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200 Feuerwehrkräfte waren bei den Löscharbeiten im Einsatz.

SPD will Genehmigung der Alba-Anlage überprüfen

Millionenschaden nach Brand im Chemiepark Marl

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Marl - Nach dem Brand im Chemiepark wird die Müllsortieranlage der Firma Alba Recycling wohl bis zum Sommer nicht mehr betrieben werden können. Das Unternehmen geht von einem Schaden in zweistelliger Millionenhöhe aus.

Wie Unternehmenssprecher Henning Krumrey im Gespräch mit unserer Redaktion mitteilte, soll der Brand bereits gegen 22 Uhr ausgebrochen sein. Werksfeuerwehr und Feuerwehr Marl seien bereits nach fünf Minuten zur Stelle gewesen. Die Löscharbeiten zogen sich hin. Erst nach 3 Uhr konnte das Feuer unter Kontrolle gebracht werden. Eine Gefahr für die Anwohner besteht nicht mehr. Eine Brandwache bleibt vor Ort.

Wie es zu dem Brand kommen konnte, ist noch unklar. Die Kriminalpolizei sicherte Spuren in der Anlage. Das Fachkommissariat für Branddelikte ermittelt. Es will noch einen Brandexperten hinzuziehen. Bekanntlich stand die Alba-Anlage in den letzten Monaten wegen Gestanks in der Kritik. Immer wieder hatten sich Anwohner beschwert - auch über eine Fliegenplage.

Die 80 Marler Mitarbeiter der Alba Group dürfen die Sortieranlage für Leichtverpackungsmüll heute nicht betreten. Deshalb ist die genaue Schadenshöhe noch unklar. Am Donnerstag wird sich zunächst der Gutachter der Versicherung den Schaden ansehen. Erst danach darf das Firmenteam wieder in den Komplex. Nur Aufräumarbeiten rund um die Anlage sind heute möglich.

200 Feuerwehrkräfte im Einsatz

Anwohner rund um den Chemiepark wurden zunächst via aufgefordert, wegen des dichten Rauchs Fenster und Türen geschlossen zu halten. Der Rauch zog Richtung Dorsten, war auch dort noch wahrnehmbar. Bei Luftmessungen rund um den Chemiepark stellte der Messzug NRW der Feuerwehr Castrop-Rauxel aber keine Schadstoffe fest.

Nach Angaben des Alba-Sprechers brannte hauptsächlich die Anlage selbst mit den Transportbändern aus Gummi. Kleinere Mengen von Kunststoff-Verpackungen waren vermutlich auch noch in der Anlage. Von dem Feuer unbehelligt blieben das Materiallager und ein Verwaltungsgebäude.

Nach Angaben der Stadt waren 200 Feuerwehrkräfte im Einsatz, darunter die Werksfeuerwehr und alle sechs Löschzüge der Feuerwehr Marl und der freiwilligen Feuerwehren sowie Kräfte aus Gladbeck, Recklinghausen, Haltern, Dorsten und Herne. Unter Atemschutz drangen die Feuerwehrleute in das Gebäude. Ein Mitarbeiter der freiwilligen Feuerwehr aus Marl wurde nach unseren Informationen wegen Erschöpfung kurz ärztlich behandelt. Er konnte das Krankenhaus wieder verlassen.

Kritik in Online-Foren

Über die Warn-App NINA setzte die Feuerwehrleitstelle des Kreises in der Nacht eine Warnmeldung ab. Der Chemiepark und die Stadt Marl hielten die Bevölkerung über Nachrichten bei Twitter und auf ihren Internet-Seiten auf dem aktuellen Stand. Der Chemiepark Marl schaltete außerdem das Nachbarschafts- und Umwelttelefon unter der Rufnummer 49-55 55. Gegen 3.30 Uhr gab es Entwarnung: Der Brand war unter Kontrolle, die Rauchentwicklung gestoppt.

In Online-Foren wurde neben Dankbarkeit und Lob für die Einsatzkräfte auch Kritik laut. Stadt und Feuerwehr hätten Warnungen nicht nur über Apps und Online-Seiten absetzen sollen, sondern auch über Lautsprecherwagen. Nicht jeder habe NINA.

Bürgerdialog geplant

Dazu sagt Stadtsprecher Daniel Rustemeyer, die Stadt Marl habe sich entschlossen, vor offiziellen Messungen die Anwohner nachts nicht unnötig durch Lautsprecherdurchsagen zu beunruhigen. Darüber habe es Einvernehmen mit Chemiepark und Kreisverwaltung gegeben.

Der Chemiepark will die Frage, wie in Störungsfällen gewarnt werden soll, in einem Bürgerdialog aufgreifen. Die Marler sollen dazu noch vor den Sommerferien ins Info-Centrum am Lipper Weg eingeladen werden.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Wenzel nennt es in offenen Briefen an Bezirksregierung und Landrat einen „Skandal“, dass wenige Monate nach Genehmigung der Anlage ein Brand ausgelöst wurde. „SPD-Fraktion drängt auf Aufklärung im Fall des Alba-Brandes“, titelte Wenzel seine Pressemitteilung. Der Vorsitzende des Stadtplanungsausschusses, Jens Vogel (SPD) lud den Leiter der Genehmigungsbehörde zur Sitzung ein: „Das Genehmigungsverfahren gehört nun auf dem Tisch und eine erneute Überprüfung ist zwingend notwendig!“

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