Das Amtsgericht in Marl.
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Das Amtsgericht in Marl.

Gütetermin vor dem Amtsgericht

„Kalte Räumung“ - es geht um Werte in Höhe von 170.000 Euro

  • Thomas Fiekens
    vonThomas Fiekens
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Eine Nichte klagt nach dem Tod ihrer Tante gegen die neuma auf Schadensersatz und Schmerzensgeld. Jetzt war der Gütetermin. Es geht um Forderungen von 170.000 Euro....

Es geht um 70.000 Euro Bargeld, eine Goldmünzensammlung, Pelze, Schmuck… Die Forderungsliste ist lang, mit der eine 55-Jährige Düsseldorferin in ihre Klage gegen die Neue Marler Baugesellschaft mbH – kurz neuma – zieht. Die Frau fordert Schadensersatz und Schmerzensgeld vom Unternehmen und wirft ihm vor, nach dem Tod ihrer Tante eklatante Gesetzesverstöße bei der Räumung ihrer Wohnung begangen zu haben – wobei Werte in Höhe von insgesamt rund 170.000 Euro verschwunden sein sollen. Am Dienstag ist ein Gütetermin vor dem Amtsgericht Marl ohne Ergebnis geblieben.

Tante der Klägerin starb im Oktober 2015

Die Vorgeschichte einer sogenannten „Kalten Räumung“: An einem Tag zwischen dem 23. und 30. Oktober 2015 verstirbt die damals 75-jährige Tante der Klägerin. Nachbarn haben sie längere Zeit nicht gesehen, schlagen Alarm. Die Wohnung wird geöffnet, Polizisten und Rettungskräfte finden die alleinstehende Rentnerin tot in ihrer neuma-Wohnung an der Johannes-Brahms-Straße.

Strafverfahren ist eingestellt worden

Am 23. November wird sie eingeäschert, erst Mitte Januar will die 55-Jährige im Zuge der Testamentsvollstreckung vom Tod der Tante erfahren haben. Bei der Kontaktaufnahme habe man der 55-Jährigen bei der neuma erklärt, dass die Wohnung bereits im November geräumt worden sei. Die Klägerin hat eine offenkundig positive Lebenseinstellung. „Ich erwache zu den goldenen Möglichkeiten, die vor mir liegen“ steht auf ihrer Visitenkarte gedruckt. Der Tod ihrer Tante Anfang November 2015 habe sie allerdings traumatisiert, berichtet die 55-Jährige vor Gericht: Ein Jahr Arbeitsunfähigkeit, Schwindel, Herzprobleme, Nasenbluten. Ein Strafverfahren wird eingestellt, die Polizei kann keinen Tatverdächtigen für den Diebstahl von Goldmünzen oder Bargeld, fast 80.000 Euro sollen es gewesen sein, ermitteln.

Warum hat die neuma nicht den Leitfaden umgesetzt?

Und so wird um die große Frage, was in der Spanne zwischen dem Tod der alten Dame und der Räumung in der Wohnung tatsächlich geschehen ist, bis heute gestritten. Warum hat die neuma nicht nach Leitfäden gehandelt, über die alle Wohnungsunternehmen für solche Fälle verfügen? Zum Vorgehen findet Richterin Dr. Carolin Elfert klare Worte: „Es wurde kein Räumungstitel erwirkt, keine Kündigung ausgesprochen, zum Beispiel durch öffentliche Zustellung. Es wurde nicht beim Nachlassgericht nachgefragt, kein Bestandsverzeichnis angelegt.“ Die neuma, so Elfert, sei mit der Beweislast-Umkehr konfrontiert. Heißt: Sie muss nachweisen, dass Forderungen ungerechtfertigt sind.

Neuer Termin von Amts wegen

Nun gibt es einen neuen Termin mit Zeugenbefragungen von Amts wegen – falls sich beide Parteien nicht vorher auf einen Vergleich einigen.

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