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Bergleute spiegeln sich im Grubenwasser.

Gericht setzt Gutachter ein

Wie gefährlich ist der Grubenwasseranstieg für das Trinkwasser in Marl?

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Wie hoch ist das Risiko beim  Grubenwasseranstieg? Diese Frage wird ein Zivilprozess am Landgericht Bochum beantworten. Die Richter ernannten einen Geotechniker, der die Gefahr für ein Grundstück in Marl feststellen soll.

Unter Tage wurden bis in die 1980er-Jahre hochgiftige, krebserregende PCB als Hydrauliköle eingesetzt, um Brände zu hemmen. Können sie ins Marler Grundwasser gelangen, wenn das Grubenwasser ansteigt und über Zollverein und Dinslaken in den Rhein gepumpt wird? Umweltschützer und Verbände wie der BUND warnen schon lange vor diesem Risiko. 

AV-Nachbar Jürgen Pfeiffer versucht seit zwei Jahren, den Grubenwasseranstieg mit einer Zivilklage zu stoppen. Der Marler will die RAG verpflichten, „alle Maßnahmen zu unterlassen“, durch die Gifte wie PCB auf sein Grundstück am Reiherweg und ins Trinkwasser gelangen können. Unterstützt wird Pfeiffer von der „Marler Bürgerversammlung gegen Verfüllung und Flutung der Zeche Auguste Victoria“. Sie steht der MLPD (Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands) nahe, die über den „Umweltkampf“ ihre Revolution vorantreiben will. 

Verfüllung in Marl hat begonnen

Doch die Klage hat keine aufschiebende Wirkung. Mittlerweile hat die RAG mit derVerfüllung der stillgelegten Zeche Auguste Victoria 3/7 begonnen. Im Mai wurde die Grubenwasserhaltung eingestellt. Dadurch steige das Grubenwasser, erklärt RAG-Sprecher Ulrich Aghte. Der Bergbaukonzern überwache die Verfüllung und werde in Kürze darüber berichten. 

Jürgen Pfeiffers Zivilklage läuft aber weiter. Nun ernannten die Richter einen unabhängigen Gutachter. Der Geotechniker Dr. Roland Rautenstrauch aus Hattingen soll beantworten, ob Pfeiffers Grundstück in Hamm konkret betroffen sein kann. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob und wie Gifte dort ins Grundwasser kommen, wenn die Gruben geflutet werden. 

Ortstermin in Hammer Garten 

Bei einem Ortstermin hat der Geotechniker Jürgen Pfeiffers Garten untersucht. Die Öffentlichkeit schloss er aus. Wie Pfeiffers Anwalt Daniel Kuhlmann im Gespräch unserer Zeitung erklärte, will der Experte die Strömungsrichtung des Grundwassers durch Bohrungen feststellen. Auch Einlaufstellen in Nähe von AV und in Haltern-Lippramsdorf habe der Geotechniker aufgesucht. Einleitungsprotokolle der RAG sollen ebenfalls berücksichtigt werden. Mit Ergebnissen ist am Jahresende zu rechnen. 

Der Bergbaukonzern versichert, dass alle Umweltnormen beim kontrollierten Grubenwasseranstieg eingehalten werden.

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