Feuerwerk
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Feuerwerk im Corona-Jahr - wie wird das aussehen?

Bei Beteiligten nachgefragt

Feuerwerk im Corona-Jahr? Chefarzt hat dazu eine klare Meinung

  • Markus Weßling
    vonMarkus Weßling
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  • Sebastian Schneider
    Sebastian Schneider
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Feuerwerk wird auch im Corona-Jahr nicht grundsätzlich verboten. Doch wie wirkt sich die Entscheidung in Marl und Umgebung aus? Wir haben nachgefragt.

Update 27. November, 19 Uhr: Der Chefarzt für Pneumologie und ärztliche Leiter der Notaufnahme an der Paracelsus-Klinik, Dr. Jens Geiseler, spricht sich aus Mediziner-Perspektive klar für ein Verbot von Silvester-Feuerwerk in diesem Jahr aus. Diese klare Haltung des deutschlandweit angesehenen Fachmanns erreichte unsere Redaktion über die Pressestelle der Klinik. Geiseler führt neben den üblichen Folgen der Silvesternacht – seltener sind es Verbrennungen infolge des Böllerns, häufiger die Konsequenzen zu exzessiven Alkoholkonsums zum Jahreswechsel – auch die Feinstaubbelastung an. Der Rauch und Feinstaub kann nämlich für Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen ein Gesundheitsrisiko darstellen.

Das hatten wir zuvor berichtet:
Das sagt der Feuerwerker: Auch in Marl ist der Hertener René Osterhage mit seiner Firma „Westfälisches Feuerwerk“ bestens bekannt. „Schon vor Corona war klar, dass wir in diesem Jahr einige Feuerwerke nicht durchführen können, weil die Veranstalter die Kritik in den sozialen Medien fürchteten“, sagt er.

Sicherheitsmaßnahmen werden „natürlich akzeptiert“

Doch mit dem Lockdown im März kam alles noch schlimmer: „Wir hätten die Palmkirmes mit einem Feuerwerk eröffnen und beenden sollen, doch daraus wurde ja nichts“, sagt Osterhage. Im Sommer gab es einen leichten Aufwärtstrend mit Feuerwerken auf Hochzeiten, doch der konnte den Einnahmeverlust nicht auffangen. Und so überwiegt nach der Entscheidung der Politik die Erleichterung: „An den drei Tagen vor Silvester machen wir natürlich unser Hauptgeschäft. Da wollen wir die Umsätze erzielen, mit denen wir auch die traditionell ruhigen Monate zu Jahresbeginn überstehen können“, sagt Osterhage, der die Sicherheitsmaßnahmen gegen die Pandemie „natürlich akzeptiert“ .

Das sagt das Krankenhaus: Sonja Kulak, pflegerische Leitung der Zentralen Notaufnahme der Paracelsus-Klinik, hatte zum Jahreswechsel 2019/20 Dienst. Ihre Erfahrung: Es kommen immer mal wieder Menschen, die sich beim Böllern etwa kleine Verbrennungen zugezogen haben. In weitaus mehr Fällen aber haben es Menschen mit dem Alkoholkonsum rund um den Jahreswechsel übertrieben oder Drogen konsumiert – und dieses Verhalten selbst und die Folgen daraus – etwa Unfälle – hält das in Coronazeiten ohnehin gut beschäftigte Personal zusätzlich auf Trab.

Über den Durst getrunken wird wohl ohnehin

Vielleicht, so heißt es aus dem Krankenhaus, werde in diesem Jahr weniger geböllert. Und hoffentlich gebe es keinen Trend zu illegalen Böllern, bei deren Gebrauch Verletzungsfolgen nochmal viel verheerender sein können. Was aber die Alkohol- und Drogen-Fälle angeht: Dr. Afshin Eghbali, Oberarzt in der Unfallchirurgie, glaubt nicht, dass die in diesem Jahr wegen Corona weniger werden. Betrinken könne man sich, ganz regelkonform, schließlich auch im kleinen Kreis.

Das sagt der Tierschutzverein: Annegret Gellenbeck hat die Hoffnung, dass Silvester in diesem Jahr etwas weniger belastend für die Tiere ist. Auch wenn das Knallen nicht verboten ist, werde sich doch vielleicht mancher vor dem Hintergrund von Corona überlegen, ob er nicht lieber dazu auf Distanz geht. Für die Tiere, besonders jene, die sich draußen aufhalten, wär das eine gute Nachricht. „Tiere können die Knallgeräusche ja gar nicht einordnen wie wir Menschen – ein extremer Stress.“ Und der ist in „normalen“ Jahren ja auch nicht auf die Silvesternacht selbst beschränkt.

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