Katze im Tierheim
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Eine kleine Katze im Marler Tierheim

Klarer Trend in Marl

Corona-Lockdown dauert an - da wünschen sich viele ein Haustier

  • Markus Weßling
    vonMarkus Weßling
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In Corona-Zeiten sind menschliche Kontakte bekanntlich eingeschränkt, also steigt der Wunsch nach einem tierischen Gefährten. Auch in Marl ist das deutlich zu beobachten.

Auch Annegret Gellenbeck kann das bestätigen. Die Vorsitzende des Tierschutzvereins Marl/Haltern berichtet, während der ersten Lockdown-Phase im vergangenen Jahr sei das Katzenhaus an der Knappenstraße praktisch leer gewesen. Das habe es so noch nie gegeben, so lange sie zurückblicken könne, sagt sie. Ungefähr um ein Drittel sei die Zahl der Vermittlungen bei den Katzen gestiegen. Dass es bei den Katzen mit der Vermittlung mitunter besser klappt als bei den Hunden, erklärt Annegret Gellenbeck damit, dass Hunde, die im Tierheim landen, oft „verhaltensoriginell“ seien, wie sie es nennt. Und die finden leider auch in Corona-Zeiten nicht so leicht ein neues Zuhause.

Was kommt nach der Zeit im Home Office?

So erfreulich es ist, dass Tiere angesichts des menschlichen Wunsches nach Gesellschaft eine neue Bleibe finden, so sehr ist doch vor zu großer Euphorie zu warnen. Denn irgendwann endet die Pandemie und mit ihr die Zeit im Home Office – und was dann? Ist dann immer noch für das Tier gesorgt? Es gebe jedenfalls kaum etwas Schlimmeres, als dass ein Hund oder eine Katze schon vermittelt worden sei und dann doch wieder zurück ins Tierheim müsse, sagt die Chefin des Tierschutzvereins. Generell haben die Tierheim-Mitarbeiter ein Auge darauf, ob das zu vermittelnde Tier bei den potenziellen neuen Besitzern auch ein gutes neues Zuhause findet. „Wir besuchen die Leute, führen viele Beratungsgespräche.“

Kein Boom bei Hunde-Anmeldungen

Die „Welt am Sonntag“ berichtet, den Trend zu mehr Haustieren könne man auch an den städtischen Anmeldestatistiken ablesen. So sei etwa bei der Stadt Bochum die Zahl der angemeldeten Hunde von April bis August um das Dreifache gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Für Marl kann Stadtsprecher Rainer Kohl diese Entwicklung freilich nicht bestätigen: Dort sei die Zahl der angemeldeten Hunde im Jahresverlauf mit etwa konstant geblieben – von April bis Dezember lag die Zahl bei etwa 5400.

Manchmal passt das Tier nicht zur Lebenssituation

Alles andere als konstant geblieben, sondern massiv gestiegen ist die Zahl der Neukunden in der Tierarzt-Praxis von Dr. Christoph Olivier an der Carl-Duisberg-Straße. Diese Beobachtung des Tierarztes bestätigt Mitarbeiterin Lina Scherrinsky, die die Leute an der Anmeldung sieht – viele, die zum ersten Mal ein Haustier haben oder sich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder eines zugelegt haben. Der Beratungsbedarf sei riesig, und in manchen Fällen sei leider auch festzustellen, dass die Leute sich ein Tier zugelegt hätten, das gar nicht zu ihrer Lebenssituation passe.

Auch beim Tierarzt viele „Neukunden“

In der Tierarzt-Praxis ist man auch nah an den Züchtern dran und weiß daher, dass sie mitunter sogar von Interessenten beschimpft werden, wenn sie aktuell keine Tiere zum Kauf anbieten können. Der Tierhandel sei momentan „die reinste „Gelddruckmaschine“, sagt Lina Scherrinsky. Auch der illegale Markt boomt: Mitunter wird den Haltern erst beim Tierarzt klargemacht, dass die schriftlichen Unterlagen gar nicht zum Tier passen.

Ähnlich wie beim Tierheim gibt es auch beim Tierarzt generell die Sorge, was wohl aus all den Geschöpfen wird, wenn Corona und die damit einhergehende Home Office-Zeit wieder vorbei ist.

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