Der Sichtschutz ist weg: Siegfried Scholz (re.) steht in den Resten seiner Hecke. Die Nachbarn hinten in seinem Garten wären vor dem Kahlschlag nicht zu sehen gewesen.
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Der Sichtschutz ist weg: Siegfried Scholz (re.) steht in den Resten seiner Hecke. Die Nachbarn hinten in seinem Garten wären vor dem Kahlschlag nicht zu sehen gewesen.

Wie schnell Gehölze wieder wachsen

Aufregung in Marl nach Hecken-Kahlschlag: Was die Gartenbau-Expertin dazu sagt

  • Thomas Fiekens
    vonThomas Fiekens
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Unsere Berichte über den Kahlschlag in Gärten an der Plaggenbrauckstraße sorgen im Internet für Debatten, die nicht abebben: Musste man die Gehölze gleich bis auf wenige Zentimeter über dem Boden stutzen? Wir fragten eine Fachfrau, die es wissen muss.

Mieter aus der Plaggenbrauckstraße in Marl hatten sich über den rabiaten Rückschnitt in ihren Grünanlagen der Rheinstahlsiedlung empört. Auf unserem Portal und unserer Facebook-Seite melden sich Nutzer mit Rückschnitt-Erfahrungen auch aus anderen Stadtteilen in Marl zu Wort: Was ist mit der „Schonzeit“ für Gehölze?

Wir fragten Margarete Kulmann-Rohkemper. Die Garten- und Landschaftsarchitektin gehört mit dem gleichnamigen Marler Betrieb der bundesweiten Vereinigung „Gärtner von Eden an“. Aus der Distanz möchte sie den Hecken-Kahlschlag in Brassert nicht kommentieren. Als Unbeteiligte sagt sie: „Ein radikaler Rückschnitt, man spricht auch von ,Auf-den-Stock-Setzen, kann je nach Gehölz durchaus eine sinnvolle Maßnahme sein. Vor allem, wenn lange Pflege erfolgt ist. Aber das gilt eben nicht pauschal und überall.“

Schonzeit gilt auch in Marl

Bei Wildgehölzen in der Landschaft, in Wallhecken oder an Straßenböschungen könne das der Fall sein – bei Ziergehölzen aber ganz anders aussehen. „Da ist das behutsame Zurückschneiden und Auslichten oft Pflicht.“ Knapp über dem Boden abgesägte Pflanzen, die das „Auf-den-Stock-Setzen“ vertragen, treiben wieder neu aus. „Das Ganze wächst dann wieder dichter“, erklärt Kulmann-Rohkemper.

Klar ist aber, dass es Regeln gibt. Die wichtigste: Da viele Vogelarten auf Bäume, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze als Nist- und Brutplatz angewiesen sind, gilt laut Bundesnaturschutzgesetz für bestimmte Gehölze im Zeitraum vom 1. März bis 30. September ein Fäll- bzw. Beseitigungsverbot. Sie haben dann quasi Schonzeit.

Mit Augenmaß vorgehen

Und auch in der „erlaubten Zeit“ soll man beim Heckenschnitt mit Augenmaß vorgehen und sie nicht auf voller Länge so radikal beschneiden, dass alle tierischen Bewohner auf einen Schlag heimatlos werden. Wie lange dauert es, bis radikal gekappte Hecken ein ansehnliches Erscheinungsbild wiedererlangen? „Auch dass ist je nach Gehölz unterschiedlich“, erläutert Margarete Kulmann-Rohkemper. „Wildgehölze sind vielleicht nach zwei, drei Jahren wieder da, Ziergehölze brauchen oft länger.“

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