Der Förderturm der Zeche Haus Aden in Bergkamen. Hier misst die Landesregierung die PCB-Werte im Grubenwasser.
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Der Förderturm der Zeche Haus Aden in Bergkamen. Hier misst die Landesregierung die PCB-Werte im Grubenwasser.

Kein PCB ins Trinkwasser

Chemiker will RAG verklagen

  • Heinz-Peter Mohr
    vonHeinz-Peter Mohr
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MARL - Jürgen Pfeiffer (62), Chemiker aus Marl-Hamm, will den Bergbaukonzern RAG verklagen. Wenn die RAG das Grubenwasser ansteigen lässt, um Millionen Liter in Ruhr, Lippe, Emscher und Rhein abzupumpen, dann könne damit hochgiftiges PCB in die Gewässer gelangen – auch auf sein Grundstück am Reiherweg, fürchtet Pfeiffer.

Die „Bürgerversammlung gegen Verfüllung und Flutung von AV“ und linke Gruppen unterstützen ihn, haben Geld für seine Klage gesammelt.

Die RAG soll verpflichtet werden, alle Maßnahmen zu unterlassen, durch die PCB über das Grundwasser auf Pfeiffers Grundstück gelangen kann. PCB-haltiges Grubenwasser dürfe auch nicht ins Trinkwasser gelangen. Außerdem soll die RAG verpflichtet werden, unter Tage gelagerte Gifte so zu beseitigen, dass keine Gefahr für die Gesundheit entsteht.

„Vorbeugende Unterlassungsklage“ heißt dies im Juristenjargon. Vor dem zuständigen Landgericht Bochum müsste Kläger Jürgen Pfeiffer beweisen, dass eine Gefahr für das Trinkwasser und sein Grundstück besteht. „Meine Pflanzen würden durch PCB und Dioxine kaputtgehen“, sagt er. „Und wer einen Gemüsegarten hat, dessen Lebensmittel würden vergiftet.“ Falls das Gericht seiner Klage stattgibt, könnte es Gutachter beauftragen, die Gefahr konkret einzuschätzen.

Umweltminister will Bürger beteiligen

Wie berichtet, streiten Politiker, Umweltschützer und Bergbau-Verantwortliche über den Umgang mit PCB-belastetem Grubenwasser. Die RAG und das NRW-Wirtschaftsministerium verweisen darauf, dass Umweltnormen eingehalten werden: Der PCB-Anteil der RAG am gesamten PCB-Anteil im Rhein liege bei 0,2 Prozent, betont der Bergbaukonzern immer wieder.

PCB gehöre nicht in die Gewässer – egal in welchen Mengen, entgegnen der grüne NRW-Umweltminister Johannes Remmel und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Remmel will die RAG verpflichten, das Grubenwasser mit teuren Anlagen zu filtern. Die Rede ist von einem zweistelligen Millionenbetrag. Für das Grubenwasserkonzept der RAG strebt Remmel ein Planfeststellungsverfahren an: Betroffene Bürger und Umweltverbände sollen beteiligt werden, die Möglichkeit zum Einspruch haben.

IG BCE macht Druck

Doch es ist offen, ob die Grünen nach der Landtagswahl in der Regierung sind und Filter durchsetzen können. Die im Revier einflussreiche IG BCE (Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie) macht Druck auf den Umweltminister, sieht „kein Problem“ mit PCB, so der Vorsitzende Michael Vassiliadis vor Journalisten.

Von der Landesregierung beauftragte Gutachter kommen zu dem Schluss, dass die PCB-Belastung bei einem Anstieg des Grubenwassers gesenkt wird. So blieben mehr Schwebstoffe unter Tage. Auch darauf verweist die RAG. Offen ist aber, wie viele Gifte wo unter Tage lagern. Das sollen Experten in diesem Jahr herausfinden. Die Gutachter empfehlen auch, kontinuierlich Daten zu erheben und einen „optimierten Grubenwasserstand“ zu ermitteln.

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