Eva-Maria und Marcell Rost wollen das Freizeitlokal Wuttke erhalten.
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Eva-Maria und Marcell Rost wollen das Freizeitlokal Wuttke erhalten.

Einnahmen fehlen

Beliebtes Ausflugsziel in Marl ist in seiner Existenz bedroht

  • Heinz-Peter Mohr
    vonHeinz-Peter Mohr
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Durch die coronabedingte Schließung im Frühjahr geriet ein traditioneller Treffpunkt in Marl in finanzielle Schwierigkeiten.

Viele Generationen haben bei Wuttke in der Heide gefeiert, Kinder aus finanziell schwachen Familien verbrachten dort bei der Stadtranderholung ihre Ferien. Doch nach mehr als sieben Jahrzehnten droht dem Ausflugslokal das Aus. Wie viele Gastronomie-Betriebe kämpft es in der Corona-Krise um seine Existenz: „Der Großteil des Saisongeschäfts wurde uns weggenommen“, sagt Marcell Rost (50), der die Freizeitanlage vor zwölf Jahren mit seiner Frau Eva-Maria (45) übernommen hat.

Marl: Ausflugsziel war lange geschlossen

Für Wuttke beginnt die Hauptsaison im März. Besonders im Mai und Juni kommen Familien und Vereine zum Grillen oder Minigolf in die Frentroper Mark, unternehmen mit den Kindern Planwagenfahrten. Doch aufgrund des Lockdowns im Frühjahr musste Wuttke bis Mitte Mai schließen, bis Mitte Juni durfte dort nicht gegrillt werden. Die beliebten Planwagenfahrten waren ebenfalls untersagt – und sind es noch.

Derzeit lassen die Beschränkungen wenig Raum für private Feste. Runde Geburtstage dürfen aktuell maximal zehn Gäste feiern, drei Tage vorher müssten sie angemeldet werden. „Unter diesen Bedingungen feiert kein Mensch mehr“, kritisiert Marcell Rost die Auflagen. Dass Hochzeitsgäste im Herbst und Winter draußen grillen wollen, kann er sich auch nicht vorstellen: „So geht unser Betrieb systematisch kaputt.“

Marl: Betrieb kostet monatlich 2000 Euro

Obwohl das Ausflugslokal fast drei Monate geschlossen war, musste das Ehepaar jeden Monat die Betriebskosten von 2000 Euro zahlen: Strom, Heizkosten, Versicherung und nicht zuletzt die Erbpacht an das Bistum Münster, dem das Gelände im Grünen gehört, sind feste Ausgaben. Überbrückungshilfen haben die Rosts zwar bekommen. Sie wissen aber nicht, ob sie sie zurückzahlen müssen. Jetzt muss das Paar über den Winter kommen – und weiß nicht, wie: „Wer kommt im Winter zum Minigolf?“ Marcell Rost arbeitet hauptberuflich als Chemikant im Chemiepark Marl. Nur aufgrund seiner Einkünfte kann das Paar sich sein Ausflugslokal überhaupt noch leisten.

Marler Betreiber hoffen auf Solidarität

Ein Lichtblick sind Vereine aus dem Revier, die Solidarität zeigen. So wie die Melting Pistons, ein Club von Liebhabern amerikanischer Autos. Er übernahm spontan eine Getränkerechnung von 653 Euro. Dafür sind die Rosts dankbar. Sie hoffen, dass ihre Stammgäste auch im Herbst und Winter vorbeischauen, dass Wanderer oder Pilzsucher bei Wuttke öfter Rast machen: „Eine Gulaschsuppe mit Brötchen können wir auch draußen anbieten.“ Auch Flammlachs und Glühweinabende am offenen Feuer oder Wintergrillen sind draußen bei beschränkter Gästezahl möglich.

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