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Inbetriebnahme der sehbehintertengerechten Aufpflasterung an der FuÃ?gaengerampel Ovelheider Weg / Georg-Herwegh-Strasse in Marl. Foto: Torsten Janfeld 20160727

Für Sehbehinderte und Blinde

Orientierungshilfe an der Ampel

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MARL - Nach den sprechenden Ampeln testet die Stadt Marl nun neue Orientierungshilfen für Blinde und Sehbehinderte an Fußgängerüberwegen. Die neuen Bodenleitindikatoren werden einfach auf den Asphalt geklebt. Am Mittwoch gab es am Ovelheider Weg den ersten Probelauf.

Mit Taststöcken erfühlen Cornelia Tollkamp-Schierjott und Rolf Real mühelos den Weg Richtung Fahrbahn. „Das klappt“, sagt der sehbehinderte Alt-Marler nach mehreren Probeläufen zufrieden. Kunststoffmatten mit schwarzen Noppen oder Rillen auf weißem Grund machen ihm die Orientierung an dieser Stelle leicht.

Marl probiert als erste Kommune in Nordrhein-Westfalen neue Bodenleitsysteme für Blinde und Sehbehinderte aus. „Toll, dass sie diesen Mut haben“, lobt Dr. Cornelia Tollkamp-Schierjott. Die Dattelnerin ist stellvertretende Vorsitzende im Blinden- und Sehbehindertenverein Westfalen.

Neu ist nicht die Idee, Bodenleitsysteme für Sehbehinderte auf Gehwegen und an Fußgängerampeln zu installieren, sondern dass der nachträgliche Einbau so kostengünstig und unkompliziert erfolgen kann. Man muss nicht das Pflaster aufnehmen oder dicke Löcher in den Asphalt reißen, um die Orientierungshilfen einzubauen – und es gibt nicht tagelang Baustellen. Die Matten werden einfach auf den bestehenden Untergrund geklebt.

„1 000 Euro inklusive Mehrkomponentenkleber“ hat die Kombination aus Kunststoffmatten am Ovelheider Weg gekostet, erläutert Peter Liska, Vertriebsleiter der Herstellerfirma Swarco, die bereits die sprechenden Ampeln nach Marl gebracht hat. „Zu zweit haben wir nur drei Stunden gebraucht, um das komplette Bodenleitsystem aufzubringen“, fügt Udo Lutz, Verkehrsplaner der Stadt Marl, hinzu. Nach der Ampel in der Nähe der Martin-Luther-King-Gesamtschule könnten die neuen sogenannten Bodenleitindikatoren auch bei der bevorstehenden Umgestaltung von Bushaltestellen zum Einsatz kommen, ergänzt Verkehrsplaner Udo Lutz. Voraussetzung ist, dass sie in den nächsten Monaten die Testphase überstehen. „Dann können wir sicherlich in Marl einige Haltestellen zusätzlich ausstatten, so Udo Lutz.“ Für den Umbau der Haltestellen hat die Verwaltung 900 000 Euro aus dem Konjunkturpaket III bereitgestellt.

„Ein gutes Signal“, sagt Rolf Real jetzt zur ersten vollständig blindengerechten Fußgängerampel in Marl. Er hofft, dass die Aktion in Hüls-Süd nun weitere nach sich zieht. In Sachen Barrierefreiheit und Behindertenfreundlichkeit zeichne sich Marl bislang vor allem durch „Nachholbedarf“ aus, so der Alt-Marler schmunzelnd.

Auch Mitglieder des Marler Seniorenbeirats befanden die Noppen- und Rillenmatten an der Ampel gestern beim Ortstermin im Praxistest für tauglich. Denn sie sind nicht nur mit dem Langstock, sondern auch durch die Schuhsohlen zu ertasten.

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