Lieferengpässe bei Evonik

Materialversagen als Explosionsursache

Marl - Die Ursache für die tödliche Explosion im Marler Chemiepark ist offenbar Materialversagen. Das bestätigt soeben die Staatsanwaltschaft. Menschliche Fehler der beiden getöteten Mitarbeiter können ausgeschlossen werden.

In der Presseerklärung der Polizei und der Staatsanwaltschaft heißt es: "

In diesem Zusammenhang soll erwähnt werden, dass durch die gute Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Chemieparks eine zügige Aufarbeitung der möglichen Unglücksursache ermöglicht wurde.

Nach Abschluss der Untersuchungen am 3. April erfolgte in Absprache mit der Staatsanwaltschaft Essen die Freigabe des Unglücksortes. Eine enge Betreuung der Angehörigen der Verstorbenen erfolgt durch zuständige Stellen des Chemieparks. Eine abschließende Begutachtung der Unglücksursache wird noch einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen."

Laut Evonik gibt es durch den Ausfall der Anlage Lieferengpässe für Kunden. Hier die Pressemitteilung im Wortlaut:

CDT (Cyclododecatrien) dient als Ausgangsstoff zur Kunststoff-Herstellung. Aus CDT wird Laurinlactam hergestellt, das als Monomer für Polyamid 12 (PA12) eingesetzt wird. Kunststoffteile aus PA12 sind wichtige Komponenten insbesondere im Automobilbau, der Photovoltaikindustrie und in Offshore-Leitungen. Weitere wichtige Anwendungsgebiete sind die Sportartikel- und die Haushaltswarenindustrie. Evonik ist eines der führenden Unternehmen bei der Produktion von PA12. Zurzeit ist der volle Umfang des Schadens noch nicht absehbar. Es ist aber mit erheblichen Einschränkungen in der Lieferfähigkeit von CDT-basierten Produkten zu rechnen. Wir sind andererseits zuversichtlich, Lieferengpässe mit Substituten wie VESTAMID® Terra reduzieren zu können. Diese biobasierten Polymere können in vielen Anwendungen entsprechend modifiziert annähernd die gleichen Materialeigenschaften aufweisen wie PA12. Um die volle Lieferfähigkeit schnellstmöglich wiederherzustellen, arbeiten wir bereits jetzt mit Hochdruck an der Reparatur der Anlage.

Damit scheint die Ursache des verheerenden Unglücks klar zu sein. Hier noch mal der Ablauf: Gegen 13.30 Uhr hatte es am Samstag im Chemiepark Marl eine gewaltige Verpuffung gegeben. Ein dicke schwarze Rauchwolke zog daraufhin über Marl, Herten und Recklinghausen hinweg. Die Feuerwehr war mit rund 130 Einsatzkräften vor Ort. Zunächst war nur von einer vermissten Person die Rede gewesen, schnell wurde diese Zahl auf drei korrigiert. Zwei Mitarbeiter konnten bei sich zu Hause angetroffen werden. Der dritte Werkangehörige, ein 45-Jähriger aus Herten, konnte am Abend dann nur noch tot geborgen werden. Seinen Körper hatte die Feuerwehr bereits kurz nach Beginn der Löscharbeiten entdeckt. Aufgrund der extrem starken Hitzeentwicklung von über 1000 Grad Celsius konnten die Wehrleute aber lange nicht zu ihm vordringen. Ein zweiter Arbeiter war kurz nach Ausbruch des Feuers geborgen worden. Der 31-jährige Hertener war mit schwersten Brandverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert worden, wo er am Montag verstarb. Auch ein Feuerwehrmann wurde bei dem Einsatz leicht verletzt. Er konnte aber schon am Samstagabend wieder das Krankenhaus verlassen. Er hatte eine Knieprellung erlitten. Seit Sonntag ist nun die Kriminalpolizei damit beschäftigt, die Ursache für die Verpuffung zu finden, deren Druckwelle in ganz Marl zu spüren gewesen ist. Nur so viel ist bislang klar: In einer so genannten CDT-Anlage war es zu einem Brand gekommen, infolgedessen es zu der Verpuffung gekommen sein muss. In der Anlage werden Vorprodukte für die Kunststoffproduktion hergestellt. Dabei handele es sich um den Kohlenwasserstoff Butadien, sagte der Standortleiter des Chemieparks, Klaus-Dieter Juszak. Erst in der Nacht zum Sonntag - gegen 4.50 Uhr - hatte die Feuerwehr den Brand gelöscht. Da sich die Chemiekalien nicht mit Wasser löschen ließ, mussten Speziallöschfahrzeuge genutzt werden, die Schaum auf das Feuer sprühten. Rund um den Chemiepark herrschte am Samstag großes Chaos. Rund 130 Feuerwehrleute waren alarmiert worden, praktisch jede Wache der Stadt Marl. Sie unterstützten die Werkfeuerwehr, die natürlich als erstes vor Ort gewesen ist. Die Polizei schickte rund 30 Beamte nach Marl, die das Gebiet weiträumig absperrten, vor allem um Schaulustige fernzuhalten. In den ersten zwei Stunden nach der Verpuffung war es noch unklar gewesen, ob der aufsteigende Rauch giftig sein könnte. Vorsorglich wurde die Bevölkerung darüber informiert, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Messungen ergaben schließlich, dass es zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für Mensch und Tier gegeben hat. Auf YouTube haben einige Marler Videos eingestellt, die die gigantische Rauchwolke kurz nach der Explosion zeigen:

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