Corona-Test
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Mund auf: An der Paracelsus-Klinik kann man sich auf Corona testen lassen. Bald kann auch geklärt werden, ob eine Infektion mit dem mutierten Virus vorliegt.

Chefarzt erklärt

Inzidenz-Zahlen richtig deuten: Warum die Altersgruppe der Betroffenen wichtig ist

  • Markus Weßling
    vonMarkus Weßling
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Noch gar nicht lange ist es her, da waren die Intensivstationen der Kliniken bis zum Anschlag belastet. Das sieht jetzt anders aus - auch in Marl. Ein Chefarzt deutet die aktuellen Entwicklungen.

Es ist eine gute Nachricht in diesen Pandemie-Zeiten: Auch auf der Intensivstation der Paracelsus-Klinik hat sich die Corona-Lage im Vergleich zum Jahresbeginn deutlich entspannt. Das sagt Dr. Markus Reiser, Chefarzt für Infektiologie an der Paracelsus-Klinik. Gestern waren insgesamt zwölf Covid-Patienten im Klinikum Vest aufgenommen, neun davon in Marl. Nur eine Person musste beatmet werden.

Inzidenzwert sinkt nicht kontinuierlich

Andererseits: Der Sieben-Tage-Inzidenzwert, also die Zahl der Neuinfektionen binnen sieben Tagen, gerechnet auf 100.000 Einwohner, sinkt in Marl aktuell nicht mehr kontinuierlich, sondern schwankt seit Tagen im Bereich um die 50 bis 65. Freilich ist diese Zahl nur begrenzt aussagekräftig. Doch was die Frage angeht, wie wahrscheinlich ein schwerer Krankheits-Verlauf bis hin zum Tod ist – dafür müsse man mehr als bisher auf die altersmäßige Verteilung der Infizierten schauen, sagt Dr. Reiser. Denn die Corona-Sterblichkeitsrate bei unter 40-Jährigen liegt gerade einmal bei 0,1 Prozent, bei über 80-Jährigen bei fünf Prozent – ein gewaltiger Unterschied. Beim Blick auf das sogenannte Dashboard auf der Internetseite des Kreises wird deutlich: Inzwischen bilden nicht mehr die besonders „vulnerable“, also für einen schweren Krankheitsverlauf besonders anfällige, Hochbetagte die größte Gruppe bei den neu Infizierten.

Weniger Hochbetagte unter den Infizierten

27 Neuinfektionen in der Altersgruppe „80 plus“ verzeichnete das Gesundheitsamt am Donnerstag kreisweit, aber 76 in der Altersklasse 50 bis 59 und 83 in der Altersklasse 20 bis 29 Jahre. Am 1. Februar hatte die Altersgruppe 80 plus noch die größte Gruppe der Neuninfizierten im Kreis gestellt. Das Impfen in den Seniorenzentren, das nach Einschätzung von Dr. Reiser in Marl „gut gelaufen“ ist, zeigt hier seinen Effekt. Schwere Krankheitsverläufe bei jungen, ansonsten gesunden Menschen hat Reiser in der Klinik nicht erlebt. „Wenn wir eine Bevölkerung hätten, in der alle gesund und unter 40 sind, hätten wir die Pandemie wohl kaum wahrgenommen.“ Ausgerechnet gestern meldete der Kreis freilich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder den Tod einer jüngeren Corona-Infizierten (s. Bericht auf dieser Seite).

Erklärungs-Versuche für große Unterschiede

Die großen tageweisen Sprünge beim Inzidenzwert in einigen Städten und die großen Unterschiede zwischen Nachbarstädten – in Marls Nachbarkommune Haltern lag der Wert in den letzten Wochen meist deutlich unter, in Oer-Erkenschwick über dem von Marl – kann sich der Mediziner nur durch größere lokale Infektions-Ereignisse erklären, von denen die Öffentlichkeit nicht immer erfährt. Die Pandemie werde „durch Superspreader angetrieben“.

Im Labor kann man künftig die mutierte Form erkennen

Weit davon entfernt, die neue Virus-Mutation verharmlosen zu wollen, sieht sie Dr. Reiser doch „mit einer gewissen Gelassenheit“. Das Virus mache eine „Evolution“ durch, das sei nicht ungewöhnlich. Man arbeitete unterdessen beim Klinikum Vest daran, im Labor erkennen zu können, ob es sich um die ursprüngliche Form des Virus oder um die mutierte Variante handelt, erklärt Dr. Reiser. Patienten, die an der mutierten Variante erkrankt seien, werde man vorsichtshalber vollständig isolieren, während man zwei Patienten, die die ursprüngliche Virus-Variante haben, auch gemeinsam auf einem Zimmer unterbringen könne.

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