Nach dem Umbau

Scharounschule ist zur Begegnungsstätte geworden

  • schließen

MARL - Seit ihrer Sanierung und Wiedereröffnung vor drei Jahren gilt die Scharounschule als architektonisches Glanzstück Marls. Aber ist das neue Kulturzentrum wirklich ein Treffpunkt?

Christian Heppner, Städtebau-Student, hat diese Frage in einer Arbeit für die Technische Universität Dortmund untersucht. Sein Ergebnis: Die Stadt Marl hat ihre Ziele überwiegend erreicht – vor allem in der Bildung: Die Musikschule erreicht fast alle Marler Grundschulen, viele Kinder lernen das Spiel auf einem Instrument. Musikalische Früherziehung findet auch in den Kindergärten statt. Für sozial Benachteiligte und Kinder mit Migrationshintergrund gibt es ebenfalls Angebote. Die Aula der Scharounschule wird von Musikvereinen und -gruppen genutzt, hier werden Konzerte auch mit überregionaler Bedeutung aufgeführt. Veranstaltungen der alternativen Szene fanden aber kaum in der Scharoun-Aula statt. Die Stadt wolle in „Marschall 66“, dem künftigen Kulturzentrum in der ehemaligen Schule an der Kampstraße, eine Kleinkunstbühne schaffen und sich dort stärker der alternativen Szene zuwenden, sagte Bürgermeister Werner Arndt in einer gemeinsamen Sitzung des Kultur- und Schulausschusses. Dort wurde Heppners Arbeit vorgestellt.

Das Ziel, die Scharoun-schule zum Stadtteil Drewer zu öffnen, wurde nicht erreicht, stellte der Student fest. Ein Zaun grenzt den Hof ein. Die Stadt beschäftigt einen Wachschutz, da Einbrecher Musikinstrumente gestohlen haben. „Ich habe nichts gegen die Öffnung des Schulhofs für Nachbarschaftsfeste“, sagt Roswitha Schweinsberg, Leiterin der im Gebäude beheimateten Aloysiusschule. „Aber es ist gut, dass der Schulhof eingezäunt ist. Jugendliche nutzen ihn abends für Trinkgelage und wir haben morgens halb volle Wodkaflaschen gefunden.“

Politiker fast aller Fraktionen zeigten sich von dem sanierten Gebäude überzeugt: „Wir alle spüren, dass dieses Haus lebt“, sagte Ingrid Heinen (SPD). Der Beschluss, die Schule zu sanieren, sei eine gute Entscheidung gewesen. Sie war in der Vergangenheit umstritten: Der Bürgermeister erinnerte daran, dass nicht wenige Politiker in einem Abriss die einzige Lösung sahen. Es habe sogar Verhandlungen gegeben, mit dem Ziel, an gleicher Stelle ein Altenstift zu betreiben.

Landeszuschüsse für den Marler Stadtkern seien in das Projekt geflossen, damit ein Skulpturenpfad die Stadtmitte mit Drewer und der Scharounschule verbinde. Aufgrund der teuren Sanierung fehlte schließlich das Geld für diesen Pfad. Er soll aber noch angelegt werden, kündigte der Bürgermeister an. Ein Anfang seien drei Großskulpturen an der Martin-Buber-Schule, die der Künstler Max Schmitz am Samstag übergab. Glücklich mit der Scharounschule als Standort der Musikschule ist deren Leiter Günter Braunstein: „Ich bin froh, dass sich hier ein Architekt Gedanken gemacht hat über Licht, Farbe und Raum.“ Die Kinder verhielten sich in dem Gebäude weniger aggressiv, meint Braunstein, der die Architektur vieler Schulen mit Kasernen verglich.

Fazit: Aus Sicht der Politik ist die teure Sanierung gelungen. Die Kooperation der Musikschule mit vielen Schulen sei wegweisend für andere Städte, resümierte der Kulturausschuss-Vorsitzende Karl-Heinz Dargel (CDU). Nur ein Problem konnte die Stadt bisher nicht lösen: Weil in der Scharounschule immer etwas los ist, ist sie an nahezu jedem Wochenende zugeparkt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Großeinsatz am Quellberg in Recklinghausen: Polizei findet die Tatwaffe
Großeinsatz am Quellberg in Recklinghausen: Polizei findet die Tatwaffe
Schalke: Trauriger Abschied von einem Kultspieler - ein anderer Ehemaliger jubelt dagegen
Schalke: Trauriger Abschied von einem Kultspieler - ein anderer Ehemaliger jubelt dagegen
Warum ein einfacher Spaziergang in Datteln zum Hausfriedensbruch werden kann
Warum ein einfacher Spaziergang in Datteln zum Hausfriedensbruch werden kann
19-Jähriger tot in seiner Wohnung gefunden - kein Hinweis auf Gewaltverbrechen
19-Jähriger tot in seiner Wohnung gefunden - kein Hinweis auf Gewaltverbrechen
Nächtliche Großrazzia an der Eichendorffstraße -  Ergebnisse liegen jetzt vor
Nächtliche Großrazzia an der Eichendorffstraße -  Ergebnisse liegen jetzt vor

Kommentare