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Demokratie macht Spaß: Die Klassensprecherinnen und -sprecher der Martin-Buber-Schule an der Emslandstraße in Drewer helfen mit, dass ihre Schule lebenswert bleibt.

Klassensprecherkonferenz

Die Meinung der Kinder ist gefragt

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Die Klassensprecherkonferenz der Martin-Buber-Schule entscheidet mit, was für die Schülerinnen und Schüler wichtig ist. Zum Beispiel auch ein Zebrastreifen auf dem Creiler Platz.

Ein Protokoll – was ist das eigentlich? Und was heißt, wir brauchen einen Beschluss? Zu Beginn der Klassensprecherkonferenz fasst Schulsozialarbeiterin Michelle Diedrichs das für alle noch einmal kurz zusammen. 16 Mädchen und Jungen treffen sich regelmäßig mit ihr und dem kommissarischen Leiter der Martin-Buber-Schule Markus Walter, um über alle möglichen Themen aus dem Schulalltag zu sprechen. 

Kinder haben laut UN-Kinderrechtskonvention das Recht auf Mitbestimmung und freie Meinungsäußerung. Wie das auch mit jungen Kindern im Alltag funktionieren kann, zeigt das Modell der Martin-Buber-Schule in Drewer. Für Entscheidungen müssen die Erst- bis Viertklässler in der Konferenz Mehrheiten finden. Und sie übernehmen Verantwortung dafür, dass die Beschlüsse auch eingehalten werden. Die acht Kinder in der Runde vertreten als Klassensprecher die Interessen aller Schülerinnen und Schüler.

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Marler Schüler entscheiden

Gekommen sind aus der 1a Charlie und Liam, aus der 1b Evelyn und Melissa, aus der 2a Pia und Marvin und aus der 2b Hozhiator und Milena. Die 3a wird von Ebu und Liljana vertreten, für die 3b sind Marianna und Tunay stimmberechtigt. Aus der 4a sind Finn und Ghena da, die 4b ist mit Dzaneta und Mehemet Robin dabei. 

Auf jedem Stuhl liegt eine Tagesordnung. Erstklässlerin Evelyn studiert sie aufmerksam. „Ihr entscheidet bei allen Punkten, ob ihr dafür oder dagegen seid“, erklärt Michelle Diedrichs. Aber zunächst wird berichtet, ob alle Beschlüsse aus der vergangenen Sitzung auch umgesetzt worden sind. 

Das Karussell geht wieder wie geschmiert 

Das Karussell auf dem Schulhof geht wieder wie geschmiert. Dafür hat der Hausmeister nach der letzten Klassensprecherkonferenz im Auftrag der Kinder gesorgt. Beim Thema Müll wird heiß diskutiert. „Wir haben ein Plakat gemalt, damit jeder weiß, der Müll soll nicht auf den Boden, sondern in den Abfalleimer geworfen werden!“, sagt Ghena. 

Aber die Aktion der Schüler hat aus zwei Gründen nur bedingt Erfolg. Erstens wird der Schulhof nach Schulschluss auch von Jugendlichen genutzt. Zweitens sieht man häufig auch, dass Vögel die Essensreste aus den Körben picken. „Vielleicht kann man Deckel auf die Mülleimer machen“, schlägt Dzaneta vor. Das Thema wird in die Klassenräte verwiesen, die für ihre Klasse einen Mülldienst organisieren.

"Toilettenvertrag" wird unterschrieben  

Die Kinder fühlen sich zuständig dafür, dass es an ihrer Schule geordnet zugeht. Das wird beim Thema „Schultoiletten“ deutlich. Gerade hat die Stadt Marl eine der beiden Sanitäranlagen saniert. Leider sind einzelne Schülerinnen wenig sorgsam mit der neuen Mädchentoilette umgegangen. Eine Toilettenbrille ist kaputt, es gibt weitere unangenehme Vorkommnisse. 

„Alle Kinder haben unterschrieben, dass die Toiletten ordentlich bleiben“, erinnert Sozialarbeiterin Michelle Diedrichs. „Jedes Kind soll gerne zur Toilette gehen“, ergänzt Schulleiter Markus Walter. Die Klassensprechervertreter stimmen zu, in ihrem Klassen noch einmal an den „Toilettenvertrag“ zu erinnern. Die Kinder wählen an diesem Tag auch zwei Vertreter, die von jetzt an befugt sind, im Namen aller Kinder der Schule zu sprechen, wenn schnelle Entscheidungen anstehen. Robin stellt sich als einziger Junge zur Wahl. Marianna gewinnt die Abstimmung bei den Mädchen. Die beiden strahlen voller Stolz, dass sie diese Aufgabe übernehmen dürfen. 

Kinder schreiben Brief an Marler Politiker

Es gibt viele Themen, die an diesem Tag auf der Tagesordnung stehen. Ist die Schaukel auf dem Schulhof zu hoch? Warum können keine Netze an den Fußballtoren angebracht werden? Die Kinder wollen ihren Alltag in der Schule mitgestalten. Aber ihr Einsatz endet nicht am Schultor. Nach der Klassensprecherkonferenz haben die neu gewählten Vertreter noch einen Termin bei Schulsozialarbeiterin Michelle Diedrichs. Sie schreiben einen Brief an den Stadtplanungsausschussvorsitzenden Jens Vogel (SPD) mit einer ganz konkreten Bitte: „Heute hatten wir in der Martin-Buber-Schule Klassensprecherkonferenz. Wir haben da besprochen, dass wir uns einen Zebrastreifen auf dem Creiler Platz wünschen.“ Jede Woche macht sich die Türmchen-AG der Schule zu Fuß auf den Weg zur Familienbibliothek. „Selma aus der 1b hat da gesagt, dass es beim Creiler Platz jetzt sehr gefährlich ist, weil da ja jetzt die Autos fahren dürfen“, schreiben die Klassensprecher-Vertreter Marianna und Robin. Jens Vogel hat übrigens nicht nur prompt geantwortet, sondern den Wunsch der Kinder auch mit in den Stadtplanungsausschuss genommen. Er werde den Vorschlag weiter mit der Stadtverwaltung besprechen.

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