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Um eine gefährliche Attacke am Bahnhof Sinsen ging es jetzt am Amtsgericht.

Wie das Schöffengericht urteilte

Bewährungsstrafe für Brüder aus Marl - trotz gefährlicher Tritte und Schläge

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Zwei Brüder aus Marl hatten in Sinsen einen Marler türkischer Abstammung mit Tritten und Schlägen schwer verletzt. Um eine Haftstrafe kamen sie gerade noch herum. Wir erklären, weshalb.

Wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung von Beamten wurden die Brüder (33 und 31) zu Bewährungsstrafen von einem Jahr und acht bzw. einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Das hatte auch der Staatsanwalt gefordert. 

Spät abends, am 3. November 2018, war der ältere Bruder auf dem Heimweg von einer Feier betrunken und unter Einfluss von Cannabis ausgerastet. In Nähe des Bahnhofs Sinsen beschimpfte er einen Handwerker türkischer Abstammung (40) als „Scheiß-Syrer“ und schlug ihm laut Anklage auf den Kopf. 

Nachbarn schritten ein

Mehrmals schlug er mit seinem Bruder auf den Handwerker ein. Als der am Boden lag, wurde er in den Bauch getreten. Nachbarn schritten ein, die Polizei wurde gerufen.

Später hielten Polizisten die Brüder in der Nähe an. Der 33-Jährige beleidigte einen Beamten und bedrohte ihn der Anklage zufolge mit erhobener Faust: „Ich werde euch töten und töten lassen, dein Gesicht merke ich mir ...“ Respektlosigkeit, Widerstand, ja sogar Gewalt gegen Polizeibeamte nehmen in der Region immer mehr zu.

Staatsanwalt akzeptiert Notwehr-Variante nicht

Vor Gericht versuchten die Brüder zunächst, ihr Opfer als Angreifer darzustellen. Sie verwiesen darauf, dass der jüngere Bruder nach den Schlägen einen gebrochenen Finger hatte. Doch die Notwehr-Variante widersprach den Aussagen des Opfers und weiterer Zeugen. Staatsanwalt Eberhard Buschmann zweifelte nicht daran, dass der Handwerker lediglich versucht habe, sich zu schützen. Er werde eine mehrjährige Haftstrafe beantragen, wenn die Brüder bei ihrer Aussage blieben. 

Auf den guten Rat ihrer Anwälte Dr. Norbert Drees und Andreas Lechtenböhmer hin akzeptierten sie die Anklage letztlich, entschuldigten sich bei ihrem Opfer und den Polizisten.

Zehn Tage im Krankenhaus

Burkhard Benecken, Anwalt des Geschädigten, betonte, dass die Täter seinem Mandanten noch gegen den Kopf getreten hätten, als er wehrlos am Boden gelegen habe. Der 40-Jährige verbrachte zehn Tage im Krankenhaus, hatte schwere Verletzungen im Gesicht. Wegen Schmerzen an Kopf, Brust und Arm wurde er einen Monat behandelt. Seinen kleinen Handwerksbetrieb musste er schließen, weil er nicht arbeiten konnte. 

Das Schöffengericht am Amtsgericht Marl machte deutlich, wie lebensgefährlich die Tritte gegen den Kopf waren. Es zeigte sich nicht von der „Reue“ der Angeklagten überzeugt. Richterin Sabrina Martin Lopez: „Ich habe vor Gericht schon enthusiastischere Entschuldigungen gehört.“

Opfer aus Marl erhält Schmerzensgeld

Für die Angeklagten sprach, dass sie nicht, bzw. nicht einschlägig vorbestraft sind und eine günstige Sozialprognose hätten. Mit Bauchschmerzen rang das Gericht sich zu einer Bewährungsstrafe durch. Sie hilft dem Opfer möglicherweise mehr: Die Täter müssen nun je 1000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Burkhard Benecken will für seinen Mandanten einen Zivilprozess austragen und weitere 25.000 Euro Schmerzensgeld durchsetzen.

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