Personal mit Pistole und Messer bedroht

Jugendliche Supermarkt-Räuber müssen ins Gefängnis

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MARL. - Wegen einer Serie von Überfällen auf Supermärkte und Tankstellen wurden ein 17-jähriger und ein 16-jähriger Marler am heutigen Freitag vom Jugendschöffengericht zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Ihr 21-jähriger Kumpel, der in acht Fällen Schmiere gestanden hatte, kam mit einer Bewährungsstrafe davon.

Der heute 17-jährige Haupttäter hatte während des Prozesses vierzehn Straftaten zwischen Juni 2014 und September 2015 gestanden. Drei davon waren ursprünglich gar nicht angeklagt. Dreimal überfiel er den Super- und Getränkemarkt in der Breddenkampstraße, viermal den Minimarkt in der Barkhausstraße. Auch die Lotto-Annahmestelle in der Loestraße und eine Tankstelle an der Brassertstraße waren Ziel seiner Raubzüge.

Angestellte und Kassierer wurden mehrmals mit Schusswaffen bedroht. Nach Darstellung der Angeklagten soll es eine Softair-Pistole gewesen sein, sie sieht einer Beretta, bekannt aus amerikanischen Actionfilmen, täuschend ähnlich. Die jungen Männer erbeuteten Bargeld, Geldkassetten, Zigaretten. Ihre Gesichter hatten sie hinter Strickmützen mit Sehschlitzen oder Panda-Masken versteckt.

Der finanzielle Schaden bei ihren Raubzügen – tausende Euro – wiegt aus Sicht des Gerichts weniger schwer als die seelische Belastung der Opfer. Sie wurden bedroht („Ich werde schießen“) und bangten um ihr Leben – in der Angst, dass eine scharfe Waffe auf sie gerichtet war.

Mitarbeiter mussten sich auf Boden legen

Wegen eines schweren Raubs am 20. Oktober 2015 waren die beiden Jugendlichen bereits zu Bewährungsstrafen verurteilt worden: Maskiert, bewaffnet mit einer Pistole und einem großen Küchenmesser und unterstützt von einem Komplizen, hatten sie den Supermarkt an der Breddenkampstraße überfallen. Sie zwangen die Mitarbeiter, sich auf den Boden zu legen. Die Geldkassetten aus dem Tresor packten sie in einen Rucksack, erbeuteten 13 000 Euro. Beide Täter waren zu dieser Zeit erst 16 Jahre alt, der Jüngere hatte seine kriminelle Karriere mit 14 Jahren begonnen.

Alle anderen Überfälle, die verhandelt wurden, begingen die jungen Marler noch vor dem schweren Raub vom 20. Oktober. Obwohl sie ihre Taten gestanden, kamen für das Jugendschöffengericht und die Staatsanwaltschaft keine Bewährungsstrafen mehr infrage. Wären die Angeklagten erwachsen, hätten sie mit mindestens fünf Jahren Haft rechnen müssen, betonte Richterin Britta Jungclaus.

Der 17-jährige Haupttäter hatte mit den Überfällen seinen Cannabis-Konsum finanziert. Mit zwölf Jahren hatte er angefangen, Haschisch zu rauchen. Seine Eltern hatten sich getrennt, wegen zahlreicher Umzüge hatte er nie die Chance, einen festen Freundeskreis aufzubauen, sagte sein Verteidiger Tim F. Schubert.

Verteidiger denkt über Revision nach

Gegen den Hauptangeklagten verhängte das Jugendschöffengericht eine Gesamthaftstrafe von drei Jahren und neun Monaten wegen schwerer räuberischer Erpressung in elf Fällen, Diebstahls und eines Wohnungseinbruchs. Der 16-Jährige muss wegen schwerer räuberischer Erpressung in vier Fällen und Einbruchs für zwei Jahre und sechs Monate in Haft. Beide jungen Männer saßen in Untersuchungshaft, sie wird angerechnet.

Der 21-jährige Mittäter, der in acht Fällen Schmiere stand, wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt, die Bewährungsfrist beträgt zwei Jahre. Er hat eine vierjährige Tochter und eine gute Berufsperspektive als Einzelhandelskaufmann. Das Gericht wendete in seinem Fall Jugendstrafrecht an.

Es blieb unter dem Strafmaß, das Staatsanwalt Volker Busse gefordert hatte. Im Fall des 16-Jährigen hielt er sogar vier Jahre Haft für angemessen. Verteidiger Frank Palkovits hatte eine Bewährungsstrafe gefordert und erwägt nun, in Revision zu gehen.

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