Bürger reagieren aufgebracht

Fracking macht etlichen Sinsenern Angst

SINSEN - „Zu früh für Berufstätige“ schimpften manche schon am Eingang. Gekommen waren sie doch, auch etliche Berufstätige. Weil ihnen das Thema einfach zu wichtig war, hatten sie es irgendwie möglich gemacht, die 17-Uhr-Veranstaltung der CDU Sinsen zu besuchen. „Fracking“ war das Thema, und das machte etliche Leute im Saal wütend – so wütend, dass sie schimpfend den Saal verließen.

Dabei waren es keineswegs nur die großen Energie-Konzerne, die in Abwesenheit mit scharfer Kritik bedacht wurden für ihre Absicht, aus den Tiefen des Bodens mit hochbrisanten Methoden Gas zu gewinnen. Auch die Veranstalter wurden zur Zielscheibe der Wut – zumindest einer von ihnen. Der Sinsener Ex-Ratsherr Wilhelm Schütte-Nüttgen sorgte für aufgebrachte Reaktionen mit seiner Feststellung, Sinsen sei mit größter Wahrscheinlichkeit nicht betroffen. Außerdem finde in den alten Grubengebäuden unter Tage durch die Nutzung von Grubengas „seit langer Zeit eine Art Fracking statt.“ Scharfer Kommentar eines Besuchers: Dabei würden aber nicht Tonnen von Giftstoffen in den Untergrund gepumpt. Dass dies keine Übertreibung ist, hatte zuvor der Referent des Tages klargestellt. Ulrich Peterwitz, Geologe und bei Gelsenwasser Leiter der Wasserwirtschaft und des Umweltmanagements, referierte. Dass etwa, wie in den USA schon dokumentiert, später aus Wasserhähnen auch Gas entweicht und in Flammen aufgeht, erschreckte viele. Bis zu sechs Bohrlöcher pro Quadratkilometer sind laut Peterwitz beim Fracking üblich, in jedes würden rund 50 Tonnen giftige Chemikalien (Quecksilber und Benzol, sogar Diesel) gepumpt. All diese Stoffe tauchten wieder an der Oberfläche auf, die Entsorgung des Frackwassers sei praktisch ungeklärt. Selbst Gasaustritte an der Oberfläche seien denkbar. Und und... Die Gelsenwasser-Experten fürchten auch schwere Auswirkungen auf das Grundwasser. Mehrere Zuhörer waren all dieser Details schnell überdrüssig. Eine Frage wollten sie beantwortet haben: „Was können wir dagegen tun?“ Peterwitz verwies auf einen Umdenkungsprozess, der im NRW-Umweltministerium offenbar schon eingesetzt habe: „Ich glaube, wir sind schon auf einem guten Weg.“

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