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Rundgang über die Anlagen der ehemaligen Zeche Auguste Victoria, Schacht 3/7.

Auch Grubenwasseranstieg genehmigt

Rückbau auf AV 3/7 kann beginnen

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MARL - Der Bergbaukonzern RAG kann mit dem Rückbau des Zechengeländes von Auguste Victoria 3/7 in Marl beginnen. Wie vorgesehen kann die RAG dann das Grubenwasser kontrolliert ansteigen lassen und über weitere Standorte in den Rhein leiten.

Das sieht der Abschlussbetriebsplan vor, den die Bergaufsicht jetzt genehmigt hat. In den nächsten sechs Monaten wird die RAG die Grube räumen. Gurtbandanlagen, Lokomotiven, Hängebahnen und Pumpstationen werden über Tage gebracht, verkauft oder verschrottet.

Dann will die RAG die Strecken verfüllen und mit mindestens sechs Meter dicken Betondämmen zubauen. Schacht 7 soll komplett verfüllt werden. In Schacht 3 werden zwei Kunststoffhüllrohre eingebaut (2 x 1,40 Meter Durchmesser), die nicht rosten können und über die man Pumpen in einer Länge von 18 Meter einführen kann. So sichert die RAG einen Reservestandort für die Wasserhaltung, falls andere Standorte nicht funktionieren.

Das Grubenwasser will der Bergbaukonzern auf 600 Meter unter der Tagesoberfläche ansteigen lassen und über die Zechen Zollverein, Prosper Haniel und Lohberg in den Rhein abführen. Weil unter Tage hochgiftige Stoffe wie PCB lagern, warnen Umweltschützer vor dem Anstieg des Grubenwassers. Sie fürchten, dass PCB ins Trinkwasser gelangen können.

Gutachter sehen keine Gefahr

Geologen, die vom Land als Gutachter beauftragt wurden, sagen aber, dass sich der PCB- und Salzgehalt im Grubenwasser durch den kontrollierten Anstieg verringern wird. Schwebteilchen würden sich absetzen, die PCB-Fracht bleibe in unteren Schichten. Trotzdem soll die RAG Verschmutzungen und Bewegungen von PCB durch Schwellen aus Bergematerial und betonähnlichen Baustoffen verringern, erklärt Andreas Noerthen. Durch die Schwellen soll die Strömungsgeschwindigkeit des Grubenwassers verlangsamt werden, sodass Schwebstoffe absinken und in der Grube bleiben.

Nur ein Zivilprozess kann den Grubenwasseranstieg noch stoppen. Aufschiebende Wirkung hat er aber nicht: AV-Nachbar Jürgen Pfeiffer will die RAG verpflichten, „alle Maßnahmen zu unterlassen“, durch die PCB auf sein Grundstück am Reiherweg und ins Trinkwasser gelangen kann. Unterstützt wird er von der „Marler Bürgerversammlung gegen Verfüllung und Flutung der Zeche Auguste Victoria“. Das Landgericht Bochum forderte Pfeiffer auf, seine Klage zu präzisieren. Das hat Pfeiffers Anwalt Daniel Kuhlmann jetzt getan. Die RAG muss dazu noch Stellung nehmen.

Voraussichtlich Ende 2019 soll der Rückbau beendet sein und die Bergaufsicht unter Tage enden. Die RAG Montan Immobilien und die Stadt könnten dann AV 3/7 zum Industriepark gate.ruhr mit 1000 Arbeitsplätzen fertig entwickeln.

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