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An der Einfahrt zum Parkplatz an der Schillerstraße weist ein großes Schild auf die neuen Regeln hin. Wer hier parkt, soll dem Eigentümer dafür 30 Euro überweisen.

Schilder sorgen für Aufregung

Achtung, Autofahrer: Auf diesem Marler Parkplatz kann es jetzt richtig teuer werden

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Der Eigentümer eines Geländes in Marl verlangt 30 Euro Gebühr - für jeden Parkvorgang.

In Brassert kann der kurze Einkauf im Supermarkt jetzt teuer werden: 30 Euro Parkgebühr werden bei Benutzung eines Parkplatzes an der Schillerstraße fällig. Die Idee dazu hatte der Eigentümer: Seit Ende Oktober stehen dort mehrere doppelseitige Schilder. Sie weisen die Autofahrer darauf hin, dass es sich um einen „Privatparkplatz mit besonderen Nutzungsbedingungen“ handelt. Gebührenfrei parken dürfen dort laut Schildauskunft nur Stellplatzmieter der Häuser Schillerstraße 85, 85a und 87.

40 Zeilen Kleingedrucktes

Wer aber nicht zu diesem Stellplatzmieterkreis gehört, erkläre sich durch das Abstellen seines Autos auf einem der restlichen Stellplätze automatisch mit den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) einverstanden. Die AGB verteilen sich auf der Rückseite über 40 Zeilen. 

Rewe-Filialleiter Denny Lotz findet die Schilder nicht gut. Viele seiner Kunden sind dadurch verunsichert.

Marler Eigentümer verlangt Überweisung

In vier Paragrafen, die sich übrigens nur auf diese AGB, nicht aber auf ein staatliches Gesetz beziehen, wird in Juristendeutsch noch mal ausführlicher erklärt, was Sache ist: Wer kein Mieter der oben genannten Hausnummern ist und keinen speziellen Mietvertrag mit dem Eigentümer hat, soll für jeden Parkvorgang spätestens nach drei Werktagen 30 Euro überweisen. Die dafür zu benutzende Bankverbindung steht gleich mit in den AGB – und zwar in der fettesten Schrift des gesamten Textes.

Wer nicht zahlt, zahlt drauf

Wer nicht bezahlt, der muss mit weiteren Kosten rechnen, sogar mit der Übergabe der Angelegenheit an ein Inkassounternehmen wird gedroht. An den 30 Euro kommt scheinbar niemand vorbei. Auch die Verwendung einer Parkscheibe oder die Absicht eines Besuchs in den angrenzenden Geschäften (Rewe, Bäckerei Gatenbröcker, Anwaltskanzlei Petra Werner) werden auf den Schildern nicht als Option angegeben.

Eigentümer möchte anonym bleiben

Ebenfalls nicht angegeben ist der Name des Eigentümers. Stattdessen findet man die Telefonnummer der Hausverwaltung. Wir rufen an und fragen nach, warum die Schilder aufgestellt wurden. Begrüßt werden wir von Diplom-Jurist Philip Neumann. Unseren Anruf hat er offenbar schon erwartet, was wir aus seiner Verwunderung entnehmen, dass die Marler Zeitung sich erst jetzt meldet.

Maßnahme soll Marler Mieter schützen

Philip Neumann arbeitet für die „yourCurator Hausverwaltung GmbH“ und erklärt, dass die Maßnahme legal sei und dem Schutz der Mieter diene. Deren Parkplätze sollen nicht zugeparkt werden. Wer einen Parkplatz mieten möchte, kann sich bei Bedarf an den Eigentümer wenden. Dessen Namen nennt uns Philip Neumann auf Nachfrage nicht.

Marl: 150 Euro für 4 x parken

Zu den Mietern gehört unter anderem die Stadtbäckerei Gatenbröcker, die bisher zwei Parkplätze angemietet hat. Die reichen für das Personal aber nicht aus. Die Bäckerei- Mitarbeiter sehen die aktuelle Situation kritisch. „Zwei Kolleginnen erhielten bereits Rechnungen per Post. Eine belief sich für vier mal parken mit Gebühren auf knapp 150 Euro“, sagt die Auszubildende Alicia Lindnau: „Wir merken außerdem, dass Kunden wegbleiben.“ Auch einige Kunden seien bereits um die 30 Euro gebeten worden.

"Nacht- und Nebelaktion" in Marl

Der schlechten Stimmung beim Bäcker schließt sich die Rechtsanwaltsfachangestellte Michaela Dünnwald von der Kanzlei Werner an: „Das ist katastrophal“, sagt sie. Für Rewe-Filialleiter Denny Lotz war das Aufstellen der Schilder „eine Nacht- und Nebelaktion, über die wir nicht informiert wurden.“ Eine Putzkraft seines Ladens soll 150 Euro zahlen, dazu sind viele Kunden verunsichert und verärgert.

Stadt Marl hat damit nichts zu tun

Im Fall von Rewe weist Philip Neumann von der Hausverwaltung darauf hin, dass die Kunden an der Heinrich-Heine-Straße parken können. Die Stadt Marl hat mit dem Parkplatz übrigens nichts zu tun, erklärt Pressesprecher Daniel Rustemeyer: „Das ist Privatbesitz. Was der Eigentümer darauf macht, ist seine Angelegenheit.“ Um die 30-Euro-Gebühr zu vermeiden, bleibt Autofahrern bis auf Weiteres wohl nur eine Maßnahme: woanders parken.

Zuletzt sorgte in Waltrop ein ähnlicher Fall auf einem Woolworth-Parkplatz für Aufsehen.

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