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Die extremen Lebensbedingungen von Algen interessieren den Marler Meeresbiologen Prof. Frithjof Küpper seit Jahren. Gäbe es keine Algen, dann könnten wir nicht auf der Erde leben, erklärt er. Algen produzieren etwa die Hälfte unseres Sauerstoffs. Auch im Schnee leben sie. Im Sommer färben sie schmelzenden Schnee rot. Bei einer Antarktis-Expedition half Küpper seinem Kollegen Matt Davey, dieses Phänomen zu erforschen.

"Teilweise Umweltsünder"

Klimaschutz privat: Was  Meeresbiologe Frithjof Küpper aus Marl im Alltag macht - und was nicht

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Für jedes Jahr seines Lebens will er einen Baum pflanzen. Der Marler Meeresbiologe Prof. Frithjof Küpper verriet uns, was er ganz privat tut, um das Klima zu schonen - und weshalb er sich teilweise als Umweltsünder sieht.

Seit 17 Jahren pflanzt Frithjof Küpper am Freerbruchbach Kopfweiden. Sie nehmen mehr CO2 (Kohlenstoffdioxid) auf als andere Baumarten und entfernen es so aus der Luft, erklärt der Forscher. Außerdem bieten Kopfweiden Nistplätze für Steinkäuze und Fledermäuse. Weil sie ungeheuer schnell wachsen, hat der Marler schon oft ältere Weiden zurechtgeschnitten. Sonst wären sie auseinandergebrochen oder umgestürzt. Beim Stutzen kam wertvolles Brennholz zusammen – neben dicken Ästen, die für Neupflanzungen als Stecklinge genutzt werden. 

Im Amazonas-Regenwald, in der Wüste Kuwaits und der Antarktis hat Frithjof Küpper den Klimawandel erforscht. Er sah selbst, wie das Eis in der Arktis stark abnimmt, wie Gletscher schmelzen. Deshalb tut der Meeresbiologe, der an der Universität im schottischen Aberdeen lehrt, auch privat etwas fürs Klima: In dieser Woche lassen er und sein Bruder Hendrik eine Solaranlage auf ihrem Haus in Drewer installieren. „Sie produziert dreimal so viel Strom wie wir verbrauchen“, erklärt der Wissenschaftler. Eine Sinsener Firma montiert die Anlage. Die alte Ölheizung soll stillgelegt werden. Auf diese Weise spare seine Familie fast acht Tonnen CO2 pro Jahr ein, ergänzt Küpper. 

Im Flieger nach Amsterdam, mit der Bahn nach Marl

Trotz seines beruflichen Engagements sieht sich der Marler teils als Umweltsünder – weil er oft weltweit zu Forschungstouren und Konferenzen fliegt. „Das bringt mein Job mit sich. Deshalb kaufe ich Klimakompensationen. Seriöse Fluglinien bieten sie als Zusatzoption an.“ Das Geld gehe in Fonds für Aufforstungsprogramme und Projekte zur Installation erneuerbarer Energien in Entwicklungsländern. Bei einem Flug von Aberdeen nach Amsterdam betrage die Kompensation nur 4 Euro, weil die Kosten in Entwicklungsländern viel geringer sind. „Da zahle ich auch mehr“, sagt Frithjof Küpper: „So ein Betrag ist eine Lachnummer.“  

Der Fährverkehr ist für ihn keine Alternative: „Schiffe brauchen gigantische Mengen an Treibstoff.“ Von Amsterdam aus fährt Frithjof Küpper mit der Bahn nach Marl. Seit diesem Jahr sind alle ICE generell mit Ökostrom unterwegs. Zu seinem Labor und Institut an der Universität Aberdeen kommt der Professor in Fahrgemeinschaften. Meist lässt er sich von einem Nachbarn dorthin bringen, dessen Arbeitsplatz auf seinem Weg liegt: „Auf dem Rückweg nehme ich den Bus.“

Auf den Teller kommt Wild

In Marl legt Frithjof Küpper alle Wege mit dem Fahrrad zurück – obwohl ihn der Zustand mancher Fahrradwege nicht gerade begeistert. 

Und was kommt bei ihm auf den Tisch? Ganz auf Fleisch verzichten mag der Biologe nicht. Frithjof Küpper isst deshalb Wild – für ihn die „nachhaltigste Form von Fleischkonsum: In Schottland verhungern jeden Winter Tausende Rehe. Das Wild frisst bei uns die Bäume ab.“

Großes Verdienst von Greta Thunberg

Dass Klimaschutz oben auf der politischen Prioritätenliste steht, findet der Marler klasse: „Das ist Greta Thunbergs großes Verdienst.“ Bei der Schülerklimakonferenz in Marl gab Frithjof Küpper im Juni ein Impulsreferat. Sein wichtigster Tipp: „Wenn wir auf Kohlestrom verzichten und Ökostrom bestellen, ist schon eine Menge erreicht. Meistens kostet das gar nicht viel mehr.“

Lesen Sie auch: Stadt Oer-Erkenschwick und Innogy loben Klimaschutzpreis aus - so kann man sich bewerben.

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