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Die Bahnstrecke zwischen dem Kötterweg und der Bertlicher Straße nach den Schnittarbeiten. Foto: Patrick Köllner

Entlang der S9

Bahn sorgt wieder für Kahlschlag

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MARL - Naturschützer halten Schnittarbeiten an der Bahnstrecke von Haltern nach Essen für gesetzwidrig. Die Deutsche Bahn begründet die Maßnahme mit Verkehrssicherheit.

Volker Julius traute seinen Augen nicht: In der letzten Woche beobachtete der Polsumer im Marler Bereich der Bahnstrecke der S 9 von Haltern nach Essen, wie neben dem Gleisbett ein gründlicher Grünschnitt erfolgte. Arbeiter seien damit beschäftigt gewesen, Sträucher radikal bis auf den Rumpf herunterzuschneiden. Zwischen Kötterweg und Bertlicher Straße ist ein Kahlschlag erfolgt – dieses Bild bietet sich unserer Redaktion vor Ort.

Weil sich der Marler sicher war, dass Arbeiten dieser Art zu dieser Jahreszeit nicht erlaubt sind, rief er die Polizei. Nach deren Eintreffen wurden sie laut Julius tatsächlich kurzfristig eingestellt. Volker Julius: „Wenn diese Arbeiten schon durchgeführt werden müssen, dann bitte im Winter, wenn keine Vögel brüten.“

Das entspräche auch dem in Paragraf 39 des Bundesnaturschutzgesetzes geregelten Verbots, Bäume und Gehölze abzuschneiden, auf den Stock zu setzen oder zu beseitigen. Ausnahmen sind per Gesetz aber Maßnahmen, die im öffentlichen Interesse nicht auf andere Weise oder zu anderer Zeit durchgeführt werden können, wenn sie behördlich zugelassen sind.

Bahn spricht von Verkehrssicherheit

Und was sagt die Deutsche Bahn? Auf unsere Nachfrage teilt das Unternehmen mit, dass es sich bei den Arbeiten an der Bahnstrecke zwischen Haltern und Essen um den jährlichen und zulässigen „Pflegerückschnitt zur Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit“ handelt.

„Dabei geht es unter anderem um die freie Sicht auf die Signalanlagen und den Freischnitt im Bereich von Oberleitungsanlagen und anderen Leit- und Sicherungstechnik-Anlagen“, erklärt ein Bahnsprecher. Rodungsarbeiten, zu denen auch der Rückschnitt inklusive Wurzelentfernung gehören, habe die Bahn nicht durchgeführt.

Nach Meinung von Volker versteckt sich die Deutsche Bahn dagegen hinter dem Argument der Verkehrssicherheit. Er wirft der Unteren Naturschutzbehörde Versagen vor und hat Kontakt mit dem Marler Naturschutzbund (Nabu) aufgenommen. Dessen Sprecher Erwin Gebauer erklärt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Wenn es um Sicherheit geht, können Sondergenehmigungen erteilt werden, um solche Maßnahmen auch in Schutzzonen durchzuführen. Dabei darf man sich aber schon fragen, wie gefährlich eigentlich Sträucher sein können.“

Die Begründungsteht noch aus

Der Nabu hat in dieser Angelegenheit bei der Unteren Naturschutzbehörde nachgefragt, wie die Erlaubnis für solche Maßnahmen begründet wird. „Das betrifft aber nicht nur die Arbeiten an Bahnstrecken, sondern auch die Maßnahme in der Burg in Sinsen, wo Bäume gefällt wurden“, sagt Erwin Gebauer.

In den vergangenen Jahren hat der Grünrückschnitt entlang der Bahnlinie in Marl immer wieder für großen Ärger gesorgt. Vor vier Jahren wurden auf 15 Streckenkilometern entlang der S 9 in einer nicht genehmigten Aktion massenweise Bäume gefällt. Die Bahn hatte auf die Gefahr verwiesen, dass Bäume auf die Gleise stürzen könnten. Auch 35 städtische Bäume fielen der Abholzaktion zum Opfer. Die Bahn musste eine Entschädigung zahlen.

Der Bereich zwischen Kötterweg und Bertlicher Straße soll laut Bahnangaben nochmals vom „zuständigen Serviceleiter überprüft werden.“ Über das Ergebnis der Überprüfung werden wir an dieser Stelle informieren. Ebenso wie über die Antwort der Unteren Naturschutzbehörde auf Erwin Gebauers Anfrage.

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