-Geschichte erschienen. Für Wissenschaftler und Bergbau-Fans gleichermaßen soll es eine Fundgrube für Geschichten rund um AV sein. Wie Farrenkopf ankündigt, sind auch für die letzten zwei bis 2018 fördernden Bergwerke Prosper-Haniel und Ibbenbüren ebensolche Bücher geplant.

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